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Bei den Jüngeren ab zwölf Jahren sind vor allem kostenfreie Liedtexte, Software, Musikbörsen, Spiele, Frei-SMS, Ortungsprogramme, Intelligenztests oder Klingeltöne heiß begehrt.
Bei den Jüngeren ab zwölf Jahren sind vor allem kostenfreie Liedtexte, Software, Musikbörsen, Spiele, Frei-SMS, Ortungsprogramme, Intelligenztests oder Klingeltöne heiß begehrt.
Foto: Focke Strangmann/AP Photo

Dubiose Angebote

Aus Zeitvertreib in die Abo-Falle

von Berrit Gräber, Donnerstag, 11. August 2011 10:30

Göttingen/Stuttgart – Die 14-Jährige aus Göttingen wollte unbedingt wissen, wo ihre beste Freundin gerade steckt. Nach der Online-Anmeldung bei einem Ortungsprogramm für Handys war sie schlauer – hatte aber plötzlich ein Abo für 4,99 Euro am Hals. Pro Woche. Wie die Schülerin landen gerade in der Ferienzeit Zehntausende Teenager in versteckten Kostenfallen – entweder beim Surfen am Computer oder mit einem simplen Klick auf ein Werbebanner im Smartphone. Kurze Zeit später, wenn die Schule wieder beginnt, flattern dann die Rechnungen ins Haus.

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Die "Massenplage" habe Hochkonjunktur, warnt Eckhard Benner, Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Gauner versuchten, gezielt Minderjährige mit attraktiven Angeboten zu ködern, ihnen dann verschleiert teure Abonnement-Verträge anzudrehen und den Eltern Druck zu machen, dass sie zahlen.

In der schulfreien Zeit, wenn die Freunde im Urlaub sind und die Langeweile drückt, tappten in der Regel besonders viele Jugendliche in die Falle, sagt auch Kathrin Köster, Expertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Eltern sollten auf der Hut sein und in den nächsten Wochen verstärkt die Handyrechnungen checken.

Gratis-Programme brauchen keine Anmeldung

Bei den Jüngeren ab zwölf Jahren sind vor allem kostenfreie Liedtexte, Software, Musikbörsen, Spiele, Frei-SMS, Ortungsprogramme, Intelligenztests oder Klingeltöne heiß begehrt, "Auch wenn die Schüler schon gut mit dem Internet umgehen können, sind sie oft noch unbedarft und wissen nicht, dass sie sich nirgends registrieren dürfen", erläutert Köster. Werden persönliche Daten zur Anmeldung für ein vermeintliche Gratisleistung abgefragt, handelt es sich so gut wie immer um eine Kostenfalle. Postwendend kommen dann Rechnungen über 96, manchmal auch mit über 160 Euro ins Haus.

Die Älteren ab circa 16 Jahren werden neuerdings in Scharen über den Tisch gezogen, weil sie nur auf ein Seitenbanner ihres Smartphones geklickt haben – und schon wird die Identifikationsnummer ihres Handys registriert. Was folgt, sind kleine, rätselhafte Posten auf der Handyrechnung über 2,99, 3,99 oder 4,99 Euro. Nicht pro Monat, sondern alle drei, fünf oder sieben Tage. Die Jugendlichen können sich gar nicht erinnern, ein so teures Abo über Spiele oder Bildchen fürs Handy abgeschlossen zu haben. Und die Summe ganz schnell ins Geld geht.

Was tun? Eltern sollten erst einmal die Ruhe bewahren – und keinesfalls zahlen. Im Fall der dreist untergeschobenen Smartphone-Abos sei "niemals ein gültiger Vertrag zustande gekommen", sagt Jutta Gurkmann vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Trotzdem müssen sich die Eltern die Mühe machen, sich schriftlich zu wehren und den Vertragsabschluss in einem Brief an den Telefonanbieter zu bestreiten.

Minderjährige dürfen keine Abos abschließen

Bereits abgebuchtes Geld sollte zurückverlangt werden. Ein zweiter Brief muss außerdem direkt an die Firma geschickt werden, die das Werbebanner geschaltet und das Geld letztlich verlangt hat. Der behauptete Abo-Vertrag muss darin zuerst bestritten und dann vorsorglich gekündigt werden. Die Verbraucherzentralen helfen mit Musterschreiben weiter.

Und auch für alle anderen rätselhaften Abo-Verträge gilt: Wer nichts bestellt hat, muss auch nicht zahlen – zumal Minderjährige Abonnements ohne Zustimmung der Eltern sowieso nicht abschließen dürfen. Die angeblichen Verträge sind also doppelt unwirksam.

Eltern sollten auch keine Angst haben, dass sie für ihren Nachwuchs haften müssen, sagt Benner. Sie brauchten sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, wenn schlimmstenfalls mit Strafanzeige wegen Betrugs gedroht wird, weil die Kinder vielleicht beim Alter geschummelt haben. Das ist nicht verboten.

Das Risiko falscher Angaben trägt der Anbieter. Oft ist eine korrekte Altersangabe auf deren Seiten technisch von vornherein gar nicht möglich. Auch Drohungen von Rechtsanwälten oder Inkassobüros mit einem Eintrag in das Erziehungsregister sollten getrost ignoriert werden.

(dapd)



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