Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Nach dem Olympischen Erfolg definiert sich Kanada neu – Doug Firby / Gastautor
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Neuer Stolz Nach dem Olympischen Erfolg definiert sich Kanada neu

Doug Firby / Gastautor

09.03.2010

Foto: Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Foto: Vincenzo Pinto/AFP/Getty Images

Sehr geehrte Damen und Herren, treffen Sie das neue Kanada.

Kanada ist nicht mehr der demütige Verlierer, sondern definierte sich innerhalb von zwei Wochen neu — als frech, aufdringlich und stürmisch und ohne Angst alles aufs Spiel zu setzen.

Am Anfang erklärte Kanada ihm würde das Podium gehören — anscheinend ein so kühnes wie lächerliches Ziel für ein Land, das in der Vergangenheit bei Olympischen Spielen, die es selbst veranstaltete, niemals eine Goldmedaille gewonnen hatte.

Heute erringen Kanadas Athleten 14 Goldmedaillen — mehr als jedes andere Land jemals bei Olympischen Winterspielen - und liegt mit insgesamt 26 Goldmedaillen an dritter Stelle. Das anmaßende Ziel des Kanadischen Olympischen Komitees von 28 wurde gerade einmal um zwei Medaillen verfehlt. Aber man könnte wohl kaum einen Kanadier finden, der nicht meint, dass dieses Land mehr als die Erwartungen der kühnsten Wettbewerbsträume erfüllt hat.

Die wohlverdiente Strafe für die USA

Der mitreißende Triumph nach der Verlängerung des Spiels am Sonntag über den Erzrivalen Vereinigte Staaten im Männer-Eishockey war eine großartige Vorstellung, aber auch nur die Glasur auf einem sehr wohlschmeckenden Kuchen. Bevor das Eliteteam die Schlittschuhe auf das Eis setzte, waren die Kanadier über die unglaubliche Wende, die sie bei diesen Olympischen Spielen erreicht hatten, schon begeistert.

Einen Tag vor dem großen Spiel fasste ein Freund von mir die Stimmung der Nation zusammen: „Das schlechteste, was Kanada bei diesen Olympischen Spielen tun kann, ist besser als alles, was es bis jetzt getan hat. Wir rocken, wir herrschen, wir sind müde davon gut zu sein, wir sind bereit dafür großartig zu sein."

Es ist eine bemerkenswerte Wende, die Kanada aus dem Mittelfeld der Olympischen Spiele herausführt. Bis zur Halbzeit der Spiele war Kanadas Leistung so enttäuschend gewesen wie das trübe Wetter, das die Olympischen Veranstaltungsorte heimsuchte. Kanadas von Verletzungen geplagte Skimannschaft so wie auch unsere Eisschnellläufer blieben hinter den Erwartungen zurück und eine ängstliche Nation stellte sich auf eine nationale Erniedrigung ein. Ein hochnäsiger Brite erklärte sie zu den möglicherweise schlechtesten Spielen.

In unserer dunkelsten Stunde verschaffte uns Jon Montgomery eine freudige Erleichterung, obwohl dessen Goldmedaillengewinn aufgrund seiner Notsituation unwahrscheinlich erschien. Die unbekümmerte Euphorie des rotbärtigen Auktionators und Gebrauchtwagenverkäufers Montgomery aus Russell, Manitoba, über seinen unerwarteten Triumph - nämlich Kanadas vierte Goldmedaille in diesen Spielen - schien der perfekte Balsam für eine Nation mit einer offenen Wunde zu sein.

Es war am Anfang der zweiten Woche, als erste Inspirationen belohnt wurden. Die ganze Nation verliebte sich in die junge Eiskunstläuferin Joannie Rochette, die einige Tage nach dem plötzlichen Herztod ihrer Mutter in Vancouver unglaublichen Mut und Selbstsicherheit zeigte und sich eine Bronzemedaille sicherte.

