Fernreisen - Die Welt entdecken – Die Tempelanlage von Angkor Wat – Bernd Kregel / Gastautor
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Lieblingsplätze Die Tempelanlage von Angkor Wat

Bernd Kregel / Gastautor

10.03.2010

Foto: Bernd Kregel

Foto: Bernd Kregel

Orte, an denen die Seele baumelt

Die Natur kennt keinen Respekt. Noch Jahrhunderte später holt sie zurück, was ihr menschliche Kultur abgetrotzt hat. Selbst vor einstigen „Weltwundern" oder heutigem „Weltkulturerbe" macht sie nicht Halt. Mit Nachdruck sucht sie eine Entscheidung darüber, welche der beiden Parteien im Wettkampf zwischen Natur und Kultur den längeren Atem behält. Diese Erfahrung macht auch die kambodschanische Tempelanlage von Angkor Wat. Gleich einer Pythonschlange umklammern die Wurzeln des Würgebaums die alten Mauern und Tempeltürme. Fast so, als wolle sich der Dschungel mit seinem festen Griff nicht noch ein zweites Mal von dieser Stelle vertreiben lassen.

Doch die Menschen in Kambodscha sind fest entschlossen, ihr tausendjähriges kulturelles Erbe nicht wieder preiszugeben. Handelt es sich doch in Angkor Wat, dem besten Zeugnis hinduistisch-buddhistischer Architektur, um eines der beeindruckendsten Bauwerke der Weltgeschichte. Voller Bewunderung blicken die Kambodschaner daher zurück auf ihre Vorfahren, die diese weitläufige Anlage geschaffen haben: das Volk der Khmer. Im europäischen Westen kaum bekannt, waren sie doch einst viele Jahrhunderte lang die militärische Vormacht in Südostasien. Und mit Angkor Wat stellten sie ihre Vormachtstellung eindrucksvoll unter Beweis.

Würgefeige
Würgefeige

Foto: Bernd Kregel

Ihre künstlerische Höchstleistung hatte jedoch noch einen anderen Grund: Die Tempelanlage sollte auch dazu dienen, der eigenen religiösen Identität Ausdruck zu verleihen. Diesem Zweck diente besonders die Zentralanlage von Angkor Wat mit ihren fünf Türmen. Sie symbolisierte die damalige Vorstellung von einer Welt, in deren Zentrum - entsprechend dem riesigen Mittelturm - der heilige Berg Meru lag. Durch ihn hindurch verlief die Weltachse und er war dem Himmel mit seinen Gottheiten Brahma, Shiva und Vishnu am nächsten.

Nicht weniger interessant als die ausgedehnte Gesamtanlage sind die Friese und Detaildarstellungen. Im Licht der untergehenden Sonne berichten sie von den kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Volk der Cham aus Vietnam. Oder sie erinnern an die vielfältigen mythologischen Erzählungen in den heiligen Büchern des Hinduismus und des Buddhismus. Eine besondere künstlerische Kostbarkeit, wie sie in zweitausendfacher Variation immer wieder begegnet, sind die Apsaras. Als „Töchter der Freude" beflügeln diese mythologischen Wesen mit ihrer Schönheit in höchster Vollendung die Phantasie der Besucher. Selbst asketisch lebende buddhistische Mönche in ihren safrangelben Gewändern können sich ihrer bezaubernden Ausstrahlung nicht entziehen.

 

 

Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.

In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.

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