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Die neue Bundesregierung

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22.11.2005

Berlin - Der neuen Bundesregierung unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel gehören 15 Bundesminister an. Acht Ressorts werden von der SPD geleitet. Die CDU stellt neben der Bundeskanzlerin vier Minister und den Chef des Kanzleramts im Range eines Bundesministers. Die kleinere Schwesterpartei CSU ist mit zwei Ministern vertreten:

- Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):

Geboren wurde sie am 17. Juli 1954 in Hamburg als Tochter eines Pfarrers, der später in die DDR versetzt wurde. Sie wuchs in Templin in der Uckermark (Brandenburg) auf. Merkel studierte Physik an der Universität Leipzig und promovierte. Während der Wende schloss sie sich dem Demokratischen Aufbruch an. Später wurde sie stellvertretende Pressesprecherin der letzten DDR-Regierung von Lothar de Maizière. Bundeskanzler Helmut Kohl holte sie 1991 als Frauenministerin in seine Regierung, der sie von 1994 bis 1998 als Umweltministerin angehörte. Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende, seit September 2002 leitete sie auch die Unionsfraktion. Merkel ist in zweiter Ehe mit dem Berliner Chemieprofessor Joachim Sauer verheiratet.

- Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD):

Bis vergangene Woche war der Sauerländer SPD-Vorsitzender. Der 65-Jährige (16. Januar 1940) begann nach der Volksschule eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Industriekaufmann in einem Metallbetrieb. In der SPD ist Müntefering seit 1966, in der IG Metall seit 1967. Dem Bundestag gehörte Müntefering von 1972 bis 1992 an. Danach wurde er Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen. 1995 wechselte Müntefering als Geschäftsführer zur Bundes-SPD. Bundeskanzler Gerhard Schröder holte ihn 1998 als Verkehrsminister ins Kabinett. Nach einem knappen Jahr ging «Münte» als Generalsekretär zurück zur Partei. Die SPD-Fraktion leitete er seit Oktober 2002. Im März 2004 übernahm er von Schröder auch die SPD-Führung. Müntefering ist verheiratet und hat zwei Töchter.

- Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU):

Schon unter der Regierung Kohl war Schäuble von 1989 bis 1991 Innenminister. Der 63 Jahre alte (18. September 1942) Freiburger hat Rechts- und Wirtschaftswissenschaften studiert und promoviert. Dem Bundestag gehört er seit 1972 an. 1990 feuerte ein Geistesgestörter drei Schüsse auf den Wahlkämpfer ab. Schäuble sitzt seitdem im Rollstuhl. Von 1991 bis 2000 war er Vorsitzender der Unionsfraktion, von November 1998 bis April 2000 auch CDU-Vorsitzender. Beide Ämter musste er im Zuge der CDU-Spendenaffäre räumen. Seit Oktober 2002 ist Schäuble stellvertretender Fraktionschef, Spezialist für Außen- und Europapolitik. Er war für viele Ämter im Gespräch, unter anderem für das des Bundespräsidenten. Schäuble ist verheiratetet und hat vier Kinder.

- Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU):

Der bundespolitische Newcomer ist ein Vertrauter des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Der 56-Jährige (05. März 1949) wurde im Rheingauort Erbach als Sohn eines Winzers geboren. Nach dem Studium ließ er sich in Eltville als Rechtsanwalt und Notar nieder. 1981 bis 1983 war Jung stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union. Mitte 1987 bis Mitte 1991 steuerte er die Geschicke der hessischen CDU als Generalsekretär. Seit November 1998 ist er Mitglied des CDU-Bundesvorstands. Seinen Posten als Chef der Wiesbadener Staatskanzlei musste Jung im Zuge der hessischen CDU-Finanzaffäre aufgeben - auch wenn er bis heute beteuert, nichts davon gewusst zu haben. Seit 2003 war Jung Vorsitzender der CDU-Fraktion im hessischen Landtag. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

- Bildungs- und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU):

Sie machte als als baden-württembergische Kultusministerin 1998 bundesweit Schlagzeilen, weil sie ein Verbot für Lehrerinnen erließ, im Schulunterricht ein Kopftuch zu tragen. Die 50 Jahre (10. Juni 1955) alte gebürtige Rheinländerin gilt als enge Vertraute von CDU-Chefin Angela Merkel. Schavan studierte katholische Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. Sie arbeitete in den Bereichen Studienförderung und außerschulische Jugendbildung. Von 1975 bis 1984 war Schavan Kommunalpolitikerin in Neuss. Kultusministerin in Baden-Württemberg war sie zehn Jahre lang bis 2005. Seit 1998 ist sie auch stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Dem Bundestag gehört sie seit dieser Wahlperiode an. Schavan ist ledig und hat keine Kinder.

- Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU):

Die 47-Jährige (08. Oktober 1958) ist nach einer politischen Blitzkarriere seit 2003 Familienministerin in Niedersachsen. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre schloss sie noch ein Medizinstudium mit Staatsexamen und Approbation als Ärztin ab. Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht übernahm im September 2001 erstmals ein kommunalpolitisches Mandat für die CDU. Sie wurde Ratsfrau in Sehnde, einem Nachbarstädtchen von Hannover. Eineinhalb Jahre später kandidierte sie für den niedersächsischen Landtag und zog gleich als Ministerin in das Landeskabinett ein. Sie ist mit dem Medizin-Professor Heiko von der Leyen verheiratet und hat sieben Kinder.

- Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU):

Der 60 Jahre (14. Dezember 1944) alte Unterfranke war seit 1993 als Landesgruppenchef der oberste CSU-Strippenzieher in der Bundespolitik. Der Müllermeister übernahm zunächst den Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetrieb der Familie. 1976 zog der damals 32-Jährige dann als jüngster CSU-Abgeordneter in den Bundestag ein und konnte sein Direktmandat bis heute verteidigen. 1987 wurde Glos finanzpolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Drei Jahre später wählte ihn die Fraktion zu ihrem Vizevorsitzenden, zuständig unter anderem für den Bereich Wirtschaft. Als CSU-Landesgruppenchef war Glos Erster Stellvertretender Vorsitzender der Fraktion. Merkel wollte ihn zunächst als Verteidigungsminister. Der Unterfranke ist verheiratet und hat zwei Kinder.

- Landwirtschafts- und Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU):

Der 56-Jährige (04. Juli 1949) Ingolstädter gilt als Querdenker. Als Gegner der Kopfpauschale hatte er im November 2004 im Streit den stellvertretenden Unionsfraktionsvorsitz niedergelegt. Doch CSU-Chef Edmund Stoiber nominierte seinen Stellvertreter als Minister, weil er wie kein anderer das «soziale Gewissen» der CSU verkörpert. Nach der Mittleren Reife war Seehofer zunächst in verschiedenen Funktionen in Landratsämtern tätig, bevor er 1979 die Ausbildung als Diplomverwaltungswirt abschloss. Dem Bundestag gehört er seit 1980 an. Seither hat er sein Direktmandat verteidigt. Im Kabinett Kohl war er sechs Jahre lang Bundesgesundheitsminister. Seehofer ist verheiratet und hat drei Kinder.

- Chef des Bundeskanzleramts Thomas de Maizière (CDU):

Dem 51-Jährigen (21. Januar 1954) eilt der Ruf voraus, eine «Allzweckwaffe» zu sein. In Mecklenburg-Vorpommern war er Kultusstaatssekretär und Staatskanzleichef. Danach ging er 1999 nach Sachsen - zunächst als Berater, dann als Leiter der Staatskanzlei. Seither war er sächsischer Finanz-, Justiz- und Innenminister. Auch in Berlin kennt sich de Maizière aus: Der gebürtige Bonner, der Jura und Geschichte studiert und dann promoviert hat, begann 1983 seine berufliche Laufbahn als Mitarbeiter der Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker und Eberhard Diepgen. In der Stadt machte er sich auch als Pressesprecher der CDU und ihrer Fraktion einen Namen. De Maizière ist verheiratet und hat drei Kinder.

- Außenminister Frank Walter Steinmeier (SPD):

Die politische Karriere des 49-Jährigen (05. Januar 1956) war seit den 90er Jahren mit dem Namen Gerhard Schröder verbunden. Dieser machte den Referenten für Medienrecht in der niedersächsischen Staatskanzlei zum Leiter seines persönlichen Büros. Damals war Schröder noch niedersächsischer Ministerpräsident. 1996 wurde Steinmeier dann Leiter der Staatskanzlei in Niedersachsen. Nach seinem Wahlsieg holte ihn Schröder ins Kanzleramt, zunächst als Staatssekretär und Beauftragten für die Nachrichtendienste. Seit 7. Juli 1999 war Steinmeier Chef des Bundeskanzleramts. Ausgebildet ist der gebürtige Detmolder als Jurist und Rechtswissenschaftler. Steinmeier ist verheiratet und Vater einer Tochter.

