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Aktuelle Nachrichten – Panorama

«New York ist sozusagen der Gipfel»

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28.11.2005

Max Raabe posiert am 3. Dez. 2003 wäehrend eines Presse-Fototermins in Berlin. Seine knarrende Stimme, die Pomade im Haar und das perfekte Outfit der Goldenen Zwanziger zählen zu seinen Markenzeichen. Der Sänger Max Raabe lehnt es ab, zusammen mit einem DJ Konzerte zu geben. "Techno-Einflüsse wird es bei uns nicht geben", sagte der 42-Jährige in einem AP-Interview. Er habe selbst genug Ideen. Er kenne solche Projekte und finde sie auch ganz lustig. "Aber wir machen Konzerte, die auch bei Stromausfall funktionieren." Raabe, der mit seinem zwölfköpfigen Palastorchester Schlager im Stil der 20er und 30er Jahre spielt, tritt am Mittwoch in der New Yorker Carnegie Hall auf. (AP Photo/Franka Bruns)
Max Raabe posiert am 3. Dez. 2003 wäehrend eines Presse-Fototermins in Berlin. Seine knarrende Stimme, die Pomade im Haar und das perfekte Outfit der Goldenen Zwanziger zählen zu seinen Markenzeichen. Der Sänger Max Raabe lehnt es ab, zusammen mit einem DJ Konzerte zu geben. "Techno-Einflüsse wird es bei uns nicht geben", sagte der 42-Jährige in einem AP-Interview. Er habe selbst genug Ideen. Er kenne solche Projekte und finde sie auch ganz lustig. "Aber wir machen Konzerte, die auch bei Stromausfall funktionieren." Raabe, der mit seinem zwölfköpfigen Palastorchester Schlager im Stil der 20er und 30er Jahre spielt, tritt am Mittwoch in der New Yorker Carnegie Hall auf. (AP Photo/Franka Bruns)

Berlin - Der Sänger Max Raabe steht kurz vor einem Karrierehöhepunkt: Am (kommenden) Mittwoch gibt er in der berühmten und längst ausverkauften Carnegie Hall in New York mit seinem 12-köpfigen Palastorchester ein Konzert. «New York ist sozusagen der Gipfel, denn das ist schon eine Stadt, die einen Mythos verkörpert», sagte der 42-Jährige, dessen Markenzeichen Schlager der Weimarer Republik, Pomade und perfektes Outfit sind, der Nachrichtenagentur AP. Die Carnegie Hall sei darüber hinaus so ziemlich «das Beste, was man sich vorstellen kann». Im folgenden der Wortlaut des Interviews:

AP: Wie kommen Sie zu einem Konzertauftritt nach New York?

Raabe: Letztes Jahr habe ich bereits mit meinem Pianisten in New York einen Testballon steigen lassen, um herauszufinden, wie man da auf meine Musik reagiert. Wir sind aufgefallen. Die drei Vorstellungen im kleinen Rahmen waren ausverkauft. Die Stimmung war gut, obwohl ich ein ganz deutsches Programm gesungen habe, es dann aber auf Englisch erklärt habe. Wenn wir jetzt mit dem Palastorchester zum ersten Mal nach New York reisen und dann gleich in der Carnegie Hall auftreten, haben wir ein Programm, das zur Hälfte deutsch und zur Hälfte international ist. Unsere ganze Erscheinung auf der Bühne, mit der Kleidung und unserem Benehmen, das ist für das Publikum schon ein bisschen wie eine Marslandung. Und zwar deswegen, weil es schon sehr fremd wirkt. Andererseits bedienen wir das Klischee, das man von so einem Orchester hat, das die Musik der Weimarer Republik wieder spiegelt. Wir haben natürlich unseren ganz eigenen Stil und mit der Musik eine ganz eigene Handschrift. Das funktioniert ganz gut, da gibt es etwas, was eben auf angenehme Weise typisch deutsch ist. Es ist etwas, womit keiner auf der Welt rechnet: Diese leise Ironie und dieser tatsächlich etwas verschrobene Humor.

