Daimler hat rund 270.000 Mitarbeiter. Vorstandschef Dieter Zetsche sprach von Entlassungen nur im „äußersten Fall“, der mit Hilfe der Sparmaßnahmen verhindert werden solle. (AP Photo/Gero Breloer)
Daimler hat rund 270.000 Mitarbeiter. Vorstandschef Dieter Zetsche sprach von Entlassungen nur im „äußersten Fall“, der mit Hilfe der Sparmaßnahmen verhindert werden solle. (AP Photo/Gero Breloer)

Hauptversammlung bei Daimler

Daimler schließt in der „Jahrhundertkrise“ Entlassungen nicht aus

von Verena Schmitt-Roschmann, Mittwoch, 8. April 2009 15:56

Berlin – Wegen der „Jahrhundertkrise“ schließt der Autobauer Daimler Entlassungen nicht mehr aus. Dazu könnte es kommen, wenn die Krisendynamik anhalte, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Berlin. Zunächst aber stemmt sich Daimler mit Milliarden-Sparprogrammen gegen die erwartete Talfahrt im laufenden Jahr. Nur die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge will der Konzern vom Rotstift verschonen.

Daimler hat rund 270.000 Mitarbeiter. Noch bis 2011 gilt eigentlich ein Beschäftigungspakt. Zetsche sprach von Entlassungen nur im „äußersten Fall“, der mit Hilfe der Sparmaßnahmen verhindert werden solle. Mit Beginn des zweiten Quartals seien die laufenden Kosten bereits drastisch verringert worden. Nun sollten in der Verwaltung im laufenden Jahr noch einmal 500 Millionen Euro eingespart werden. IT-Projekte, der Neubau eines Verwaltungshochhauses in Stuttgart sowie „bestimmte zusätzliche Fahrzeugprojekte“ würden zurückgestellt.

Für die Belegschaft hatte der Konzern bereits drastische Einschnitte angekündigt, die die Personalkosten um zwei Milliarden Euro drücken sollen. „Klar ist: ohne einen substanziellen Beitrag auch der Arbeitnehmerseite wird es nicht gehen“, sagte Zetsche. Bis Ende April sollen Verhandlungen mit den Gewerkschaften darüber abgeschlossen sein.

Zetsche spricht von eigenen Fehlern

Zetsche räumte eigene Fehler ein. „Ich habe grundsätzlich keine Probleme klar zu machen, dass wir mit dem Erreichten nicht zufrieden sind“, sagte er. Zu Beginn der Krise im vergangenen Jahr hätte man die Produktion vielleicht schneller bremsen sollen, um nicht zu hohe Bestände aufzubauen.

In seinem düsteren Ausblick für 2009 nannte Zetsche noch keine konkreten Zahlen. Vage kündigte er ein „deutlich negatives Ergebnis“ für das erste Vierteljahr und für das Gesamtjahr ein Minus beim Umsatz und Belastungen für das Ergebnis an. Frühestens im zweiten Halbjahr werde die Talsohle auf den Automobilmärkten durchschritten, sagte Zetsche.

Kritik der Aktionäre an Spritfressern

Etliche der rund 6.600 erschienenen Anteilseigner übten in der Hauptversammlung teils heftige Kritik am Krisenmanagement des Vorstands und an einer zu wenig umweltfreundlichen Fahrzeugflotte. Gerade im Vergleich zu BMW sei man ins Hintertreffen geraten. Mehrere kritische Aktionäre verlangten den Ausstieg von Daimler beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Vor dem Kongresszentrum ICC demonstrierten Umweltschützer für sparsame Autos und Gewerkschafter gegen die vom Management angekündigten Einschnitte.

Auf die Kritik an den verbrauchsstarken Modellen reagierte Zetsche mit dem Versprechen, den Klimagas-Ausstoß der Flotte deutlich zu senken. Von heute 176 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer soll er bis 2012 auf 140 Gramm sinken. Der Konzernchef kündigte massive Investitionen in Forschung und Entwicklung an. „So sehr uns die Krise an allen Ecken und Enden zum Sparen zwingt: Unser Saatgut für die Ernte von morgen und übermorgen werden wir nicht aufzehren“, sagte Zetsche. „Oberste Priorität haben dabei für uns neue Produkte und grüne Technologien.“

Für 2008 hatte Daimler einen Umsatz von 95,9 Milliarden Euro ausgewiesen. Das operative Ergebnis lag bei 2,7 Milliarden Euro, das Konzernergebnis 1,4 Milliarden Euro. Abgesetzt wurden 2,1 Millionen Fahrzeuge. (AP)

 



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