Umwelt – Mit dem Baumhaus zurück zur Natur - zurück zum Selbst – Steffen Munter
The Epoch Times - Deutschland

Aktuelle Nachrichten – Umwelt

Der Baumhaus-Trend Mit dem Baumhaus zurück zur Natur - zurück zum Selbst

Steffen Munter

10.08.2010

Foto: DOM publishers

Foto: DOM publishers

"Weißt du, dass die Bäume reden? - Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst", sagt Tatanga Mani (1871 - 1967), Häuptling der Stoney-Indianer, Kanada

Weißt du, dass die Bäume reden?

Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander,

und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst.

Aber die weißen Menschen hören nicht zu.

Sie haben es nie der Mühe wert gefunden,

uns Indianer anzuhören, und ich fürchte,

sie werden auf die anderen Stimmen in der Natur auch nicht hören.

Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren:

manchmal etwas über das Wetter, manchmal über Tiere,

manchmal über den Großen Geist.

Tatanga Mani (1871 - 1967), Häuptling der Stoney-Indianer, Kanada

„Eines Morgens im April sagte ein Kunde beim Anblick des fast fertigen Baumhauses, das wir für ihn geplant und gebaut hatten, tief bewegt zu mir: ‚Sie haben meinen Kindheitstraum wahr gemacht.’ Dieser Mann, Gründer und Leiter eines sehr großen Unternehmens, musste sich beim Anblick dieser bescheidenen Baumhütte beinahe die Tränen verkneifen. Zweifellos erlebte er dabei einen guten Teil seiner Kindheit von Neuem“. (Alain Laurens, La Cabane Perchée, Mitautor des Buches „Traumhafte Baumhäuser“)

Verirrt in der „Stadt der Steine“

Baumhäuser scheinen immer beliebter zu werden. Mehr und mehr setzt sich ein Trend durch, hin zur Natur, hin zur Einsicht, dass nur ein gutes Miteinander Bestand haben kann. Vielleicht ist es der Traum eines jeden Jungen, vielleicht wartet dieser Junge auch schon viel zu lange: Hoch oben, viele Meter über dem Boden, Äste, die noch keines Menschen Hand berührt hat; hier zu sein, einfach zu sein, eins mit sich, eins mit der Natur, die Bewegungen von Baum und Haus im Wind spürend, langsam erahnend, dass man sich in der „Stadt der Steine“ verirrt haben mag. Getäuscht vom blendenden Zauber der Jahrmarktsgaukler, verwirrt von den betörenden Farben und Düften in den Tempeln des Konsums, angetrieben von ständig zu stillender Genusssucht, merkt man kaum, wie man sich langsam verändert. Die Dakota-Indianer sagen: „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig ab.“

Natürlich können wir nicht alles stehen und liegen lassen und einfach abhauen, aber wir können innehalten und über uns selbst nachdenken, uns hinterfragen: „Was mache ich hier eigentlich? Ist das gut so? Ich renne den ganzen Tag umher, um am Abend zu merken, dass ich kaum etwas geschafft habe.“ Stress, Hektik und Überreiztheit gehen Hand in Hand mit sogenannten modernen Krankheiten. Auch die Alten in China kannten dieses Problem. Doch über die Generationen hinweg fanden sie eine fast unglaubliche Lösung, wie ein chinesisches Sprichwort besagt: „Wenn du in Eile bist, mach’ einen Umweg.“

Die Gabe zuhören zu können

Vielleicht ist es die fast vergessene Erinnerung aus Kindheitstagen oder eine flüsternde Stimme im Herzen, die uns leise mahnt, uns zurückruft, zurück zur Natur, zurück zu uns selbst, wenigstens für kurze Zeit, nur ein paar Stunden, ein paar Tage, um zur Ruhe zu kommen, nachdenken zu können oder einfach nur anzuhalten, zu entspannen. Aber können wir sie hören, bei all dem Lärm, all der Ablenkung um uns herum? Vielleicht muss man dazu eine besondere Gabe besitzen, eine Instinktnatur, eine Art inneres Licht, etwas, dass durch zu hohe und ständige Reize, schrille Farben und lärmende Umgebungen erschreckt wird, sich ins Innere zurückzieht.

