Hongkong: Hunderttausende auf größter Demo für die Freiheit

In den Morgenstunden des 2. Juli löste die Polizei in Hongkong mit Gewalt ein friedliches Sit-in von Demonstranten auf, die am Dienstag an der größten Demonstration für Freiheit teilgenommen hatten, die es seit 1997 in Hongkong gegeben hat.

Die Demonstration für mehr Demokratie und Freiheit für Hongkong startete am 1.Juli gegen 15:30 Uhr mit Hunderttausenden von Teilnehmern vom Victoria Park aus. Trotz Regen und Sturm kamen immer mehr Bürger in den Protest-Strom hinein. Um etwa 18:00 Uhr erreichte die Spitze des Marsches den Zielort in der Chater Road in der Nähe des Regierungssitzes.

Zur gleichen Zeit warteten immer noch viele Teilnehmer am Startort Victoria Park, um loszulaufen. Sechs Fußballplätze waren voller Menschen. Erst gegen 19:30 startete die letzte Gruppe vom Victoria Park aus. Auf den Spruchbädern standen Aussagen wie: „Sag Nein zur KP Chinas“, „Freiheit für Hongkong“, „Gegen Weißbuch, für Direktwahl“, und auch der Rücktritt von dem jetzigen Hongkonger Gouverneur wurde gefordert.

Die Demo endete offiziell um etwa 23:00. Die Veranstalter schätzten die Teilnehmerzahl auf etwa ein Million. Eine vorsichtigere Schätzung vermutete 510.000 Demonstranten, auf jeden Fall mehr als die Demo am 1. Juli 2003. Damals protestierten etwa eine halbe Million Teilnehmer gegen den Artikel 23, der die Freiheit und Demokratie in Hongkong weiter einschränken sollte. Diesmal erlebte Hongkong die größte Bürger-Demonstration seit der Übergabe der ehemaligen britischen Kronkolonie zurück an China am 1. Juli 1997.

Ein Weißbuch aus Peking und eine Volksabstimmung in Hongkong

Angeheizt wurde die Atmosphäre dieses Mal von der überraschenden Veröffentlichung eines Weißbuchs aus Peking am 10. Juni, in dem die Zentralregierung erklärte, „dass Hongkongs Autonomie davon abhängig ist, wie viel davon Peking ihm zu geben gewillt ist, und dass die chinesische Zentralregierung jederzeit die Verfassung von Hongkong ändern kann.“

Mit unerwartet hoher Beteiligung hatten daraufhin die Bürger von Hongkong vom 20. bis 29. Juni in einer inoffiziellen Volksabstimmung für eine weitere Demokratisierung ihrer „Sonderverwaltungszone“ gestimmt. Sie wollen in Zukunft ihren Regierungschef direkt wählen können und nicht mehr von Peking bestimmen lassen. Von den etwa 3,5 Millionen Wahlberechtigten der 7,2-Millionenstadt haben über 870.000 ein Votum abgegeben.

Teilnehmer aus Festland China beneiden Hongkong

Vor diesem Hintergrund kommt der Demonstration vom 1. Juli ein besonderes Gewicht zu. Auch Chinesen aus Festland China nahmen an der Demo teil.

Zhang Xiuhua und Li Lirong kamen aus Peking. Sie sagten der Epoch Times, sie seien langjährige Bittsteller in China. Viele solche Bittsteller wie sie wollten nach Hongkong zur Demo am 1. Juli kommen. In China können, bzw. konnten, „Bittsteller“ aus dem ganzen Land in einem speziellen Büro in Peking eine Petition einreichen, wenn sie in ihrer Provinz nicht ausreichend Gehör finden. Ein Recht, dessen Wahrnehmung nicht mehr voll gewährleistet ist. Da sie deshalb in der „Schwarzen Liste“ von Peking standen, wurden deren Reisen nach Hongkong kurz vor dem 1. Juli von der Polizei verhindert. Es war Zhang Xiuhua und Li Lirong jedoch gelungen teilzunehmen, da sie am 27. Juni schon in Hongkong eingereist waren. Die Entfernung zwischen Peking im Nordosten und Hongkong im Südosten beträgt etwa 2.000 Kilometer.

Das ist ihr erster Besuch in Hongkong. Sie sagten der Epoch Times, dass sie Hongkong um die Meinungsfreiheit beneiden, hier erlebten sie echte Freiheit und Schutz der Menschenrechte.

Li Lirong sagte, sie habe kein Vertrauen mehr in die chinesische Regierung. Viele Bürger in China seien unzufrieden mit dem KP-Regime. Sie haben keine Angst ihre Meinungen öffentlich zu sagen.

Internet-Zensur in China über Demo in Hongkong

Die größte Demo in China sowie die große internationale Aufmerksamkeit dafür machten die Pekinger Regierung sehr unruhig. Die Internet-Polizei war mit dem Löschen aller Informationen bzw. Fotos über die Demonstration in Hongkong schwer beschäftigt.

Die Internetbenutzer in China gaben die Rückmeldung: „Alle Beiträge über Hongkong wurden entfernt. Nun ist es sehr ruhig in Weibo (chinesische Variante für Twitter).“

Ein Beitrag in Weibo zeigte die Titelseite der Süddeutschen Zeitung mit dem Bild einer Demonstrantin in Hongkong. Dies wurde ebenfalls gelöscht.

Hongkonger Polizei löste die Kundgebung mit Gewalt auf

Nach der großen Demo sind noch tausende Bürger, darunter viele Studenten, am Zielort in der Chater Road, in der Nähe vom Hongkonger Regierungssitz geblieben und haben dort eine Kundgebung veranstaltet.

Am frühen Morgen des 2. Juli fing die Polizei an, die Versammlung mit Gewalt aufzulösen. Trotz Widerstand wurden Demonstranten in Busse getragen. Zwei volle Busse mit Demonstranten wurden weggefahren. Bis 11:00 Uhr am 2. Juli (Hongkonger Zeit) hatte die Polizei bei der Auflösung der Versammlung insgesamt 511 Personen festgenommen.

 



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