Der Geschaeftsfuehrer des Anbieters von Kommunikations- und Netzwerktechnik Telegant GmbH, Michael Rodmann
Der Geschaeftsfuehrer des Anbieters von Kommunikations- und Netzwerktechnik Telegant GmbH, Michael Rodmann
Foto: dapd/Jens-Ulrich Koch

Telefonsoftware für Hörgeschädigte

Das Hörgerät im Telefonnetz

Epoch Times, Mittwoch, 28. November 2012 08:38

Jena – Schon für Hörende ist es nicht immer leicht, den Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung zu verstehen. Für Hörgeschädigte ist es oftmals ein Ding der Unmöglichkeit, zumal Hörgeräte beim Telefonieren eher hinderlich als hilfreich sind. "Warum packen wir das Hörgerät nicht einfach ins Telefonnetz?", fragten sich daher Michael Rodmann und Stefan Leistritz von der Firma Telegant, als sie von diesem Problem erfuhren.

Der Geschäftsführer und der Chefentwickler der auf Kommunikationstechnik spezialisierten Firma ließ die Idee nicht mehr los. "Über die Hälfte der Hörgeschädigten nimmt beim Telefonieren das Hörgerät raus, weil es technisch nicht funktioniert. Wir wollten etwas entwickeln, das ihnen ermöglicht, ohne Hilfsmittel zu telefonieren", sagt Leistritz. Herausgekommen ist "Syntelio", ein Kommunikationssystem, welches das Hörgerät beim Telefonieren ersetzt und das Gespräch über das Telefonnetz dem individuellen Hörvermögen des Nutzers anpasst.

Telefonnummer zum Einschalten

Dafür muss der Nutzer vorher sein eigenes Hörprofil zum Beispiel per Hörprobe oder per Testanruf festlegen. Syntelio speichert das Profil und stellt bei jedem Telefonat die Lautstärken und Frequenzen so ein, dass der jeweilige Nutzer seinen Gesprächspartner besser hören kann. Eben wie ein Hörgerät. Nur das dieses weder im Ohr, noch im Telefonapparat steckt, sondern eine Software im Telefonnetz ist, welche die Verstärkung der Gespräche übernimmt.

Aktiviert wird diese Software über eine zusätzliche Rufnummer, die jeder Syntelio-Kunde erhält: "Will der Kunde jemanden anrufen, wählt er diese Nummer zunächst an, um das Hörgerät im Telefonnetz gewissermaßen anzuschalten. Das passiert automatisch, wenn er unter der Syntelio-Nummer, einer Jenaer Festnetznummer, angerufen wird", erklärt Telegant-Geschäftsführer Michael Rodmann.

Eine Software, die es Hörgeschädigten ermöglicht, ohne zusätzliche Hilfsmittel zu telefonieren - das hielt auch die internationale Jury der Erfinderfachmesse iENA 2012 in Nürnberg für eine gute Idee. Sie zeichnete Syntelio daher mit dem Großen Preis der Messe aus. Zum ersten Mal geht diese Auszeichnung nach Thüringen. Für Jens Dahlems, der seit 13 Jahren mit seinem Forschungsinstitut Erinet Thüringer Erfinder wie Rodmann und Leistritz begleitet und auf Fachmessen bringt, ist das schon etwas Besonderes. Immerhin sei es der Hauptpreis der Messe.

Von 750 Erfindungen, die in Nürnberg präsentiert wurden, wurde die der Jenaer Telegant als beste ausgezeichnet. Der konkrete praktische Nutzen habe die Jury letztlich überzeugt, sagt Dahlems, der selbst einer der 25 Juroren war. "Syntelio ist eine Erfindung, die die Welt, im Gegensatz zu vielen anderen, wirklich braucht."

Wieder mitreden können

Drei Jahre Arbeit und 300.000 Euro Entwicklungskosten stecken in dem System. Für den 13-Mann-Betrieb aus Jena eine Herausforderung in jeder Hinsicht. Unterstützung bei der Entwicklung erhielt er vom Fraunhofer-Institut IDMT Oldenburg, welches das "Wissen rund ums Ohr" lieferte, wie Stefan Leistritz es bezeichnet. Die Technik und Algorithmen hinter Syntelio entstanden indes in der Telegant-Tochterfirma Ideo in Ilmenau.

Seit September ist Syntelio nutzbar, ausschließlich über das Festnetz, im Basistarif für 20 Euro im Monat. Anmeldungen für den Dienst sind zurzeit nur über das Internet möglich. Das stelle vor allem für den älteren Teil der Zielgruppe mitunter ein Problem dar, gibt Geschäftsführer Rodmann zu. Daran arbeite man, schließlich sollen durch Syntelio Hörgeschädigte auch am Telefon "wieder mitreden" können. Vor allem sei das System aber auch als Erleichterung für Berufstätige mit vermindertem Hörvermögen gedacht.

Das Kapitel Syntelio ist mit der Inbetriebnahme des Dienstes für Rodmann und Leistritz noch lange nicht beendet. An der Bedienung wolle man weiter feilen und das System auch auf Handynetze ausweiten. Auszeichnungen und Preise geben den Tüftlern dabei Antrieb. Den nächsten Schub könnten sie auf der Erfindermesse in Genf im April 2013 bekommen.

dapd

 

 



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