Sport News - Aktuelle Sport Nachrichten – Schumi trägt einen Helm aus Deutschland – Annette Schneider-Solis
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Aktuelle Nachrichten – Sport

Anprobe per 3-D-Scan Schumi trägt einen Helm aus Deutschland

Annette Schneider-Solis

10.03.2010

Magdeburg (apn) Die Rückkehr Michael Schumachers in die Formel 1 hat beim Magdeburger Helmehersteller Schuberth Wirbel verursacht. „Es war sehr kurzfristig“, schmunzelt Geschäftsführer Marcel Lejeune. „Michael hat sich für seinen bewährten Helm entschieden. Wir mussten ihn in kürzester Zeit an das aktuelle Regelwerk der FIA anpassen. Aber wir sind stolz darauf, dass nicht nur Michael Schumacher pünktlich seinen Helm hatte, sondern alle Fahrer von Mercedes und Ferrari.“

2001 entwickelte Schuberth erstmals einen Kopfschutz für die Formel 1 mit Nick Heidfeld. Es folgten Ralf und Michael Schumacher, und seit einigen Jahren haben die Magdeburger einen Entwicklungsvertrag mit Ferrari. „In der Formel 1 ist man permanent gefordert, muss ständig optimieren, und so kommt jedes Jahr ein neuer Helm heraus.“

Nach dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna 1994 wurden für die Formel 1 höhere Sicherheitsstandards festgelegt. Heute ereignen sich immer wieder Unfälle, die die Fahrer trotz der enormen Geschwindigkeiten unbeschadet überstehen. Ingenieure arbeiten vor allem am Komfort. „Komfort bedeutet im Rennsport Gewicht. Schon 5 Gramm sind eine Menge“, erklärt Marcel Lejeune. „Kopf und Helm sind die einzigen beweglichen Teile im Boliden und sind enormen Fliehkräften ausgesetzt. Damit die Fahrer keine Nackenmuskeln ausbilden müssen, die in keine Kragenweite passen, müssen wir Gewicht reduzieren.“ Außerdem muss der Helm bequem sitzen, und so wird jeder einzelne an den Kopf des Fahrers angepasst.

Anprobe auf dem „Reißbrett“

Zur Anprobe müssen Schumacher, Rosberg und Co allerdings nicht nach Magdeburg. Marcel Lejeune deutet auf ein 3-D-Bild von Fernando Alonso. „Von den Fahrern, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten, sind die Maße bekannt. Von den anderen nehmen wir einen 3-D-Scan, der es uns erlaubt, den Kopf am Reißbrett in den Helm zu schieben. Für die Feinanpassung sind unsere Techniker vor Ort.“ Getestet werden die Helme im eigenen Haus. Hier gibt es Schuss- und Windkanal. Die Brandtests werden am nahegelegenen Feuerwehrinstitut in Heyrothsberge vorgenommen.

Bei der Entwicklung arbeiten die 30 Ingenieure mit den Universitäten Magdeburg und Dresden zusammen sowie mit den Fraunhofer-Instituten Halle und Magdeburg. „So gelangen wir schnell an zukunftsfähige Technologien. Mit Halle arbeiten wir zurzeit an Kompositmaterialien für die Sicherheitszelle des Helms. Hier erhoffen wir uns Vorteile in puncto Leichtigkeit, Schutz und Bearbeitbarkeit.“

Der Formel-1-Helm vereint das Wissen der anderen Helme aus dem Hause Schuberth. „Er hat das schusssichere Visier des Bundeswehrhelms, ist schwer brennbar wie ein Feuerwehrhelm und aerodynamisch und komfortabel wie der Sporthelm“, zählt Marcel Lejeune auf. „Er ist die Synthese unserer gesamten Kompetenzen. Aber umgekehrt steckt auch in jedem Polizeihelm, in jedem Feuerwehr- oder Motorradhelm ein Stückchen Formel 1.“

Bis zu 15.000 Euro pro Helm

Die Sicherheit hat ihren Preis. Ein Formel-1-Helm kostet je nach Entwicklungsstadium 10.000 bis 15.000 Euro. Als Felipe Massa in Ungarn in den Reifenstapel krachte, wurde sein Kopf von einem Helm aus dem Hause Schuberth geschützt. „Oft wird vergessen, dass Massa damals zwei Unfälle hatte“, erinnert Marcel Lejeune und öffnet eine Computeranimation. Darauf ist sekundengenau zu sehen, wie den Rennfahrer eine 860 Gramm schwere Feder bei Tempo 274 an den Kopf flog und die schwächste Stelle des Helms kurz über dem Visier traf. „Dem Fahrer ist nichts passiert, weil der Helm an dieser Stelle nicht mit einer achtfachen Carbonfaserschicht verstärkt war wie vorgeschrieben, sondern mit einer 16-fachen.“ Der Helm, den Massa trug, wog nur 1.360 Gramm. „Da sind wir weltweit Spitze.“

Die beiden größten Wettbewerber von Schuberth Helme lassen in Asien produzieren. „Wir sind die einzigen, die Formel-1-Helme in Europa fertigen. Auf dieses Made in Germany sind wir stolz“, erklärt der Geschäftsführer. Und verrät, dass Schuberth mehr Sicherheit bietet als von der FIA gefordert. „Wenn 100 Prozent verlangt werden, leisten wir 130 Prozent.“

Schumacher nimmt Schumirot mit zu Mercedes

Gestaltet wird der Kopfschutz übrigens von den Fahrern selbst. So nimmt Michael Schumacher sein Schumirot mit zu Mercedes. Beim Rennen in Monte Carlo nehmen allerdings alle Veränderungen am Dekor vor. Warum, weiß der Geschäftsführer nicht. Wie viele Helme die Fahrer pro Saison verbrauchen, ist unterschiedlich. „Manche sind abergläubisch und setzen in jedem Rennen einen anderen auf, andere bleiben bei dem, mit dem sie gewonnen haben. Im Schnitt braucht jeder Fahrer fünf bis sechs Helme pro Saison“, verrät Marcel Lejeune. (AP)

 

 
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