Können wir es uns denn überhaupt leisten, zur Ruhe zu kommen, abzuschalten? Was passiert, wenn wir all diese wichtigen Informationen, die uns täglich angepriesen werden, verpassen? Wie sollen wir die Nase vorn haben, im Wettlauf mit der Zeit, mit den anderen Menschen, um vorne dabei zu sein, für manchmal winzigste Vorteile nur? In China sagt man: „Wer auf einem Tiger reitet, hat es schwer abzusteigen.“ Doch um zur Ruhe zu kommen, muss man diese Angst eben überwinden. Vielleicht ist es sogar leichter als es scheint.

Viele Menschen sind der Ansicht, man kann sie spüren, diese Bäume, diese alten Lebewesen der Natur, ihre Energie, ihre Ruhe, ihre innere Kraft; vielleicht kann man sogar ihre Stimmen hören, wie manche meinen. Sie hätten so manche Geschichte zu erzählen, denjenigen, welche die Gabe haben zuhören zu können...

Mein Baumhaus – Jetzt geht’s los!

Wenn man dann einmal mit dem Gedanken spielt, Besitzer eines Baumhauses zu werden, geht es schon in die anfängliche Planungsphase: Wo soll es denn sein, groß oder klein, Marke Eigenbau oder von professioneller Hand, brauche ich eine Baugenehmigung oder nicht? Puh! Ganz schön kompliziert kann das werden. Um sich vorab ein erstes Bild zu machen, um Information und Inspiration zu erlangen und dem unbestimmten inneren Gefühl Struktur und Form zu verleihen, ist es ratsam, zuerst einmal auf bereits existierende Projekte zu schauen. Hierzu seien einige Bücher als Hilfsmittel genannt, die zu den deutschsprachigen Klassikern des Baumhaus-Genres gehören:

Traumhaufte Baumhäuser, Autor: Alain Laurens/Daniel Dufour/Ghislain André, AT Verlag, 224 S., Hardcover, Schutzumschlag; 39,90 €, ISBN 978-3-03800-480-6.
Traumhaufte Baumhäuser, Autor: Alain Laurens/Daniel Dufour/Ghislain André, AT Verlag, 224 S., Hardcover, Schutzumschlag; 39,90 €, ISBN 978-3-03800-480-6.

Foto: AT Verlag

„Traumhafte Baumhäuser“

Die Autoren des Buches „Traumhafte Baumhäuser“ sind allesamt Praktiker. Alain Laurens ist Gründer der französischen Baumhaus-Firma La Cabane Perchée, die bis zum heutigen Tag etwa 200 Baumhäuser in zahlreichen Ländern Europas gebaut hat. Unterstützt wird er dabei von seinem Team, dem u.a. auch die beiden Mitautoren angehören, der Zimmermann und Aquarellmaler Daniel Dufour (Design und Entwurf) und Ghislain André, Zimmermann, Leiter des Bauteams und Teilhaber bei La Cabane Perchée.

Das großformatige Buch zeigt auf schwerem Glanzpapier wundervolle Außenaufnahmen, aber auch interessante Einblicke in das Innenleben ausgewählter Baumhäuser, erbaut von der Firma La Cabane Perchée. Begleitet werden die Bilder dabei von kleinen, manchmal philosophischen Betrachtungen zum jeweiligen Projekt, dass zusätzlich mit Daten wie Quadratmetergröße, Höhe über dem Erdboden und Standort ergänzt wurde. Eines noch, das bei La Cabane Perchée ganz speziell ist: Die Firma hat in zehnjähriger Erfahrung spezielle Haltevorrichtungen entwickelt, die es ermöglichen ein Baumhaus in den Baum zu bauen, ohne ihn dabei mit Nägeln oder Bolzen zu verletzen. Ob im klassischen Baumhausstil, als Ausguck, als japanische Variante, als auf dem Wasser schwimmendes Jadehaus gebaut oder als Refugium in 14 Metern Höhe, mit eng den Baum umschlingender Wendeltreppe, hier findet jeder Ideen, zumal die 28 ausführlich bebilderten Objekte im Anhang um ihre Projektskizzen in Aquarell und die entsprechenden Grundrisse angereichert wurden. Erschienen im AT Verlag.

