Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
08.09.2010
Foto: Robert Melzer/Pixelio
Schwarze Pumpe/Berlin (dapd). Der schwedische Stromkonzern Vattenfall hat sich zufrieden gezeigt mit seiner vor genau zwei Jahren in Betrieb genommenen Pilotanlage zur Abscheidung von Kohlendioxid (CO2). Rund 4.700 Tonnen Kohlendioxid (CO2) seien seit dem 8. September 2008 in Schwarze Pumpe südlich von Cottbus abgeschieden und verflüssigt worden, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die Abscheide-Rate des Kohlekraftwerkes liege bei mehr als 90 Prozent. Dagegen bezeichnete das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) die CO2-Abscheidung in Kraftwerken als "überbewertet".
Die Ergebnisse, die der Forschungsbetrieb der Pilotanlage in der Lausitz bislang geliefert habe, seien sehr vielversprechend, sagte der Kraftwerks-Vorstand von Vattenfall Europe Mining and Generation, Hubertus Altmann. Die Erkenntnisse sollen in den geplanten Bau eines Demonstrations-Kraftwerks in Jänschwalde nördlich von Cottbus einfließen. Die Pilotanlage in Schwarze Pumpe sei außerdem ein Anziehungspunkt für Forscher und Ingenieure aus aller Welt. Insbesondere Experten aus China, Australien oder Polen würden sich für die Technik interessieren.
Unterdessen wird die Kritik an der Technologie lauter. "Die CO2-Abscheidung ist als Energiebrücke in Deutschland ungeeignet", sagte DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen. Die Technik habe sich als sehr unsicher und gleichzeitig sehr teuer herausgestellt. Technische, ökonomische und institutionelle Faktoren verhinderten den Einsatz der CO2-Abscheidung in Deutschland und Europa.
Damit stehe auch die globale Bedeutung für den Klimaschutz in Frage. So gebe es Schwierigkeiten bei der technischen Umsetzung, ungelöste regulatorische Fragen des Transports, eine deutliche Absenkung der zu erwartenden Speicherpotenziale sowie die starke Ablehnung der gesamten Prozesskette von Abscheidung über Transport bis zur Speicherung durch die Bevölkerung und einige Landespolitiker.
Wegen der hohen Investitionskosten würden mit der Abscheidung die Strom-Erzeugungskosten steigen, heißt es weiter. Schätzungen gingen von 48 und 92 Prozent aus. Da über zukünftige CO2-Preise jedoch kaum verlässliche Prognosen gemacht werden können, bleibe der wirtschaftliche Nutzen unklar. Daher sei auch unklar, wie groß die Pipeline-Netze zum Transport sein müssten, um sie ökonomisch sinnvoll auszulasten.
Zudem bleibt der von der Bundesregierung eingebrachte Gesetzentwurf laut DIW weit hinter den notwendigen Maßnahmen zurück, um eine großtechnische Erprobung der gesamten Prozesskette zu ermöglichen. Auch Vattenfall verwies am Mittwoch darauf, dass wegen des noch nicht verabschiedeten Gesetzes bislang verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen fehlten, um die Technologie weiter voranzutreiben.
Seit langem kritisieren Umweltorganisationen die Forschungen, weil dadurch der Kohleabbau in der Lausitz verlängert werde und zudem weitere Orte von Abbaggerung bedroht seien. Besonders umstritten sind Pläne von Vattenfall, zwei mögliche unterirdische C02-Lagerstätten in Ostbrandenburg zu erkunden. Dagegen gibt es starken Widerstand in den betroffenen Regionen um Beeskow und Neutrebbin. (AP)
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