Aktuelle Nachrichten – Umwelt
23.01.2012
Foto: Oliver Haja/ Pixelio
Mexiko-Stadt – Nach der Schließung einer der größten Müll-Deponien der Welt wachsen seit dem Jahreswechsel in Mexiko-Stadt Müll-Berge in den Straßen. Während die Müll-Wagen bis zu sechs Stunden an den Umladestationen warten müssen, türmen sich selbst in den schicksten Straßen der Stadt die Müll-Säcke übereinander. Anwohner der Deponien im Umland verhinderten, dass der Abfall der Stadt in ihrer Nachbarschaft abgeladen wird. Schließlich prangte Mitte Januar ein Foto auf dem Titel einer Zeitung, auf dem Müll-Männer tonnenweise Abfall auf der Deponie abluden, die im Dezember geschlossen wurde.
Eigentlich sollte mit der Schließung der Deponie Bordo Poniente ein besseres, umweltfreundlicheres Müll-Management eingeführt werden. Offensichtlich herrsche Verwirrung darüber, was mit dem Müll passieren soll, sagt Pierre Terras, der für Greenpeace Mexiko arbeitet. "Das sieht man auf den Straßen."
In der Metropole fallen täglich über 12.000 Tonnen Müll an. Die Stadt verzeichnet über 1.000 illegale Müll-Deponien. Einigkeit herrschte darüber, dass die Bordo-Poniente-Deponie wie geplant am 31. Dezember geschlossen werden sollte. Sie wurde 1985 in einem ausgetrockneten See eingerichtet. Mittlerweile wurden dort über 76 Millionen Tonnen Abfall abgeladen.
Kritiker werfen der Stadt vor, sie sei schlecht vorbereitet gewesen. Nachdem Pläne zum Bau von vier Müll-Verarbeitungsanlagen aufgegeben worden waren, sei kein Alternativplan vorbereitet worden. Die Übergangslösung – Müll im Umland abzuladen – scheiterte unverhofft am Widerstand der Anwohner.
Eigentlich müssen Bewohner von Mexiko-Stadt seit 2003 ihren Müll trennen. Doch alle Appelle blieben wirkungslos. Die Müll-Wagen fuhren wie eh und je durch die Straßen und läuteten ihre Glocken. Sie sind für die Menschen das Signal, dass sie ihren Müll loswerden können. Die Müll-Männer sammelten dann Glas, Plastik und Pappe aus den offenen Müll-Beuteln. Wer nicht zu Hause sein konnte, wenn der Müll-Wagen kam, stellte seinen Müll im Schutz der Nacht trotz Verbots einfach auf die Straße.
"Sie haben die Lastwagen nicht nachgerüstet, sie haben die Bevölkerung nicht aufgeklärt, sie haben die Müll-Mengen nicht reduziert. Heute ist es genauso schlimm oder schlimmer als vor fünf Jahren", sagt Ramón Ojeda, Präsident der Mexikanischen Akademie für Umweltrecht. "Für die Stadtregierung ist das ein Fiasko."
14 Monate lang habe sich die Stadt auf die Deponieschließung vorbereitet, sagt der bei der Stadtverwaltung für die Müll-Abfuhr zuständige Beamte Fernando Aboitiz. Aber mit der Verweigerungshaltung des Umlands habe man nicht gerechnet.
Erste Erfolge erzielte die Stadt beim Bio-Müll, der seit vergangenem März getrennt gesammelt wird. Mit einem Mal stieg die Recyclingquote, nachdem die Müll-Wagen sich weigerten, gemischte Müll-Beutel anzunehmen. Von 100 Tonnen pro Tag vor einem Jahr stieg die eingesammelte Biomüllmenge auf täglich 2.800 Tonnen. Eine Steigerung auf 3.200 Tonnen ist geplant. Auf der stillgelegten Bordo-Poniente-Deponie betreibt die Stadt weiterhin eine riesige Kompostieranlage.
In den kommenden Monaten sollen 200 Container für Glas, Metall, Papier, Bio-Müll und Plastik in der Stadt aufgestellt werden, sagt Aboitiz. Bis Mitte des Jahres sollen es 500 sein. Rund um die Uhr sollen städtische Mitarbeiter darüber wachen, dass der Müll auch richtig eingeworfen wird. Alle zwei Wohnblocks soll dann ein solcher Container stehen.
"Das wird ein radikaler Wechsel in der Art sein, wie Mexiko-Stadt mit Müll umgeht", sagt Aboitiz. "Bislang waren die Bewohner auf die Müll-Wagen angewiesen. Nun können sie zu jeder Tageszeit an jedem Tag der Woche ihren Müll wegbringen." Sobald die Container stehen. (dapd)
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