Romy Schneider, Berlin 1962,
Romy Schneider, Berlin 1962,
Foto: Heinz Köster, Quelle: Deutsche Kinemathek

Ausstellung: Romy Schneider

Aufbegehrende, Weltstar, Zerstörte

von Holger Mehlig, Freitag, 4. Dezember 2009 19:22

Berlin – Sie ging als tragischer Weltstar in die Kinogeschichte ein: 27 Jahre nach ihrem Tod widmet das Berliner Filmmuseum Romy Schneider eine Hommage. Anhand von knapp 300 Exponaten setzt sich die Schau „Romy Schneider. Wien Berlin Paris“ mit den Rollen- und Imagewechseln der Diva auseinander. Gezeigt werden ab (dem morgigen) Samstag unter anderem bislang unbekannte Fotos, Filmausschnitte, Plakate, Briefe, Kostüme, Drehbücher und Fanartikel. Die Ausstellung läuft bis zum 30. Mai.

Gegliedert ist die Schau in fünf Abschnitte, die die unterschiedlichen Karriereetappen der Schauspielerin nachzeichnen – als Tochter, Aufbegehrende, Weltstar und letztlich zerstörte Frau. Darüber hinaus setzt sich die Ausstellung mit der medialen Vermarktung und der mythischen Verklärung Schneiders auseinander.

Kultfigur als Sissi

Insgesamt trat Schneider, die am 23. September 1938 geboren wurde, in mehr als 50 Filmen auf. Ihre Filmkarriere schien vorprogrammiert, waren die Eltern Magda Schneider und Wolf Albach-Retty doch beliebte Darsteller. Mit knapp 15 Jahren stand Romy denn auch im Film „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ erstmals vor der Kamera. Zur Kultfigur wurde sie als Kaiserin Elisabeth von Österreich in der Sissi-Trilogie. Dieser Vereinnahmung versuchte sie sich schon bald zu entziehen. Sie lernte Alain Delon bei Dreharbeiten kennen und lieben und zog zu ihm nach Paris.

In Paris spielte Schneider unter Luchino Visconti im Theater. Kurz danach trat sie dann in französischen, amerikanischen und englischen Filmen auf, arbeitete unter anderem mit Orson Welles und Woody Allen zusammen – in seiner ersten Regiearbeit. Mitte der 70er Jahre war sie der französische Star. Für ihre Rolle in „Nachtblende“ wurde sie bei der ersten César-Verleihung als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Neben modernen Verführerinnen spielte sie auch Opfer des Nazi-Regimes – ihre Art der Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit.

Missbrauchte und gedemütigte Frauen

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre spielte Schneider häufig ausgebeutete, missbrauchte und gedemütigte Frauen, die sich mit dem Tod auseinandersetzten. 1979 trat sie als trauernde Mutter einer bei einem Unfall ums Leben gekommenen Tochter in dem Film „Die Liebe einer Frau auf“. Die Rolle schien den Tod ihres Sohns ein Jahr später vorwegzunehmen.

Zur Ausstellung erscheint ein 112-seitiger Katalog im Henschel Verlag (14,90 Euro). Eine ausstellungsbegleitende Filmreihe im Kino Arsenal ist für das Frühjahr 2010 geplant.

Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr, donnerstags bis 20.00 Uhr. Der Eintritt kostet vier, ermäßigt drei Euro.

http://www.filmmuseum-berlin.de/

http://www.deutsche-kinemathek.de/

(AP)

 

Filmkostüm Krönungskleid aus "Sissi - Die junge Kaiserin" (1956), Crèmefarbener Brokat mit feinen Goldlinien und Tüllspitze, Perlen um Ausschnitt und Arme, goldener Paillettenstickerei, Knopfverschluss und Krinoline, Leihgeber: Lambert Hofer, Wien.
Filmkostüm Krönungskleid aus "Sissi - Die junge Kaiserin" (1956), Crèmefarbener Brokat mit feinen Goldlinien und Tüllspitze, Perlen um Ausschnitt und Arme, goldener Paillettenstickerei, Knopfverschluss und Krinoline, Leihgeber: Lambert Hofer, Wien.
Foto: Deutsche Kinemathek


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