Unternehmen – Karstadt kann durchstarten – Sarah Lena Grahn
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Wieder auf die Beine bringen Karstadt kann durchstarten

Sarah Lena Grahn

03.09.2010

Foto: Matthias Rietschel/apn

Foto: Matthias Rietschel/apn

Essen/Berlin (apn) Bahn frei für Karstadt-Investor Nicolas Berggruen: Der Streit um die Mieten ist beendet, das Essener Amtsgericht hat den Übernahmeplänen für die insolvente Warenhausgruppe am Freitag offiziell zugestimmt, die Schlüsselübergabe ist für den 30. September anberaumt. Damit kann Berggruen nun den Versuch starten, das angeschlagene Unternehmen ohne Schuldenlast wieder auf die Beine zu bringen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) begrüßte die Entwicklung: „Es ist ein großer Tag der Freude für Karstadt." Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte der „Leipziger Volkszeitung", zusammen mit den 25.000 Beschäftigten freue er sich, dass der Verkauf endlich in Kraft treten könne. „Wir alle konnten beobachten, dass es harte Verhandlungen waren."

Die Rettung der rund 130 Jahre alten Warenhauskette blieb jedoch bis zur Entscheidung des Gerichts eine Zitterpartie. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hielt den Plan zur Zerschlagung des Unternehmens bis zuletzt in der Tasche. Dass er ihn nicht brauchte, ist zwei Gläubigern des Vermieterkonsortiums Highstreet zu verdanken, die ihre Unterschriften erst am späten Vormittag ablieferten. „Alles ist da, alles ist bestens„, sagte Highstreet-Sprecher Richard Speich. In einer Stellungnahme des unter anderem von Goldman Sachs und der Deutschen Bank getragenen Konsortiums heißt es: „Highstreet begrüßt die Einigung mit Herrn Berggruen, die durch die enormen Zugeständnisse der Vermieter möglich gemacht wurde." Nun sei der Deutsch-Amerikaner in der Pflicht, Kapital und Ressourcen einzusetzen. Berggruen und seine Manager müssten jetzt zeigen, dass sie Karstadt operativ führen könnten.

Von der Leyen begrüßte die Einigung, warnte aber zugleich vor verfrühter Euphorie. „Karstadt ist noch nicht über den Berg, aber mit Nicolas Berggruen gibt es eine reelle Chance, das Unternehmen wieder flottzumachen", sagte die CDU-Politikerin. Der Investor habe sich für Karstadt ganz persönlich in die Pflicht nehmen lassen und unermüdlich an der Rettung gearbeitet. Er habe bewiesen, was es heiße für Karstadt einzustehen und für dieses Unternehmen geradezustehen. Dennoch werde der 49-Jährige in „den nächsten Wochen, Monaten und Jahren einen langen Atem brauchen."

„Arbeiter für Karstadt„

Berggruen selbst zeigte sich am Freitag zwar müde, aber zufrieden und zuversichtlich. „Es ist auch ein guter Tag für Karstadt, für alle Mitarbeiter und für die Kunden.„ Er dankte allen am Kauf der Warenhauskette beteiligten Akteuren und den Karstadt-Kunden für ihre Treue. Sie alle hätten Tag und Nacht für die Rettung der Warenhäuser gearbeitet. Das Unternehmen werde „ein sehr aufregendes Leben haben", fügte der neue Besitzer hinzu. Er selbst sehe sich „als Arbeiter für Karstadt„, sagte Berggruen weiter. „Ich mache das gerne. Zusammen arbeiten wir für die Zukunft von Karstadt."

Nach den Worten Görgs wird Berggruen am 30. September offizieller Eigentümer des Traditionshauses. Der Insolvenzverwalter lobte den Sohn des Kunstsammlers Heinz Berggruen für dessen Ausdauer: „Herr Berggruen und sein Team haben beharrlich, konsequent und verlässlich die Verhandlungen geführt," sagte er. „Diese Tugenden sollten sich auch für die Zukunft von Karstadt als wertvoll erweisen." Darüber hinaus dankte Görg den Mitarbeitern, allen Kunden und Lieferanten. „Sie alle haben unter Beweis gestellt, welche Bedeutung Karstadt für sie hat."

Marathon für alle Beteiligten

Mit der gerichtlichen Zustimmung am Freitag ist ein schwieriger und alle Beteiligte nervenaufreibender Prozess zu Ende gegangen, der seinen Ursprung bereits vor rund vier Jahren unter der Leitung von Thomas Middelhoff, dem damaligen Chef der Karstadt-Mutter Arcandor nahm. Der Manager hatte damals die zahlreichen Warenhaus-Immobilien damals für 4,5 Milliarden Euro an das Highstreet-Konsortium, bestehend aus der Investmentbank Goldman Sachs, der Deutschen Bank, der Immobiliensparte des italienischen Reifenherstellers Pirelli und der Generali-Versicherung, sowie an den Oppenheim-Esch-Fonds verkauft. Der Konzern mietete die Gebäude anschließend teils überteuert zurück. Im März vergangenen Jahres verabschiedete sich Middelhoff mit tiefroten Zahlen.

Am 9. Juni 2009 meldete Arcandor schließlich Insolvenz für Karstadt an. Im April dieses Jahres gaben die Karstadt-Gläubiger schließlich nahezu einstimmig grünes Licht für den Verkauf der verbliebenen 120 Warenhäuser als Ganzes. Die Suche nach Investoren ging damit in die heiße Phase – die eigentliche Zitterpartie begann. Nach deren Ende muss Berggruen nun zeigen, dass er Karstadt wieder zum Erfolg führen kann. (AP)

 
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