Plötzlich hagelte es Medaillen und die Stimmung verbesserte sich. Die beiden Kleinstadtlieblinge Tessa Virtue und Scott Moir griffen nach Kanadas erster Goldmedaille im Eistanzen. Ashleigh McIvor aus Whistler, B.C., dominierte bei den Frauen im Freestyle-Ski Cross. Und Christine Nesbitt gewann die 1.000 Meter im Eisschnelllauf. Charles Hamelin, der in zwei früheren Eisschnelllauf-Wettbewerben enttäuschte, gewann Freitag nacht innerhalb nur weniger Stunden zwei Goldmedaillen. Das war erst der Anfang. Kanada hatte seinen Weg nach oben gefunden und war bereit die Welt mit einem erstklassigen Finish in Erstaunen zu versetzen.

Dann kam der Super-Samstag, als unsere Eisschnellläufer, Curler und Snowboarder goldene Erlösung fanden. Jay Anderson kam von scheinbar nirgendwo um den Sieg im Parallel-Riesenslalom zu erobern — und konnte seine eigene Leistung nicht glauben. Skip Kevin Martin schüttelte seine früheren Niederlagen im Curling ab und führte das Kanada-Team zu Gold. Ein Trio beherrschte die 3.200 Meter lange Eisschnelllauf-Strecke und schlug - wen sonst als die Amerikaner — um nur 21 Hundertstel Sekunden. Das Eishockeyteam der Frauen vervollständigte seinen Turniererfolg, indem es - man konnte es sich schon denken — die Vereinigten Staaten mit 2:0 besiegte. Es war ein so dominierender Lauf, dass der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge, dazu ermahnte, dass es in Zukunft wettbewerbsfreundlicher zugehen sollte.

Im Gefühl des neuen Stolzes

Wie die Spiele selbst — die durch den frühen Tod eines georgischen Rennrodlers beschädigt wurden — hatten kanadische Athleten die Ehre der Nation nicht nur gerettet; sondern sie hatte auch Erlösung und ein Gefühl des neuen Stolzes gefunden.

Und dann kam der Sonntag — das Goldmedaillen-Hockey-Spiel, das die ganze Nation lahm legte. Drei spannende Spieldrittel lang und noch während sieben Minuten und 40 Sekunden hektischer Nachspielzeit hielt ganz Kanada den Atem an, bis Sidney Crosbys Tor einen Schrei auslöste, der von einem Ozean zum anderen gehört werden konnte.

„Diese goldenen Spiele haben ihren krönenden Moment," erklärte der Kommentator das Spiel ausführlich.

Die Kanadier wenden sich jetzt wieder ihrer Arbeit zu und unterhalten sich intensiv über die unglaublichen zwei Wochen, die eine Nation in Atem hielten. Es ist nur Sport, aber — so wie Paul Hendersons 1972 die Sowjets mit seinem Tor besiegte und damit Kanadas Folklore neu schrieb - haben die Triumphe der letzten paar Tage interessanterweise dazu geführt, dass wir uns selbst anders sehen und die Welt uns anders sieht.

Es war ein gängiger Scherz: Wenn man einen Kanadier fragt, wer er ist, sagt er, er sei kein Amerikaner.

Diese Tage sind vergangen. Wir sind stärker, stolzer und mutiger als bisher. Komplexer. Raffinierter. Weniger höflich. Als widerstandsfähiges Produkt eines grob geschnittenen Landes mit Bäumen, Eis und Ahornblättern, glauben wir jetzt, dass der große weiße Norden mehr als ein gängiges Klischee ist. Zuletzt wurden wir als die Nation definiert, die wir schon immer gewesen sind, vielmehr als die Nation, die wir nicht sind.

Man kann von Kanada nicht mehr als einem Hätte sein können-Land und auch nicht mehr im Konjunktiv reden. Es hat als ein Weltmeister die lange überfällige Anerkennung verdient.

Und das ist erst der Anfang.

Doug Firby aus Kanada ist leitender Redakteur von Troy Media Corporation. Copyright Troy Media.

Originalartikel auf Englisch: Canada Redefines Itself With Olympic Success



 
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