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Die FTD erscheint am Freitag zum letzten Mal.
Die FTD erscheint am Freitag zum letzten Mal.
Foto: dapd/Philipp Guelland

Abschied unter Protest

Epoch Times, Donnerstag, 6. Dezember 2012 16:58

Hamburg/Berlin – Mit einer Demonstration wollen die Mitarbeiter der "Financial Times Deutschland" am Freitag (7. Dezember) das Ende der Zeitung anprangern. Am frühen Nachmittag (14.00 Uhr) will sich die Belegschaft vor dem Hauptgebäude in Hamburg versammeln, wie der Gesamtbetriebsrat der G + J Wirtschaftsmedien am Donnerstag mitteilte. Am Freitag erscheint auch die letzte Ausgabe der Wirtschaftszeitung aus dem Verlag Gruner + Jahr.

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Mehr als 350 Mitarbeiter würden entlassen, "und das während der schlimmsten strukturellen Medienkrise seit Bestehen der Bundesrepublik", erklärte der Gesamtbetriebsrat. "Die Kolleginnen und Kollegen der G+J Wirtschaftsmedien wollen sich nicht von Gruner + Jahr billig abspeisen lassen."

Am Produktionstag der letzten "FTD"-Ausgabe herrschte in der Redaktion Wut, Trauer und Freude. "Die Stimmung ist seltsam", berichtete die Betriebsrätin Maike Rademaker der Nachrichtenagentur dapd. "Uns ist schon klar, dass es jetzt zu Ende geht, aber es freuen sich auch alle auf das Fest am Freitag", sagte die in Berlin tätige "FTD"-Redakteurin weiter. Alle Mitarbeiter, inklusive der Auslandskorrespondenten, würden sich dann bei einer Abschlussparty in einem Saal in Hamburg treffen.

"Wer noch nie in seinem Leben 'FTD' gekauft hat - morgen ist die letzte Chance. Die Abschiedsausgabe wird ein Stück Zeitungsgeschichte, versprochen", hieß es auf der Facebook-Seite des Blattes.

Das Hamburger Verlagshaus hatte am 23. November nach langem Hin und Her das Aus der defizitären "FTD" offiziell bestätigt. Die Zeitung schrieb seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Betroffen sind nach Verlagsangaben 364 Mitarbeiter aus der Gemeinschaftsredaktion der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, für einige sollen andere Arbeitsplätze im Verlag gesucht werden. Das Unternehmen hatte seinerzeit mitgeteilt, dass für das Anlegermagazin "Börse Online" sowie das Monatsmagazin "Impulse" die Möglichkeit eines Verkaufs geprüft würden. Sollten die Verhandlungen nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese Titel die Einstellung geplant. Das Magazin "Capital" sowie die Neugründung "Business Punk" sollen dagegen erhalten und nach Berlin verlegt werden.

Rademaker kritisierte die Informationspolitik des Verlages. "Neben Trauer und Feiern ist da auch die Wut, wie mit uns umgegangen wird", sagte die Journalistin. Viele Kollegen wüssten nicht, ob es für sie eine Zukunft im Verlag gebe.

Letzte Ausgabe mit "besten Scoops" und "größten Irrtümern"

Die "FTD" erschien erstmals am 21. Februar 2000. Mit der letzten Ausgabe - die 44 Seiten stark wird - plane die Redaktion einen "grandiosen Abgang", sagte Rademaker. Auf der "FTD"-Webseite heißt es: "In der letzten Ausgabe lesen Sie: Die besten Scoops, die besten Seiten, die größten Irrtümer, die besten Optiken, die besten Kommentare. Angefangene Geschichten, wilde Thesen, digitale Konzepte, die leider nichts mehr wurden, Anzeigenbuchungen, die nie kamen. Die "FTD"-Redaktion und die "FTD"-Redakteure in Bildern und internen Mails." Zudem wird "Das Vermächtnis" angekündigt: "Ein eine Seite langer Leitartikel zu den Themen, die uns besonders am Herzen liegen, Kolumnen der Kolumnisten, wen wir warum gut fanden, und was mit uns verschwinden sollte."

Schon vor einigen Tagen startete eine Online-Auktion, bei der Andenken an die knapp 13-jährige Redaktionsgeschichte versteigert wurden. Bislang wurden 24.700 Euro eingenommen. Von den insgesamt 122 Gegenständen sind bereits 81 versteigert worden, wie der zuständige "FTD"-Redakteur sagte. Der Erlös der Ebay-Auktion kommt der Organisation Reporter ohne Grenzen zugute.

In der Zeitungsbranche reihten sich in den vergangenen Monaten die Hiobsbotschaften aneinander: Die "Frankfurter Rundschau" hat Insolvenz angemeldet, dem Berliner Verlag drohen Stellenkürzungen. Bei der Nürnberger "Abendzeitung" gingen Ende September die Lichter aus. Im Oktober hatte die Nachrichtenagentur dapd Insolvenz angemeldet.

dapd



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