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Immer mehr Tierarten auf dem Vormarsch
Immer mehr Tierarten auf dem Vormarsch
Foto: dapd/Clemens Bilan

Nach Deutschland eingeschleppt

800 neue Tier- und Pflanzenarten in Deutschland gezählt

Epoch Times, Montag, 10. Dezember 2012 13:41

Bonn – Rund 800 Tier- und Pflanzenarten sind in den vergangenen Jahrzehnten von Menschen nach Deutschland eingeschleppt worden. "Einige Arten sehen auf den ersten Blick ganz putzig und wunderschön aus, bereiten aber Probleme", sagte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, der Nachrichtenagentur dapd in Bonn. Dazu zählte sie den Waschbären, von dem schätzungsweise etwa 500.000 Exemplare in Deutschland leben.

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Jessel stellte aber klar: "Ein Großteil der gebietsfremden Arten ist vollkommen unproblematisch und integriert sich hervorragend." Von den 800 Lebewesen würden etwa 33 Pflanzen- und 11 Tierarten Gefahren bergen. Die Gruppe der eingeschleppten Tiere mache mittlerweile ein Prozent des gesamten Artenbestandes in Deutschland aus.

"Der Waschbär gefährdet in Brandenburg die Sumpfschildkröten, stellt ihnen nach und beißt ihnen den Kopf ab. Dabei ist die Sumpfschildkröte eine gefährdete Art", sagte die BfN-Präsidentin. "Man wird dem nicht mehr Herr. Der Waschbär ist da und er ist nicht mehr wegzukriegen." Ein weiteres Beispiel ist der Halsbandsittich. Der exotische Vogel war in den 1970ern aus einem Käfig ausgebrochen und entlang der warmen Rheinschiene sesshaft geworden. Inzwischen leben in Deutschland 30.000 Exemplare.

In Niedersachsen dränge das eingeschleppte amerikanische Heusenkraut heimische Pflanzen zurück und verstopfe den Wasserabfluss in örtlichen Gräben. Auch der Fischbestand im Rhein sei von fremd eingeschleppten Arten betroffen. "Wenn Angler im Rhein ihre Angel auswerfen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen heimischen Fisch mehr an der Angel haben, sondern eine sogenannte Grundel." Die Schwarzmundgrundel stamme aus dem kaukasischen Raum und verdränge im Rhein heimische Fische.

Der NABU-Naturschutzreferent Till Hopf nannte den amerikanischen Flußkrebs, der eine Pest mit sich trägt, als weitere Gefahr. Ein weiterer Schädling: Die pazifische Auster setze sich in der Nordsee an und raube der heimischen Miesmuschel den Platz, sagte Hopf der Nachrichtenagentur dapd. Invasive Arten wie diese seien aber die Ausnahme. "Es gibt viele Hundert, die nicht auffallen."

Freiwillige Rückkehrer

Neben den von Menschen hergebrachten Arten wie eben der Waschbär und auch die Pflanze Ambrosia kehrten auch wieder häufiger Tiere freiwillig zurück nach Deutschland. Der Wolf und der Seeadler hätten "sich aufgrund von erfolgreicher Naturschutzmaßnahmen ausgebreitet", sagte Jessel. "Das sind im Gegensatz zur Einschleppung natürliche Prozesse." Die Rede sei von deutschlandweit etwa 120 Wölfen. "Das werte ich als Erfolg." Von den bedrohten Seeadlern gebe es inzwischen wieder 700 Brutpaare.

NABU-Naturschutzreferent Till Hopf mahnte: "Es reicht noch lange nicht aus." Bei schätzungsweise 120 Wölfen und dem Bestand von Bibern und Fischottern könne man noch nicht von einer stabilen Population sprechen. WWF-Sprecher Jörn Ehlers äußerte sich ähnlich. "Bei den Wölfen steht uns die Bewährungsprobe noch bevor", sagte der Umweltexperte. "Es wird irgendwann Zwischenfälle geben. Darauf muss man die Menschen vorbereiten."

Nach Einschätzung von Jessel werden sich die Lebensräume der Tiere weiter verschieben. "Wir werden durch den Klimawandel noch eine ganze Menge neuer Arten bekommen, die eigentlich an trockenere und wärmere Umgebungen gewöhnt sind", sagte die Naturschutzexpertin. Ein Nutznießer ist der Bienenfresser, ein farbenprächtiger Vogel.

dapd

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