Anwalt mimt seit 30 Jahren den schlauen Fuchs
Anwalt mimt seit 30 Jahren den schlauen Fuchs
Foto: dapd/Jens Schlueter

Anwalt mimt seit 30 Jahren den schlauen Fuchs

Epoch Times, Freitag, 14. Dezember 2012 07:21

Halle – Nur noch wenige Minuten bis zum Auftritt. Helmut Rosenkranz streift sich rote Hosen und Socken über, wirft sich den schwarzen Frack um, steckt den Puschelschwanz an und setzt sich den Kopfschmuck mit Ohren, Augen und Schnauze auf. "Schnickel, Schnackel, Strullala, der schlaue Fuchs ist wieder da." Unter Rufen von rund 1.000 begeisterten Kindern betritt Rosenkranz die Bühne im Steintor Variete von Halle. Er ist wie in den Jahren zuvor der Hauptdarsteller der Weihnachtsrevue des Theaters, das zu den ältesten Variete-Theatern Deutschlands zählt.

Im zivilen Leben arbeitet Rosenkranz als Rechtsanwalt. Die Verwandlung vom grauhaarigen Herrn zum Fuchs dauert nur noch zehn Minuten. Übung habe er schließlich seit etwa 30 Jahren darin, sagt Rosenkranz. Solange werde er vor Weihnachten zum Fuchs.

Per Zufall zum "Herrn Fuchs"

Anfang der 1980er Jahre sei er per Zufall zur Figur gekommen, sagt er. Damals hatte Tanzpädagogin Greti Emmer mit der Hauptfigur "Hoppel-Poppel" die hallesche Weihnachtsrevue des Steintor Varietés bekannt gemacht. Der Fuchs war damals noch nicht Titelheld. Ein Tänzer, der die Rolle ausfüllte, wurde krank und er sei eingesprungen, erzählt Rosenkranz. Da er schon immer auch als Kabarettist aufgetreten sei, habe er dem "Herrn Fuchs" mit seiner Darbietung "einen satirischen Touch verpasst".

Nachdem Tänzerin Emmer die Leitung der Revue abgab und Hartmut Reszel die Regie vor 20 Jahren übernahm, avancierte "Herr Fuchs" zum Titelhelden. Jedes Jahr entwerfe das Team eine neue Geschichte rund um die Figur, erzählt der Regisseur. Die Monologe seiner Rolle schreibe Rosenkranz schon immer selbst. Das Schöne an der Bühnenfigur sei das wechselseitige Spiel mit dem jungen Publikum, sagt der Mime. "Der Fuchs streitet sich immer mit den Kindern." Die Kinder würden regelrecht erwarten, den Fuchs von Unfug abhalten zu können, ihm zu widersprechen und zu korrigieren.

Widerspruch der Kinder erwartet

"Nein", rufen sie in der Vorstellung lautstark, als der Fuchs wieder etwas Dummes anstellen will. "Doch!", schimpft er den jungen Zuschauern entgegen. Die Kinder trampeln mit den Füßen, können sich kaum auf den Sitzen halten. Am Anfang jeder Geschichte sei der Fuchs "ein bissel frech, eigennützig und nur auf sich bedacht", sagt Rosenkranz. Jedoch am Ende sei der Fuchs stets "der Dumme".

Die Revue hat in den vergangenen 20 Jahren mehr als eine halbe Million Menschen im Alter zwischen zwei und 92 Jahren angelockt, bis zu 35.000 pro Saison, erzählt Regisseur Reszel. 30 Vorstellungen gibt es jedes Jahr, alle nahezu stets ausverkauft. Auch die Familien und Angehörigen der Ensemblemitglieder verfolgen als Zuschauer die Revue mit Tanz, Gesang und Artistik. Der heute erwachsene Sohn von Rosenkranz habe als kleiner Junge ebenfalls "mit roten Bäckchen in der Vorstellung gesessen", wie heute der fünfjährige Enkel auch, erzählt Rosenkranz. "Da bin ich nicht der Opa oder Papa, wenn sie mich auf der Bühne sehen, sondern einfach nur der Fuchs."

dapd



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lsa, Kultur, Theater


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