Bundestag um knapp 780.000 Euro geprellt: Postbeamter gesteht Betrug
Bundestag um knapp 780.000 Euro geprellt: Postbeamter gesteht Betrug
Foto: dapd/Clemens Bilan

Bundestag um knapp 780.000 Euro geprellt: Postbeamter gesteht Betrug

Epoch Times, Freitag, 14. Dezember 2012 18:58

Berlin – Ein Mitarbeiter der Poststelle des Deutschen Bundestages hat vor Gericht gestanden, seinen Arbeitgeber um knapp 780.000 Euro betrogen zu haben. "Es war einfach zu einfach. Mein Chef hat alles unterschrieben", sagte der 43-Jährige am Freitag vor dem Landgericht Berlin. Ihm wird vorgeworfen, mit der Hilfe eines mitangeklagten Postzustellers von März 2007 bis Januar dieses Jahres 246 fingierte Nachnahmesendungen an sich selbst verschickt und dann die vermeintlichen Rechnungen über den Deutschen Bundestag bezahlt zu haben.

Der Anklage nach wurden die angewiesenen Beträge jeweils dem Privatkonto des Beamten gutgeschrieben. Knapp 407.000 Euro soll er auf diese Weise für sich abgezweigt haben. "Klar hatte ich Skrupel", sagte der Beamte. Er habe auch schlecht geschlafen, weil es Prüfungen des Bundesrechnungshofes gab. Doch die Belege seien "unbeanstandet" zurückgeschickt worden.

Weitere 371.000 Euro kassierte der Anklage zufolge der mitangeklagte Postzusteller. Der 44-Jährige, der die Pakete im Bundestag ablieferte, soll 2007 den langjährigen Machenschaften des Beamten auf die Schliche gekommen sei. Ihm war aufgefallen, dass Absender und Zahlungsempfänger identisch waren. Auch er zeigte sich im Prozess geständig.

Beamte ließ sich Pakete an Arbeitsplatz im Bundestag liefern

Der Postzustellers sagte vor Gericht, er habe anfangs Bedenken gehabt. Der 43-Jährige habe ihm jedoch versichert, dass sein Chef "keine Ahnung und keine Lust" habe, ihn zu kontrollieren. Zudem habe der Beamte gesagt, dass die veruntreuten Gelder "im Vergleich zu den Gesamtausgaben der Poststelle im Bundestag ein Trinkgeld" seien. Daraufhin habe er den 43-Jährigen gefragt, ob er "nicht auch etwas von dem Kuchen abbekommen könne".

Seit 2002 soll der Beamte bereits fingierte Pakete, die nur mit Papier und leeren Flaschen gefüllt waren, an sich adressiert haben. Per Nachnahme wurden diese dann an seinen Arbeitsplatz im Bundestag geliefert. Um das "Zustellungsverfahren zu vereinfachen" soll der Postzusteller ihm ab 2007 Blankobelege für die Zahlungsanweisung übergeben haben.

Während der Beamte bis heute unter Kürzung der Bezüge beim Deutschen Bundestag beschäftigt ist, wurde dem Postzusteller der Job gekündigt. Der Prozess wird am 19. Dezember fortgesetzt.

dapd



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Prozesse, Untreue


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