- Finanzminister Peer Steinbrück (SPD):

Der gebürtige Hamburger ist Diplom-Volkswirt mit langer Erfahrung auf verschiedenen Regierungsposten. Der 58-Jährige (10. Januar 1947) leitete von Dezember 1986 bis Mai 1990 das Büro des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau. In Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen war er insgesamt fast sieben Jahre Wirtschaftsminister, bevor er im Februar 2000 Finanzminister an Rhein und Ruhr wurde. Im November 2002 wurde er nordrhein-westfälischer Ministerpräsident. Zusammen mit seinem hessischen Kollegen Roland Koch (CDU) arbeitete er eine Streichliste für Subventionen aus. Die Abwahl Steinbrücks am 22. Juni 2005 war der Auslöser für Neuwahlen im Bund. Steinbrück ist mit einer Gymnasiallehrerin verheiratet, hat drei Kinder und spielt gern Schach.

- Bau- und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD):

Der Posten war dem heute 50-Jährigen (04. Januar 1955) bereits 2002 angeboten worden. Damals hatte der Leipziger Oberbürgermeister wegen der Olympia-Bewerbung seiner Stadt noch abgesagt. Doch jetzt wechselt der gebürtige Geraer in die Bundespolitik und will auch den Aufbau Ost zu seiner Sache machen. Tiefensee hat sein Studium als Diplomingenieur für Elektrotechnik abgeschlossen. Politisch hielt er sich vor der Wende zurück, nahm dann aber für die Bürgerbewegung «Demokratie Jetzt» am Runden Tisch Platz. In der Leipziger Stadtverwaltung diente er sich vom Leiter des Schulverwaltungsamts zum Oberbürgermeister hoch. Der SPD-Parteitag wählte ihn in der vergangenen Woche in den Parteivorstand. Tiefensee ist verheiratet und hat vier Kinder.

- Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD):

Mit seinen 46 Jahren (12. September 1959) gilt Gabriel als eines der Nachwuchstalente der SPD. Im Parteivorstand, dem er seit Dezember 1999 angehört, spielt der in Goslar geborene Niedersachse ein gewichtige Rolle. Er war auch für das Amt des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag im Gespräch. Mit Umweltfragen hatte er bislang während seiner Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident in den Jahren 1999 bis 2003 zu tun. Ausgebildet ist Gabriel als Gymnasiallehrer. Er hat an der Volkshochschule in der Erwachsenenbildung gearbeitet, bevor er in den niedersächsischen Landtag gewählt wurde. Gabriel ist geschieden und hat eine Tochter.

- Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD):

Bereits seit Januar 2001 ist die 56-Jährige (13. Juni 1949) im Bundeskabinett. Seit Oktober war sie nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für den Bereich soziale Sicherung verantwortlich. Die streiterprobte Aachenerin hat Psychologie und Pädagogik für das Lehramt in Grund- und Hauptschule studiert. Von 1976 bis 1985 arbeitete sie an einer Schule für Lernbehinderte. Dem Bundestag gehört Schmidt bereits seit 1990 an. Bis 2001 war sie drei Jahre lang stellvertretende Vorsitzende für die Bereiche Arbeit, Frauen und Familie. Schmidt ist geschieden und hat eine Tochter.

- Justizministerin Brigitte Zypries (SPD):

Auch die 52-Jährige (16. November 1953) gehörte bereits der Vorgängerregierung an. Sie übernahm das Justizministerium im Oktober 2002. Zuvor war sie rund fünf Jahre lang Staatssekretärin im Bundesinnenministerium gewesen. Zypries hat in Gießen Rechtswissenschaften studiert. Sie arbeitete von 1985 bis 1988 als Referentin an der hessischen Staatskanzlei und war dann zwei Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesverfassungsgericht. Vor ihrem Wechsel in die Bundespolitik war sie Staatssekretärin im niedersächsischen Sozialministerium. Zypries ist ledig und hat keine Kinder.

- Entwicklungsministerium Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD):

Als dritte in der Riege der übernommenen Ministerinnen gehört auch die 63-Jährige (21. November 1942) dem neuen Bundeskabinett an. Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung leitet sie bereits seit Oktober 1998. Von 1993 bis zum Parteitag in der vergangenen Woche war sie auch stellvertretende SPD-Vorsitzende. Die gebürtige Frankfurterin hat dort Englisch und Geschichte studiert. Von 1965 bis 1974 unterrichtete sie an einer Schule in Rüsselsheim. Drei Jahre lang (bis 1977) war Wieczorek-Zeul Juso-Vorsitzende. Von 1988 bis 1999 leitete sie den einflussreichen SPD-Bezirk Hessen-Süd. Wieczorek-Zeul ist geschieden und hat keine Kinder. (AP)

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