Neue Baumhäuser der Welt, Autor: Pete Nelson, Christian Brandstätter Verlag, 224 S.; Hardcover; Schutzumschlag; 29,90 €, ISBN 978-3-85033-276-7.
Neue Baumhäuser der Welt, Autor: Pete Nelson, Christian Brandstätter Verlag, 224 S.; Hardcover; Schutzumschlag; 29,90 €, ISBN 978-3-85033-276-7.

Foto: Christian Brandstätter Verlag

„Neue Baumhäuser der Welt“

„Neue Baumhäuser der Welt“ des amerikanischen Architekten und Baumhausspezialisten Pete Nelson ist der Nachfolger des Bestsellers „Baumhäuser der Welt“. Nelson ist Autor zahlreicher Bücher über Baumhäuser. Das Büro seiner Firma TreeHouse Workshop Inc. befindet sich in einer hundertjährigen Douglasfichte bei Fall City, Seattle. Seinen Empfehlungen zufolge sollte jedes Baumhaus von signifikanter Größe von einem Fachmann erbaut werden. Er vertritt dabei die Ansicht, dass der respektvolle Umgang mit dem Baum es erfordert, die Anzahl der Verbindungen zwischen Baum und Baumhaus so gering wie möglich zu halten. Er setzt dabei auf wenige aber große Verbindungen, wie z.B. die 1997 entwickelte Garnier-Schraube, die einen Durchmesser von bis zu 76 Millimetern haben kann. Mit solchen künstlichen Ästen können Baumhäuser mit einer Grundfläche von bis zu 250 Quadratmetern gebaut werden.

Pete Nelson nimmt den Leser auf über 200 Seiten mit auf eine Reise zu den Baumhäusern der Welt. Vorgestellt werden fast 50 Projekte aus Nordamerika, England, Brasilien, Marokko, Indien und dem asiatisch-pazifischen Raum. Einfache Hütten, skurrile und futuristisch anmutende Gebilde, gemütliche Wohnungen um den Baum herum, Baumvillen und sogar mehrgeschossige Baumhäuser – in farbenprächtigen, oft ganzseitigen Bildern werden die verschiedenen Bauten und deren Entstehungsgeschichte dargestellt. Erschienen im Verlag Christian Brandstätter.

Baumhäuser – Neue Architektur in den Bäumen, Autor: Andreas Wenning, Verlag DOM-Publishers, 240 S., Hardcover m. Gummiband; 58,00 €, ISBN 78-3-938666-85-2.
Baumhäuser – Neue Architektur in den Bäumen, Autor: Andreas Wenning, Verlag DOM-Publishers, 240 S., Hardcover m. Gummiband; 58,00 €, ISBN 78-3-938666-85-2.

Foto: DOM-Publishers

„Baumhäuser – Neue Architektur in den Bäumen“

Wer bis jetzt noch nicht fündig geworden ist, der sucht womöglich nach einer eher modernen Variante. Andreas Wennings „Neue Architektur in den Bäumen“ beschäftigt sich eingehend mit der Geschichte des Baumhauses, von der Dorflinde, über Baumhäuser als Wohnort bei Protestaktionen, bis hin zu den Baummenschen in Indonesien. Weiter führt der Autor, der als Architekt arbeitet, den Leser in die biologische Wachstumswelt des Baumes ein und erklärte die Begutachtung der Gesundheit und Tragfähigkeit.

