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Machtmensch ohne Mitgefühl

Anklage fordert achteinhalb Jahre für Oliver Shanti

Epoch Times, Freitag, 4. Dezember 2009 11:06

München – Im Kindesmissbrauchs-Prozess gegen den Esoterik-Musiker und Sektenguru Oliver Shanti hat die Staatsanwaltschaft achteinhalb Jahre Gefängnis gefordert. Der 61-Jährige habe mindestens fünf Kinder über Jahre hinweg sexuell schwer misshandelt. Das jüngste Opfer sei erst sieben Jahre alt gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Christine Schäfer vor dem Landgericht München. Nach dem Plädoyer der Verteidigung soll das Urteil am Nachmittag verkündet werden.

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Shanti, mit bürgerlichem Namen Ulrich Sch., habe seit Anfang der 80er Jahre zunächst in einer Kommune in München und dann auf seiner Finca in Portugal Kinder seiner Anhänger sexuell genötigt und missbraucht, sagte die Staatsanwältin. „Der Angeklagte hat sie angelernt und behandelt wie sein Eigentum. Sie mussten ihm zur Verfügung stehen zu jeder Tag- und Nachtzeit“, sagte Schäfer. „Wenn sie nicht spurten, wurden sie bestraft.“

Bewiesen seien 77 Fälle, aber das sei „nur die Spitze des Eisbergs“ – „es sind mit Sicherheit sehr viel mehr gewesen“, sagte die Anklägerin. Shanti sei „ein Machtmensch“ gewesen, der die Kinder gedemütigt habe. Mehrere Opfer hätten sich geekelt oder hätten nachts vor Angst nicht mehr schlafen können.

Shanti habe seine inzwischen erwachsenen Opfer im Zeugenstand zunächst als Lügner und „dreckiges Schwein“ beschimpft und die Übergriffe auf vier Jungen erst gestanden, als diese Taten schon bewiesen gewesen seien.

Auf der Finca „Hunde, Papageien und Kinder“ gehalten

Strafmildernd sei ein Mitverschulden naiver „Eltern, die die Augen zugemacht haben“. Aber Shanti habe deren finanzielle Abhängigkeit und das Vertrauen der Kinder ausgenutzt und die Kinder auch mit Gewalt „sexuell benutzt“, sagte die Staatsanwältin. Er habe sich „auf seinem Anwesen Hunde, Papageien und Kinder“ gehalten und sich wie ein Feudalherr alles genommen, „bis hin zum Recht der ersten Nacht“. Eines der Opfer verlies während des Plädoyers der Staatsanwältin weinend den Verhandlungssaal.

Zielfahnder hatten Shanti jahrelang gesucht. Im Juni vergangenen Jahres war er in der deutschen Botschaft in Lissabon verhaftet worden, als er seinen Pass verlängern lassen wollte.

Shantis Meditationsmusik war unter dem CD-Label „Sattva Music“ zeitweise sehr erfolgreich verkauft worden. Seine Kommune war in den 80er Jahren von München nach Portugal gezogen. Der Fall war mit der Anzeige einer Mutter ins Rollen gekommen, die ihren krebskranken Sohn in Shantis Landkommune geschickt hatte. (AP)

 

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