Frankfurt/Main - Auch nach dem tödlichen Transrapid-Unglück hält Bundeswirtschaftsminister Michael Glos an der Magnetschwebebahn fest. «Der Transrapid bleibt trotz des furchtbaren Unglücks eine technologische Innovation, die in China ausgezeichnet und reibungslos funktioniert», sagte der CSU-Politiker der «Bild am Sonntag». Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) machte unterdessen den Bau der Flughafen-Verbindung in München von einer Erhöhung des bayerischen Anteils abhängig. Das Milliarden-Projekt in der Landeshauptstadt steht seit dem Unglück mit 23 Toten auf der Teststrecke im Emsland in Frage.
Der «Focus» berichtete unter Berufung auf bayerische Regierungskreise, dass die Kosten für die Trasse wegen des erhöhten Sicherheitsaufwandes steigen werden. Demnach kostet die Verbindung 2 bis 2,2 Milliarden statt den bisher veranschlagten 1,85 Milliarden Euro. Der Freistaat sei bereit, seinen Zuschuss auf 370 Millionen Euro zu verdoppeln. Die bayerische Regierung bestätigte diese Zahlen zunächst nicht.
Tiefensee knüpfte Bedingungen an den Bau: «Wenn Bayern seinen Finanzierungsanteil deutlich aufstockt, hat die Münchner Strecke, ungeachtet der noch zu prüfenden Sicherheitsfragen, eine Chance», sagte der SPD-Politiker dem «Focus». Glos sagte, man brauche eine reguläre Strecke in Deutschland. Der offenkundig auf menschliches Versagen zurückzuführende Unfall dürfe nicht dazu führen, dass der Transrapid gestoppt werde.
Regierung und Industrie hoffen, dass sich mit einer regulären Transrapid-Trasse in Deutschland die Exportchancen erhöhen. Der Bau einer Verbindung zwischen Berlin und Hamburg sowie in Nordrhein-Westfalen ist bereits vor Jahren gescheitert.
«Der Spiegel» berichtete unterdessen, dass Experten noch im Frühjahr modernere Sicherheitssysteme beim Transrapid für verzichtbar gehalten hätten. Demnach glaubte Anfang April der zuständige Fachausschuss unter Federführung des Eisenbahn-Bundesamtes, dass Wartungsfahrzeuge auf Transrapid-Trassen keine modernen Geräte zur Ermittlung ihrer Position brauchen. Der Ausschuss habe im Entwurf eines Leitfadens nur festgeschrieben, dass Wartungsfahrzeuge solche Einrichtungen enthalten könnten, aber nicht müssten. Der Transrapid-Zug war vor einer Woche mit einem Werkstattwagen zusammengestoßen, der sich noch auf der Strecke befand.
Die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr widersprach am Wochenende einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung», nach dem der Wagen keine Betriebsgenehmigung hatte. Er sei als Sonderfahrzeug von den Betriebsvorschriften erfasst gewesen. Der Betrieb sei damit erlaubt gewesen.
Die Behörde wies auch zurück, dass ihr Sicherheitsmängel schon länger bekannt gewesen seien. Man habe keine Versäumnisse zu verantworten. «Bei Beachtung der von uns genehmigten Betriebsvorschriften ist der Betrieb sicher», sagte Behördensprecher Jens-Thilo Schulze. Die Behörde sei aber grundsätzlich nur für Betriebsgenehmigungen und nicht für die Aufsicht zuständig. Eine Aufsichtsbehörde sei im Versuchsanlagengesetz nicht vorgesehen.
(AP)
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