AP: Waren Sie denn nicht mit dem Orchester schon in den USA?

Raabe: Letztes Jahr waren wir mit dem Orchester schon in Atlanta und Los Angeles. New York ist sozusagen der Gipfel, denn das ist schon eine Stadt, die einen Mythos verkörpert. Und dann noch in der Carnegie Hall, das ist schon etwas, was sehr schön ist, um nicht zu sagen, das ist das Beste, was man sich vorstellen kann. Es ist in gewisser Weise ein Karrierehöhepunkt. Wir sind schon ausverkauft, es passen 650 Leute rein. Danach haben wir dann noch ein Konzert in Philadelphia. Dann kommen wir zurück.

AP: Offenbar werden Sie und Ihre Musik von allen gemocht. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Raabe: Es liegt zum einen daran, dass wir sehr bedächtig und langsam fortgeschritten sind. Wir sind nicht plötzlich durch irgendetwas nach oben gespült worden. Wir kennen den Alltag des Musikerlebens und haben lange genug Vorbereitungszeit gehabt, um jetzt die Früchte ohne Größenwahn genießen zu können. Zum anderen wird die Musik, die wir spielen, als Allgemeingut angesehen. Da wir die Musik sehr ernst nehmen, haben wir wenig Chancen, uns Feinde zu machen. Also: Wir nehmen uns selbst nicht allzu wichtig, aber die Musik dafür umso mehr.

AP: Wie würden Sie Ihre Musik bezeichnen? Sind das Schlager?

Raabe: Im Grunde gibt es keinen anderen Begriff. Es sind tatsächlich Schlager. Das Ansehen des Wortes hat sich geändert. Unsere Kompositionen haben eine sehr hohe Qualität. Wir behandeln die Stücke nicht anders als Schubert-Lieder, was sie größtenteils auch verdienen. Wir sind klassisch ausgebildete Musiker, die mit zwei Harmonien in einem Stück unglücklich sind. Dann kommen noch die Texte hinzu, die ja kleine Geschichten sind und wo jedes Wort, egal wie man es dann abwägt oder formuliert oder zieht oder dehnt oder mit einer Pause versieht, eine ganz andere Bedeutung bekommen kann. Also, ich bin einfach ein Sänger und singe das Repertoire der 20er und 30er Jahre. Und da ist alles drin, da sind Hauruckschlager dabei, die sind mal albern, mal feinsinnig. Und auch die fröhlichen Stücke haben manchmal etwas verborgen Trauriges.

AP: Wollen Sie auch mal etwas Klassisches wie Oper oder Modernes wie Techno machen?

Raabe: Von Anfang an haben wir das gemacht, was uns am besten gefällt und lag. Ich wollte ja ursprünglich an die Oper und bin auch ausgebildeter Opernsänger. Aber schon während des Studiums war das Palastorchester populär. Da sagten wir, wir wären dumm, das, was uns Spaß macht, fahren zu lassen. Und dann haben wir gesagt, wir machen weiter und gucken immer, wie es so läuft und seitdem ist es so. Techno-Einflüsse wird es bei uns nicht geben. Wir haben selbst genug Ideen. Ich kenne solche Projekte und finde sie ganz lustig. Aber wir machen Konzerte, die auch bei Stromausfall funktionieren.

AP: Planen Sie eine neue CD?

Raabe: Ja. Wir haben gerade eine Rumbaplatte aufgenommen. Rumbas der 30er Jahre. Rumba war Anfang der 30er Jahre der totale Renner. Auf der CD sind kubanische, englischsprachige, auch einige deutsche Rumbas, die gab es ja auch. Sogar eine italienische Rumba ist dabei - also alles, was wild und doll war in dieser Zeit des Rumbafiebers. Als Gäste haben wir Peter Lohmeyer und Heino Ferch. Die singen mit. Das können sie auch, Schauspieler können eben alles. Die CD soll im März rauskommen. Den Titel wissen wir noch nicht. (AP)

(Die Fragen stellte AP-Korrespondent Holger Mehlig)


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