Kultur – Der Clown mit dem zärtlichen Gefühl – Uwe Käding
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„Bevor ich es vergesse“ Der Clown mit dem zärtlichen Gefühl

Uwe Käding

10.03.2010

Foto: AP Photo/Martin Meissner

Foto: AP Photo/Martin Meissner

Frankfurt/Main (apn) „Ich lese: Menschen, die ausgeglichen und glücklich sind, werden im Allgemeinen kaum das Bedürfnis fühlen, zu einem Analytiker zu gehen oder ihre Lebensgeschichten auf Papier zu setzen“, schreibt Herman van Veen in der Einleitung seiner Autobiografie. Und setzt hinzu: „Ich schreibe dies auf, bevor ich es vergesse.“

Der letzte Halbsatz ist zugleich der Titel des Buchs, das am 14. März – dem 65. Geburtstag des niederländischen Musikers, Komödianten, Clowns, Philosophen – erscheint. Zwei Tage später, am 16. März, liest er in Köln im Rahmen der lit.Cologne Passagen daraus vor und trägt einige Lieder seines aktuellen Programms „Im Augenblick“ vor. Alfred Biolek und Thomas Woitkewitsch, die van Veen 1972 für Deutschland entdeckten, werden anwesend sein.

Woitkewitsch, der Übersetzer vieler Lieder aus dem 150 Alben umfassenden Werk van Veens, sagt zu seiner Beziehung zu dem Künstler: „Als ich Herman in Rotterdam zum ersten Mal auf der Bühne sah, dachte ich, mit diesem Typen möchte ich zusammen alt werden. Dass unser Band inzwischen fast vier Jahrzehnte gehalten hat, finde ich 'veenomenal'.“

Das Phänomen van Veen beginnt 1965. „Ich werde vom Wehrdienst befreit werden“, schreibt er einleitend aus der Perspektive eines Neugeborenen, das noch nicht weiß, was ihm alles bevorsteht. „Muss mich rasieren, fast alles lesen und verstehen, zum ersten Mal in ein Flugzeug rein und zum Glück wieder raus. Die Leute schauen mir hinterher, weil ich Lieder singe und spiele und tanze wie kein anderer.“

Van Veens erstes deutschsprachiges Album erscheint 1973 und heißt „Ich hab ein zärtliches Gefühl“. Ein Bekenntnis – und ein Appell, das Private nicht der Karriere und anderen Mechanismen des Weltgeschehens unterzuordnen.

„Nein zu sagen, wenn die ganze Welt ja sagt“

„Das ist für mich das wichtigste Lied, das ich je gesungen habe“, erzählte van Veen im Sommer vergangenen Jahres in seinem Haus in Soest bei Utrecht. „Ich habe eine Autobiografie geschrieben und festgestellt, dass dieses Lied ein echtes Credo ist. Das ist immer noch so, wie ich das jetzt sehe. Das ist einfach, dass man Gänsehaut kriegt von jemand, der den Mut hat, bei sich zu bleiben. Ein Ei zu backen! Ohne sich zu fragen: Was denkt die Welt? Einen Salat zu pflücken, oder die Wäsche zu machen, oder nein zu sagen, wenn die ganze Welt ja sagt. Wer ist der größere Held? Der sein Ei backt, oder der neben (Fidel) Castro durch den Wald... – he? – Nein, das ist ein wichtiger Text in meinem Leben geworden.“

Georges Moustaki, ein weiterer Freund und Weggefährte, beschreibt den ernsten Clown so: „Herman, ich erkenne in dir die Weisheit des Hofnarren, die Brutalität des Moralisten während du vorgibst, nur das Ziel zu verfolgen, uns zu unterhalten.“

Bachs Kontrapunkt-Dramaturgie als Vorbild

Ja, van Veen ist ein Moralist, aber Brutalität ist ihm fremd. Van Veen seziert in seinen Programmen die menschliche Seele, aber er bleibt immer freundlich, lässt immer auch das Andere gelten. Johann Sebastian Bach und dessen „Kontrapunkt-Dramaturgie“ ist ihm dafür das große Vorbild. „Bei Bach ist alles umgekehrt auch wahr. Das ist genial!“

Van Veen wurde nicht nur in seiner Heimat und Deutschland ein Star, er feierte weltweit Erfolge. Die Musikfabel der Ente „Alfred Jodocus Kwak“ half ihm dabei – in Japan entstand dazu eine Zeichentrickserie, die weltweit bekannt wurde. „Ich fahre halb betrunken eine Ente tot. Nenne sie Alfred Jodocus Kwak. Werde von Zahlen umgebracht und esse, wenn's geht, vorher Schnecken“, beschreibt van Veen in seiner Autobiografie die Entstehungsgeschichte der gefiederten Figur.

Orden für deutsch-niederländische Verständigung

Viele Preise und Orden bekam van Veen, gründete Organisationen, die sich für die Rechte von Kindern einsetzen. 1999 wurde ihm für seinen Beitrag zur deutsch-niederländischen Verständigung das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. 2008 wurde er zum Ritter im Orden vom Niederländischen Löwen ernannt – das ist der höchste zivile Verdienstorden der Niederlande.

Nun wird Herman van Veen 65, aber seine Schaffenslust ist ungebrochen. Seine Kunst bestehe darin, nicht zu sehr ins Detail zu gehen: „Wenn man spezifisch wird, hat man Recht oder Unrecht. Und das ist das Uninteressanteste, was es gibt. Mein Vater sagte immer: 'Hier liegt Jan. Er kam von rechts, er hatte recht.' Darum geht's, es geht um das Kreieren von faszinierenden Möglichkeiten.“

Tourdaten: 12.03. Frankfurt/Main (Alte Oper), 16.03. Köln (WDR, Klaus-von-Bismark-Saal), 17.03. Lübeck (MUK), 18.03. Celle (Congress Union), 19.-20.03. Hamburg (CCH2), 09.-10.04. Dresden – (Kulturpalast), 11.04. Cottbus (Stadthalle), 24.04. Bielefeld (Stadthalle), 28.04. Flensburg (Deutsches Haus), 29.04.- 01.05. Bremen (Die Glocke), 05.05. Siegburg (Rhein-Sieg-Halle), 06.05. Dortmund (Konzerthaus), 08.05. Siegen (Siegerlandhalle), 14.05. Halle/Saale (Georg-Friedrich-Händel-Halle), 15.04. Chemnitz (Stadthalle), 22.05. Essen (Philharmonie).

 

„Bevor ich es vergesse“ erscheint am 14. März im Aufbau-Verlag.

(AP)

www.hermanvanveen.com

 
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