Technik - Aktuelle Nachrichten – Auch Google weiß nicht alles – Peter Zschunke
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Aktuelle Nachrichten – Technik

Auch Google weiß nicht alles

Peter Zschunke

09.01.2007

Frankfurt/Main – Kaum ein Internet-Angebot bestimmt den Alltag so sehr wie Google. Mehr als 90 Prozent nutzen diesen Dienst für die Suche nach bestimmten Web-Seiten – mehr als acht Milliarden Einträge enthält die Datenbank. Ein Ende des Erfolgs ist nicht absehbar. Dennoch oder wohl gerade deswegen gibt es bei vielen Internet-Nutzern offenbar ein ungutes Gefühl, sich zu innig in die Arme von Google zu werfen.

So hat der „Google-Watchblogs die Angst ausgemacht, „Google zu viele Daten anzuvertrauen, da die Suchmaschine eben bekannt dafür ist, so ziemlich alles zu finden. Da spricht es natürlich dagegen, ausgerechnet dieser Firma alle persönlichen Daten anzuvertrauen“. Droht Google in einen ähnlichen Generalverdacht zu geraten wie der Software-Marktführer Microsoft? Bislang ist es noch nicht soweit. Nur bei der Anpassung an die speziellen politischen Anforderungen an den chinesischen Markt wurde der Google-Grundsatz „Don't Be Evil“ (Sei nicht böse) in Zweifel gezogen.

In den riesigen Datenzentren von Google werden auch höchst persönliche Daten der Google-Nutzer gespeichert – wenn man bei dem führenden Internet-Unternehmen einen eigenen Account angelegt hat. Google versichert aber, dass diese Daten nur der persönlichen Information der Nutzer dienen. „Wir verkaufen keine Daten“, versichert Google-Sprecher Stefan Keuchel. Das Angebot zur Personalisierung sei ausschließlich als Dienst für den Internet-Nutzer gedacht.

„Die Personalisierung ist neben den mobilen Angeboten und der lokalen Suche einer der großen Trends im Internet“, erklärt der Google-Sprecher. Nach der Einrichtung eines persönlichen Accounts kann man sich eine personalisierte „Startseite“ von Google einrichten und dort eine Vielzahl von nützlichen Informationen und Werkzeugen ablegen – etwa einen Kalender, eine Aufgabenliste, eine Übersicht zum Posteingang bei Google Mail, die letzten Fernsehnachrichten, die eigenen Internet-Lesezeichen oder den Wetterbericht parallel für den Heimat- und den nächsten Urlaubsort.

Wie viele Nutzer in Deutschland bislang einen persönlichen Google-Account angelegt haben, gibt das Unternehmen nicht an. „Es sind mehr als 1.000 und weniger als zehn Millionen“ – präziser will Keuchel unter Hinweis auf die Bestimmungen für börsennotierte Unternehmen nicht werden. Der Google-Account ist das Tor zu einer Vielzahl von Angeboten, die nahezu alle Online-Tätigkeiten abdecken: Mail, Chat, Gruppendiskussionen, Blogs, RSS-Reader, die Social Community Orkut, Terminplanung und sogar das Verfassen von Textdokumenten oder Tabellen.

Einige dieser Angebote erstellen auch Statistiken zur persönlichen Nutzung. Sobald man im eigenen Account eingeloggt ist, was über entsprechende Cookies auch bei jeder PC-Nutzung automatisiert werden kann, wird jede Google-Suchanfrage aufgezeichnet. Die „Search History“ zeigt nach ein paar Wochen an, nach welchen Begriffen man am häufigsten gesucht hat. Der Account-Inhaber kann diese Daten aber auch jederzeit löschen.

„Wir sagen nicht, dass Peter Müller eine Digitalkamera gesucht hat“

Eine ähnliche Statistik-Funktion gibt es seit kurzem für den Google-Reader, einen Dienst zur Nutzung der RSS-Angebote, die stets die aktuellen Beiträge von Nachrichtenportalen oder Blogs anzeigen. Hier wird unter den „Trends“ angezeigt, welche dieser „RSS-Feeds“ man am häufigsten gelesen hat oder welche schon lange keine aktuellen Beiträge mehr hatten. Zur Einführung dieser Statistik meint Google-Entwickler Mihai Parparita: „Wenn Sie für das neue Jahr gute Vorsätze für Ihr Zeit-Management haben oder wie ich ein Fan von Diagrammen sind, dann sollten die Trends nützlich sein und Spaß machen. Sie könnten so einige Dinge über ihre Lesegewohnheiten erfahren, die sie bisher nicht kannten.“

Google betont, dass der Datenschutz für das Unternehmen von großer Bedeutung sei. Auch die anhaltende Diskussion darüber sei wichtig, da immer noch viele Nutzer zu blauäugig ins Netz gingen, sagt Firmensprecher Keuchel. Für die Werbung, die zentrale Einnahmequelle der Gesellschaft, werden nach seinen Angaben ausschließlich nicht personalisierbare statistische Daten verwendet. So sei es denkbar, dass einem wichtigen Werbekunden erklärt werde, wie oft an einem Tag der Suchbegriff „Digitalkamera“ eingegeben werde. „Aber wir sagen nicht, dass Peter Müller eine Digitalkamera gesucht hat“, versichert Keuchel.

Der größte Teil der Werbekunden bekommt nach seinen Angaben nie einen Google-Mitarbeiter zu Gesicht – das sind diejenigen Kunden, die online einen Platz in der Spalte der „Sponsored Links“ am rechten Rand der Trefferliste buchen. Für die Pflege von großen Werbekunden unterhält Google aber eigene Teams, die nach Branchen aufgeteilt sind und deren Mitarbeiter oft auch aus dem entsprechenden Wirtschaftszweig kommen. Diese Kunden bekommen dann auch die für sie interessanten Massendaten zu Gesicht, die bei der Google-Nutzung anfallen. „Wir helfen ihnen, ihre Kampagnen zu optimieren und auch bei der Festlegung von Keywords“, erklärt Keuchel. Auf Grund des eigenen hohen Marktanteils bei der Internet-Suche kann Google wichtige Daten zur Marktforschung liefern.

Selbst Google kennt aber nicht zu jeder Frage die richtige Antwort. So beschloss das Unternehmen kürzlich, den vier Jahre lang geführten Dienst „Google Answers“ einzustellen. Dort konnte man gegen eine Gebühr die Antwort von Experten zu besonders schwierigen Fragen einholen. Beim Konkurrenten Yahoo können alle zu den bei Yahoo Answers gestellten Fragen antworten. Auf die Frage „Wird Google die Welt beherrschen?“ wurde als beste Antwort ein Beitrag ausgewählt, der mit dem Satz beginnt: „Ich glaube schon“.

http://googleblog.blogspot.com/

https://www.google.com/accounts/ManageAccount

http://www.jmboard.com/gw/

(AP)

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