Reise – Benasque: Die Aragonesischen Pyrenäen – Elke Backert
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Einzigartige Natur-Landschaft Benasque: Die Aragonesischen Pyrenäen

Elke Backert

26.01.2012

Stein und Holz. Die Natur von Nordspanien prägt das Bild des Dörfchens Benasque das sich an die Aragonesischen Pyrenäen schmiegt. Foto: Elke Backert
Stein und Holz. Die Natur von Nordspanien prägt das Bild des Dörfchens Benasque das sich an die Aragonesischen Pyrenäen schmiegt.

Foto: Elke Backert

Die einzigartige Natur-Landschaft an den Aragonesischen Pyrenäen und das Ökosystem sind dank sanftem Tourismus intakt. Nun hat der Klimawandel auch die Pyrenäen erwischt, jene 430 Kilometer lange, teils vergletscherte Gebirgskette, die sich zwischen dem atlantischen Golf von Biscaya im Westen und dem mittelmeerischen Golf de Roses im Osten erstreckt und Frankreich und ganz Nordeuropa von der Iberischen Halbinsel trennt.

Die Skioase von Benasque ist es gewöhnt, ab Anfang Dezember durch Schneereichtum zu glitzern, aber bereits am 21. Dezember lachte die Sonne bei 17 Grad. Doch das hielt Skihasen nicht davon ab, eine kurze weiße Piste an der Skistation Cerler immer wieder abzufahren.

Achtung: Anreise!

Für mich war allein schon die Anreise ein Abenteuer. Sobald die Pyrenäen begannen, verwandelte sich die zuvor breite Fahrbahn in eine schmale äußerst kurvenreiche Straße, übersät mit Gefahrenschildern: Vorsicht Hirschsprung, Achtung Steinschlag, Aufpassen Rutschgefahr, Vorsicht Kühe, Tempo 40, Achtung Fußgänger ... und der Fahrer des Minibusses rast und überholt, rast weiter, überholt - in stockdunkler Nacht. Am nächsten Morgen zeigt sich die Natur in ihrer wahren Größe.

Bizarre weiße Gipfel von nahezu 200 Dreitausendern krönen Benasque, eine Stadt in der spanischen Provinz Huesca, die wiederum mit den Provinzen Saragossa und Teruel zum ehemaligen Königreich Aragón gehört. Aragón, zu Deutsch Aragonien, grenzt im Norden auf dem Hauptkamm der Pyrenäen an Frankreich, im Osten an Katalonien, im Südosten an Valencia und im Westen an Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, La Rioja sowie Navarra. Die Hauptstadt ist Saragossa.

Benasque liegt tausend Meter hoch und glänzt durch einen mittelalterlichen Kern und hochherrschaftliche Herrenhäuser des Adels aus dem 19. Jahrhundert. Alle Gebäude sind aus Feldsteinen errichtet. Das einzige Vier-Sterne-Hotel nennt sich nach dem höchsten Berg, dem Aneto, der 3.404 Meter erreicht.

Natur-Reservat am Granit

Was aber macht diese Region so besonders auch zu anderen Jahreszeiten? „Bitte kommen Sie nicht im August", weiß ein Tourismusexperte der Region, „im August haben Spanier und Franzosen Ferien und alle, alle reisen zu uns." „Zu uns" bedeutet in diesem Fall: in den Natur-Park Posets-Maladeta. 1994 zum Natur-Schutzgebiet erklärt, zeichnet sich das Reservat in den nord-östlichen Aragonesischen Pyrenäen durch die höchsten Granitberge der Iberischen Halbinsel aus, nämlich die Gebirgsmassive Posets (3.369 Meter) und Maladeta (3.308 Meter), durch dichte Nadelwälder und eine seltene Flora und Fauna. Viele der hier lebenden Tiere und Pflanzen sind endemisch, also einzig in Europa. Innerhalb des Natur-Parks gibt es noch 13 Gletscher mit einer Fläche von 350 Hektar, während die Gesamtoberfläche des Parks 33.257 Hektar beträgt. Die Jahrtausende andauernde Eiszeit hat die Landschaft geprägt und viele große und kleine Seen, bizarr geformte Felsformationen, enge Schluchten und hohe, oft von Wasserfällen überflutete Steilwände hinterlassen, ein intaktes Ökosystem.

