Aktuelle Nachrichten Europa – Deutsche Ermittler haben Litvinenko-Kontaktmann im Visier – Simone Utler
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Aktuelle Nachrichten – Europa

Deutsche Ermittler haben Litvinenko-Kontaktmann im Visier

Simone Utler

10.12.2006

Ein Warnschild haengt an einer Muelltonne auf einem Anwesen in Haselau in Schleswig Holstein. (AP Photo/Fabian Bimmer)
Ein Warnschild haengt an einer Muelltonne auf einem Anwesen in Haselau in Schleswig Holstein. (AP Photo/Fabian Bimmer)

Hamburg – Deutsche Ermittler haben einen Kontaktmann des ermordeten russischen Exspions Alexander Litvinenko ins Visier genommen: Gut zwei Wochen nach Litvinenkos Tod wurden in Hamburg Spuren des Strahlengiftes Polonium 210 nachgewiesen. Sie stammen von dem russischen Geschäftsmann Dimitrij Kovtun, der Litvinenko am 1. November in London getroffen und sich zuvor drei Tage in Hamburg unter anderem in der Wohnung seiner deutschen Exfrau aufgehalten hatte.

Kovtun könnte den Stoff entweder selbst im Körper getragen haben und damit Opfer gewesen sein. Oder er könnte es äußerlich mit sich geführt und damit Kontakt zu den Tätern gehabt haben, wie die Ermittler am Sonntag in Hamburg mitteilten. Litvinenko war am 23. November an einer Vergiftung mit Polonium 210 gestorben.

Aufschluss darüber, in welcher Art Kovtun das Polonium mit sich trug, könnten die deutschen Beamten nach eigener Aussage dadurch erhalten, dass sie etwas über den derzeitigen Gesundheitszustand des 41-Jährigen erfahren, der nach Medienberichten an Symptomen der Strahlenkrankheit leiden soll. Von den russischen Behörden sei aber bislang keinerlei Antwort auf die deutschen Anfragen gegeben worden.

Der russische Exspion und Geschäftspartner Kovtuns, Andrej Lugowoi, sagte der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti unterdessen, sein eigener Zustand sei stabil und der von Kovtun sei zufrieden stellend.

Er und Kovtun hatten Litvinenko am 1. November im Londoner Hotel Millennium getroffen. Dort soll Litvinenko das Polonium 210 zugeführt worden sein. Die Rolle Kovtuns beim Tod Litvinenkos ist allerdings nicht Hauptgegenstand der Hamburger Ermittlungen. Gegen ihn wird in der Hansestadt wegen des Verdachts des Missbrauchs ionisierender Strahlen und des unerlaubten Umgangs mit radioaktiven Stoffen ermittelt. Es bestehe allerdings ein Anfangsverdacht, dass Kovtun Täter und nicht nur Opfer sei. Vorstellbar sei, dass er an der Verpackung von Polonium in Moskau beteiligt gewesen sein könnte, sagte Oberstaatsanwalt Martin Köhnke.

Keine Polonium-Spuren an Menschen entdeckt

Die Ermittlungen in Hamburg, mit denen bis zu 170 Beamte gleichzeitig beschäftigt waren, gingen am Sonntagnachmittag unter anderem mit Fein-Untersuchungen im Haus von Kovtuns Exschwiegermutter im Kreis Pinneberg weiter. Die Sonderkommission „Dritter Mann“ stand in Kontakt mit Scotland Yard, für Montag wurde ein britischer Polizeibeamter in Hamburg erwartet.

Die in Hamburg eindeutig nachgewiesenen Poloniumspuren wurden in einer Wohnung seiner Exfrau gefunden, in der Kovtun in der Nacht vor seinem Londoner Treffen mit Litvinenko geschlafen hatte. In einem von ihm benutzten Auto sowie auf einem Dokument der Ausländerbehörde, das er in der Hand gehabt hatte, waren ebenfalls Strahlenspuren entdeckt worden. Die Ermittler betonten, dass kein gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung bestehe. Die Exfrau, ihr Lebensgefährte und ihre beiden Kinder sowie vier Personen, die sich auf den Aufruf der Polizei gemeldet und Kontakt mit Kovtun gehabt hatten, wiesen keine Kontaminierung auf.

Kovtun war nach bisherigen Ermittlungen am 28. Oktober mit einer Aeroflot-Maschine von Moskau nach Hamburg gekommen. In dieser Maschine war nach Angaben eines Moskauer Flughafensprecher bei einer Untersuchung keine Strahlung festgestellt worden. Am Morgen des 1. November war Kovtun mit einer Germanwings-Maschine von Hamburg nach London geflogen. Auch in diesem Flugzeug wurde keine Strahlung gefunden.

(AP)

 
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