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Chinesische Schulkinder - Freiwild zum Abzocken?
Chinesische Schulkinder - Freiwild zum Abzocken?
Foto: Getty Images

Bußgeldkatalog an Schulen

China: Der Lümmel auf der Lehrerbank

von Ying Hartmüller, Sonntag, 25. November 2012 12:37

 

Ein Lehrer - Lehrer werden in China traditionell mit großem Respekt behandelt - interpretierte seine Aufgabe, den Schülern Disziplin beizubringen in nahezu einmaliger Art. Er führte einen Bußgeldkatalog ein, der für Zuspätkommen und kleine Schülerstreiche empfindliche Geldstrafen vorsah. Er rechtfertigt sein interessantes Konzept, indem er sagt, dass er die Schüler so auf das Leben in einer Marktwirtschaft vorbereite, wo Fehler nun mal Geld kosten.

Nach Berichten von news.cnhubei.com vom 24. November 2012 habe ein Gymnasium der Stadt Jingzhou in der chinesischen Provinz Hubei einen Bußgeldkatalog für die Schüler eingeführt. Darin werden Vergehen wie Zuspätkommen, Quatschen im Unterricht oder schlechte Prüfungsleistungen mit Geldstrafen belegt. Einige Schüler sollen im laufenden Jahr bereits etwa 2000 Yuan (etwa 250 €) bezahlt haben. Schüler berichten über eine Aussage ihres Klassenlehrers Herrn Yao, der zufolge man durch Vorauszahlung von 2000 Yuan quasi eine Flatrate fürs Danebenbenehmen erwerben könne. Wer die Bezahlung verweigere, werde vom Unterricht ausgeschlossen.

Nach Aussagen einiger Schüler habe diese Klasse bei einer der letzten Prüfungen das beste Ergebnis aller Parallelklassen erzielt. Klassenlehrer Yao habe das zum Anlass genommen, mit der Klasse ein Treffen zum Essen zu organisieren. Im Rahmen dieser Veranstaltung habe er verkündet, dass die drei schlechtesten Schüler wieder eine Geldstrafe bezahlen müssen. Der schlechteste müsse 500, der nächste 400 und der dritte 300 Yuan bezahlen.

Schüler berichteten von einem Fall, in dem ein Mitschüler aufgrund einer Fußverletzung mehrmals zu spät gekommen sei. Er habe ebenfalls eine Geldstrafe bezahlen müssen, oder er hätte nicht mehr am Unterricht teilnehmen dürfen. Einem Schüler habe nach einem Schummelversuch bei einer Prüfung der Schulverweis gedroht. Nachdem er 500 Yuan bezahlt habe, sei die Sache wieder in Ordnung gewesen.

Ein Schüler zeigte Journalisten von news.cnhubei.com Fotos auf seinem Handy. Er hatte Unterlagen eines Mitschülers fotografiert, der den Auftrag hatte, über die Geldstrafen Buch zu führen. Aus diesen Fotos sei ersichtlich gewesen, dass jeden Tag mehrere Schüler mit Geldstrafen belegt wurden. Die Begründungen seien äußerst kreativ gewesen. So habe es beispielsweise Gründe wie Reden im Unterricht und Vernachlässigung des Putzdienstes gegeben. Auch wenn der Boden in der Nähe eines Sitzplatzes zu schmutzig gewesen sei, oder jemand sich während des Unterrichts falsch bewegt habe, sei eine Geldstrafe fällig gewesen. Den Fotos zufolge seien von 60 Schülern 46 bestraft worden.

Die Internetseite news.qq.com veröffentlichte die Ergebnisse weiterer Recherchen und setzte sich mit Klassenlehrer Yao in Verbindung. Lehrer Yao behauptete, dass die Schüler selbst dieses Bußgeldsystem vorgeschlagen haben und dass er das Geld nicht privat verwendet habe. Die angebliche Jahrespauschale von 2000 Yuan sei nur ein Scherz von ihm gewesen. Der Schüler, der sich als erster bei den Medien über ihn beschwert habe, sei einer der Härtefälle gewesen, der mehrfach gestraft worden sei, sich aber nicht bessern wolle.

Lehrer Yao befürwortete diesen Bußgeldkatalog im Klassenzimmer, da er die Schüler lehre, dass Fehler unter marktwirtschaftlichen Bedingungen Geld kosten. Außerdem funktioniere seine Methode gut und seine Klasse habe die beste Disziplin im ganzen Jahrgang.

Ein Verantwortlicher der Schule soll angegeben haben, nichts von diesen Methoden gewusst zu haben. Er habe Lehrer Yao eine Mahnung erteilt, nachdem er davon erfahren habe und damit dieses Strafsystem beendet. Ob Lehrer Yao noch weitere Konsequenzen drohen, ist immer noch unklar.

News.qq.com berichtete weiter, dass dies nicht der erste und einzige Fall sei, in dem sich Schüler über Geldstrafen an der Schule beschwerten. So soll es in der Provinz Hunan ebenfalls vorgekommen sein. Der Lehrer habe dies jedoch dementiert und erklärt, dass es sich um freiwillige Spenden der Schüler gehandelt habe. Einige Internetnutzer berichteten von eigenen Schulerfahrungen und erklärten, dass so etwas bei ihnen ebenfalls vorgekommen sei. Ein Anwalt habe sich zu Wort gemeldet und erklärt, dass solche Disziplinarmaßnahmen dem chinesischen Gesetz zuwider laufen, nach dem ein Lehrer weder finanzielle noch körperliche Strafen verhängen dürfe.

 

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