Im Hauptteil des Buches werden 25 zumeist deutsche Projekte in vielen Einzelbildern und Großaufnahmen geschildert. Dies beinhaltet u.a. die Geschichte des Projektes, einige Detailangaben hinsichtlich Baumart, Höhe, statische Befestigungen, Fläche, Fassadenaufbau usw. Die Bandbreite der abgebildeten Projekte erstreckt sich von hauptsächlich schnörkellosen modernen Formen, ähnlich einer etwas schrägen Gartenlaube, bis hin zu futuristisch anmutenden röhren- oder parabelförmigen Bauten auf Metall- oder Holzstelzen. Das Buch schließt ab mit zehn fiktiven, computergenerierten Baumraum-Visionen im zeitgenössischen Design, die beim ersten Betrachten an „Star Wars“ erinnern mögen. Mancher mag vielleicht bei diesen Baumhäusern die gewisse Urwald-Romantik vermissen. Doch die Geschmäcker sind verschieden und ebenso die Möglichkeiten der Baumhausgestaltung. Wem das liegt, der ist mit Wennings Buch gut zu inspirieren. Erschienen bei DOM publishers.

Baumhäuser selbst bauen, Autor: David und Jeanie Stiles, Verlag Holzwerken/Vincentz Network, 128 S.; Taschenbuch; 22,00 €, ISBN 78-3878705796.
Baumhäuser selbst bauen, Autor: David und Jeanie Stiles, Verlag Holzwerken/Vincentz Network, 128 S.; Taschenbuch; 22,00 €, ISBN 78-3878705796.

Foto: Vincentz Network

„Baumhäuser selbst bauen“

Die in den vorangegangenen Büchern beschriebenen Baumhäuser stellen gewisse Ansprüche an professionelle Baufähigkeiten. Jetzt wollen wir zu einem kommen, das eigens für Kinder geschrieben wurde. Der Autor David Stiles absolvierte in seiner Jugend die Kunstakademie in Florenz und arbeitete später für die großen Architekturbüros in New York, USA. Er und seine Frau Jeanie (Co-Autor) haben zusammen 15 Bestseller zum Thema „Holzwerke“ geschrieben.

Ihr Buch „Baumhäuser selbst bauen“ zeigt anhand zahlreicher Zeichnungen alles, was ein interessierter Laie wissen muss, um ein Baumhaus bauen zu können. Von der Wahl des Bauplatzes, günstiger Materialbeschaffung und Wissenswertem über Bäume, geht es zur Unfallverhütung und bautechnischen Details, Werkzeuge, Strickleitern usw. Und immer wieder: Sicherheitshinweise. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem eigentlichen Bauvorhaben: Wie man eine Plattform baut, Pfosten in die Erde einlässt, Fußboden, Wände, Dächer und Geländer errichtet und wie man Fenster und Türen auf möglichst einfache Weise einbaut. Ach ja, soll es in einem Baum sein oder in zwei, drei, sogar vier Bäumen? Kein Problem. Und, da sich das Buch hauptsächlich an Kinder richtet, beinhaltet es noch nützliche Ideen wie Notausgang, Feuerwehrstange, Blechdosentelefon, Seilbahn und vieles mehr. Alles in allem ein echtes Kinderabenteuerbuch. Doch die großen Helfer werden beim Bauen dringend gebraucht. Erschienen im Verlag Holzwerken.

 

Baumhaus – Rechtliches

Die Baubestimmungen in Deutschland sind von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Sie werden in den jeweiligen Bauordnungen behandelt (siehe www.bauordnungen.de).

Ob eine Baugenehmigung eingeholt werden muss, hängt von einigen Fakten ab, wie der Größe des Baumhauses oder ob elektrische und sanitäre Einrichtungen eingebaut werden sollen, ob es dauerhaft bewohnt werden soll oder eher als Spielgerät gedacht ist. Auch Entfernungen zu Nachbargrundstücken müssen beachtet werden. Bitte sprechen Sie rechtzeitig vor Baubeginn mit Ihrem Bauamt.

Letztendlich liegt es an jedem selbst, ob er so weit aus seinem Alltag ausbrechen kann, sich einem solchen Projekt zu widmen. Allerdings muss man dazusagen, dass die Heimat der Baumhauskultur, die USA, weitaus großzügiger hinsichtlich Waldflächen und Baugesetzgebungen ist. Doch auch Hierzulande kann man sich den einen oder anderen Baumhaus-Traum erfüllen...

 
Anzeige
Anzeige
Anzeige