Stuttgart – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat Migräne-Patienten eindringlich vor einer neuen Therapie gewarnt, bei der ein Schnitt durch einen Muskel in der Stirn die Schmerzen beenden soll. Angeblich lindere der operative Eingriff bei nahezu 80 Prozent der Patienten die Migräne dauerhaft, erklärte der Neurologe Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Duisburg-Essen: „Bei der angepriesenen Methode handelt es sich jedoch eher um ein tragisches Beispiel der vorsätzlichen Körperverletzung getarnt als vorbeugende Behandlung.“
Bei dem betroffenen Muskel handelt es sich um den Musculus corrugator supercilii oberhalb der Nasenwurzel, der angeblich selbst die Ursache der Schmerzen sein soll: Indem er sich ständig anpasse, reize er Nerven und führe zu verminderter Durchblutung der umliegenden kleinen Gefäße, berichten laut Diener die Vertreter der neuen Therapie. Nach Angaben des Neurologen sind die meisten auf diese Weise behandelten Patientinnen im Alter zwischen 45 und 55 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt bessere sich eine Migräne häufig spontan oder verschwinde sogar völlig, erklärte der Mediziner die angeblichen Erfolge dieser Behandlungsform.
Entscheidend sei stattdessen, die angemessene medikamentöse Therapie gegen die anfallartigen Kopfschmerzen zu finden, betonte der Professor in der Fachzeitschrift „Aktuelle Neurologie“. Nach seinen Angaben hat die Grundlagenforschung zu Migräne in den vergangenen Jahren immense Fortschritte gemacht. Es gebe keinen Zweifel mehr, dass es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung handle, die die Freisetzung von Botenstoffen im Gehirn verändere und darüber hinaus bestimmte schmerzverarbeitende Strukturen im Gehirn und die Aktivität der Großhirnrinde beeinflusse. Basierend auf diesen Erkenntnissen habe die Forschung in den vergangenen 15 Jahren neue, wirkungsvolle Substanzen zur Behandlung der Attacken entwickelt.
(AP)
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