Aktuelle Nachrichten Welt - News und Hintergründe – Syrien leidet unter der Flut irakischer Flüchtlinge – Hamza Hendawi
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Syrien leidet unter der Flut irakischer Flüchtlinge

Hamza Hendawi

28.02.2007

Ein irakischer Flüchtling und seine Frau betrachten ihre Papiere vor dem UNHCR in Damaskus. (AP Photo Bassem Tellawi)
Ein irakischer Flüchtling und seine Frau betrachten ihre Papiere vor dem UNHCR in Damaskus. (AP Photo Bassem Tellawi)

Damaskus – In manchen Stadtteilen von Damaskus hat man das Gefühl, man wäre nicht in Syrien, sondern im Irak. Auf den Straßen trifft man weit mehr Iraker als Syrer, Restaurants werben mit irakischen Spezialitäten und Bauchtänzerinnen kommen extra aus Bagdad oder Basra, um in Syrien aufzutreten. Über eine Million irakische Flüchtlinge gibt es derzeit in Syrien. Bereits jetzt machen diese nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks mehr als fünf Prozent der Bevölkerung Syriens aus. Die Flüchtlingswelle ist ein weiterer unvorhergesehener Nebeneffekt des Irak-Krieges 2003.

Auch Jordanien oder Ägypten stöhnen unter einer Flut von Flüchtlingen. Doch Syrien, mit seinen 18 Millionen Einwohnern, ist das bevorzugte Zielland für viele irakische Flüchtlinge, da die Einwanderungsbestimmungen für Araber dort relativ locker sind. Auch die relativ geringen Lebenshaltungskosten sowie das gute Schul- und Gesundheitssystem erscheinen vielen Irakern attraktiv. „Wir haben hier kein gutes Leben. Aber wenigstens sind wir in Sicherheit“, sagt Ibrahim Hamad, ein ehemaliger Offizier der irakischen Streitkräfte, der vor acht Monaten mit seiner Familie nach Syrien kam. „Hier gibt es keine Bomben, keine Schießereien, keine Amerikaner, keine Milizen und keine Stromausfälle.“

Syriens Vizepräsident Faruk al-Scharaa sagt, die hohe Zahl an Flüchtlingen sei eine Herausforderung. Man wolle sich jedoch nicht beklagen und bitte niemanden um Hilfe. Doch Syrien ist arm und es herrscht ein Mangel an Arbeitsplätzen. Daher beschweren sich bereits viele Syrer darüber, dass die Neuankömmlinge die Preise für Lebensmittel und die Mieten nach oben trieben. Die Immobilienpreise in Damaskus sollen bereits um bis zu 300 Prozent gestiegen sein.

Viele Syrer klagen auch über auch über überfüllte Schulen. Bis zu 28.000 irakische Kinder gehen derzeit in syrische Schulen. Dies hat mancherorts dazu geführt, dass die Klassen von 30 auf 50 Schüler gewachsen sind. Hinzu kommt, dass viele der Iraker kaum Geld mitgebracht haben. Manche der Flüchtlinge haben das Glück, eine legale Arbeit zu finden. Andere gehen illegaler Arbeit nach oder sind völlig auf die Hilfe der Flüchtlingsorganisationen angewiesen.

Die USA sollen zahlen

Langsam werden Stimmen laut, die sich über die mangelnde Hilfe aus dem Ausland vor allem aus den USA. beschweren. Washington gibt pro Woche rund zwei Milliarden Dollar für den Krieg im Irak aus. „Aber über die irakischen Flüchtlinge verliert man kaum ein Wort“, sagt Bill Frelick von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Er fordert von den USA finanzielle Hilfe und die Entsendung von Freiwilligen in die Krisenregion.

Auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat Probleme mit der Flut von Flüchtlingen. Sie hat in diesem Monat um zusätzliche 60 Millionen Dollar gebeten, um die notwendigen Hilfsmaßnahmen durchführen zu können. Denn die Iraker strömen nicht nur in die Nachbarländer. Eine halbe Million Menschen soll alleine 2006 auch in andere Regionen ihres Heimatlandes geflohen sein. Die UNHCR nimmt an, dass die Zahl dieser innerirakischen Flüchtlinge bis zum Ende des Jahres auf 2,3 Millionen steigen könnte.

Der Iraker Saad Hamza Ilwan, ein pensionierter Grundschullehrer, floh aus seinem Heimatland, nachdem US-Soldaten sein Haus gestürmt und zwei seiner Brüder inhaftiert hatten. Heute lebt er mit seiner Familie in einem Flüchtlingslager bei Damaskus und versucht, seine Familie durch den Verkauf von Handys und Telefonkarten zu ernähren. Ilwan sagt, sein Geschäft laufe schlecht und seine Kinder hätten Probleme mit dem syrischen Schulsystem. „Aber die Syrer behandeln uns gut“, sagt er. Ilwans zehnjähriger Sohn hat jedoch schreckliches Heimweh. „Ich mag Damaskus nicht“, sagt er, während er sich an einem elektrischen Heizofen wärmt. „Ich will zurück in meine alte Schule im Irak“. Doch derzeit sieht es eher so aus, als würden dem kleinen Jungen noch viele weitere irakische Flüchtlinge folgen.

(AP)

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