Schneeschuhwanderung in bezaubernder Natur-Kulisse

Wer auf seiner Tour weiße Tütchen an den Pinien hängen sieht, sollte sich nicht wundern. Hier haben sich die Prozessionsspinner eingenistet, deren Raupen auf die Verwandlung in Schmetterlinge harren. Auch das ist Natur. Im Ort Benasque klärt ein Info-Center mit Filmen und Objekten auf, bevor man zu einer Wanderung oder zum Trekking aufbricht.
Zur Region Benasque gehört aber auch das auf 1.750 Meter liegende Hotel „Hospital de Benasque", von dem aus man, vorausgesetzt Frau Holle schüttelt fleißig die Betten, außer Langlauf und Alpinski auch Schneeschuhwanderungen machen kann.

Sportlich-aktiv in Benasque

Die vielen Stauseen in der Region Benasque sorgen nicht nur für reichlich Wasser, sie werden auch touristisch genutzt. Einige haben einen Badestrand, andere öffnet man zum Rafting, Kanufahren und Brückenspringen. Selbst einen 18-Loch-Golfplatz kann man stolz herzeigen.

Die Dörfer der Region sind wie Benasque und Cerler alle gleichermaßen typisch für die Pyrenäen mit engen Gassen und alten schönen Natur-Steingebäuden. Einige liegen trutzig wie eine Festung, dennoch anmutig auf Felsvorsprüngen und sind schon von Weitem zu sehen.

Das romanische Dorf Roda de Isábena thront auf einer solchen Erhebung über dem Fluss Isábena und ist der kleinste Ort Spaniens, der über eine eigene Kathedrale verfügt. Sie datiert aus dem XI. Jahrhundert. Einzigartig in Spanien ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende Krypta im lombardisch-romanischen Stil.

Das Dorf hat nur 20 hier gebürtige Einwohner und 15 Zugereiste, aber zwei Kneipen. Wenn der Bischof predigt, finden sich immerhin 15 bis 18 Menschen in der Kathedrale ein.

Viele-Gänge-Menüs mit typischem Flair

Was die Region ebenfalls besonders macht, ist ihre Gastronomie. Dass Spanien für gute Küche steht, wissen Gourmets. In den Aragonesischen Pyrenäen jedoch sind auch Gourmands, also Vielfraße willkommen, die auf gutes Essen nicht verzichten möchten. Das beginnt schon mit einem üppigen Frühstück. Im Hotel Ciria in Benasque etwa darf man getrüffelte Spiegeleier auf Pommes frites bestellen. Eine merkwürdige Zusammenstellung, aber sie schmeckt perfekt. Im restlichen Spanien kenne ich es so, dass verschiedene typische Vorspeisen - Tapas genannt - wie Jamón Iberico, warme Kleinigkeiten für alle Gäste auf den Tisch gestellt werden und jeder nimmt sich ein wenig davon. In Benasque aber erhält jeder Gast von jeder Vorspeise einen Teller. Das sollte man wissen, denn danach wird ja noch das Hauptgericht serviert.

Da wird zum rohen Schinken von Aragón geröstetes Weißbrot gereicht, Steinpilze mit Gänseleber, Boretschgemüse mit Kabeljaubäckchen und Granatapfelkernen, kleine gegrillte Pulpos, warme Foie gras von der Ente, Steinpilze mit Gänseleber, Spanferkel, Zicklein und als Dessert Crema Catalana, Candymousse oder ein luftiger Schaum mit Bitterorangestücken sind nur einige der Spezialitäten. Und zu allem trinkt man bevorzugt den aus den Westpyrenäen rührenden Somontano „Flor de Merlot".

Klar, dass der Magen nach diesem Viele-Gänge-Menü einen Anisado, Pacharan oder Moscatel braucht. Letzteren trinkt man, so man es schafft, gleich aus der dazu gefertigten Karaffe. Die Spanier machen das Kunststück vor. Que aproveche! Guten Appetit!

 
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