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Interessenverbände sagen Merkel Unterstützung zu

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22.11.2005

Berlin - Wirtschaft, Gewerkschaften und Kirchen haben der neuen Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Unterstützung bei anstehenden Reformen zugesagt. Die Opposition wertete ihr Wahlergebnis am Dienstag als Beleg für die Brüchigkeit der großen Koalition.

In einem Glückwunschschreiben an Merkel schrieb der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun: "Wir sagen Ihnen zu, gerade in diesen stürmischen Zeiten ein ebenso verlässlicher wie konstruktiv-kritischer Partner zu sein." Lange vertagte Herausforderungen müssten von der neuen Regierung angegangen werden. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund versprach Kooperation. "Wir sollten mithelfen, bei alledem, was trennt, dieses Land wieder nach vorne zu bringen. Wo wir gefragt werden, werden wir uns konstruktiv in die Regierungsarbeit einbringen", sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer in MDR. Dass Merkel nicht mit Fundamentalopposition rechnen müsse, bedeute allerdings nicht, dass der DGB seine Positionen aufgebe. Spitzenverbände der Wirtschaft und Gewerkschaftsvertreter hatten den Koalitionsvertrag von Union und SPD teils heftig kritisiert.

FDP-Chef Guido Westerwelle wertete die Gegenstimmen für Merkel aus der großen Koalition als Zeichen von Instabilität des schwarz-roten Bündnisses. "Eine so große Zahl von Nein-Stimmen ist ein Zeichen, dass das Gebäude der neuen Regierung brüchiger ist als sie behauptet", sagte er. Angesichts dieses Fehlstarts sei es möglich, dass die Koalition "vor Ende der Legislaturperiode auseinander fällt".

Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Fritz Kuhn und Renate Künast, forderten von Merkel rasches Handeln. Sie betonten gemeinsam: "Nun muss die Zeit des Zauderns und des Hin und Her zu Ende gehen." Es sei nötig, für drängende Fragen schnell Konzepte vorzulegen. "Die Menschen wollen ein modernes Land." Merkel hatte bei der Kanzlerwahl im Bundestag 397 Stimmen erhalten. Die Koalition stellt 448 Abgeordnete.

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, betonte, viele Menschen setzten große Erwartungen und Hoffnungen in die neue Regierung. Nun gelte es, diese zu erfüllen und das Land zu reformieren. Merkel könne auf die Fürbitte und die aktive Unterstützung der evangelischen Kirche setzen.

AUTOMOBILBRANCHE BIETET SICH ALS PARTNER AN

Außenhandelsverbandspräsident Anton Börner sagte: "Jetzt schauen wir nach vorne und hoffen, dass Frau Merkel die ersten Ansätze des Koalitionsvertrags mit Leben erfüllt und den Reformkurs weiter vorantreibt." Der Verband der Automobilindustrie VDA bot sich "als Schlüsselbranche unseres Landes" als verlässlicher Partner bei der Erneuerung Deutschlands an. Der Chef des Einzelhandelsverbandes, Hermann Franzen, erklärte, mit Merkels Amtsantritt gehe eine lange Phase des Stillstands und der Verunsicherung zu Ende. Sie werde sich an Erfolgen bei der Förderung von Wachstum und Beschäftigung messen lassen müssen. (Reuters)

 
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