"Besuch von Gao": "Gao Zhisheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas. Sein Buch "Chinas Hoffnung" wurde kurz vor den Olympischen Spielen in Peking veröffentlicht. Während der Spiele wurde bekannt, dass er in Haft schwer gefoltert wurde. Um gegen seine Verhaftung zu protestieren, trat er in einen Hungerstreik, den er aufgeben musste, als man seiner Familie im Hausarrest den Zugang zu Nahrung und Wasser verwehrte. Er wurde von der IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) zum Gefangenen des Monats August 2008 gewählt. Schlierkamp: "Ich malte ihn und seine Familie in meinem Wohnzimmer sitzend, meinem Wunsch Ausdruck gebend ihn aus dieser Situation befreien zu wollen. Dieses Bild habe ich während der Olympischen Spiele gemalt".
"Besuch von Gao": "Gao Zhisheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas. Sein Buch "Chinas Hoffnung" wurde kurz vor den Olympischen Spielen in Peking veröffentlicht. Während der Spiele wurde bekannt, dass er in Haft schwer gefoltert wurde. Um gegen seine Verhaftung zu protestieren, trat er in einen Hungerstreik, den er aufgeben musste, als man seiner Familie im Hausarrest den Zugang zu Nahrung und Wasser verwehrte. Er wurde von der IGFM (Internationale Gesellschaft für Menschenrechte) zum Gefangenen des Monats August 2008 gewählt. Schlierkamp: "Ich malte ihn und seine Familie in meinem Wohnzimmer sitzend, meinem Wunsch Ausdruck gebend ihn aus dieser Situation befreien zu wollen. Dieses Bild habe ich während der Olympischen Spiele gemalt".

Berliner Zeichner Christian Schlierkamp

Der Mann der leisen Farbtöne

von Rosemarie Frühauf, Montag, 15. September 2008 19:11

Zuerst hatte er nur ein Bild mit Mischtechnik auf Holz gemalt. Wasserfarbe und Buntstift, das ist eigentlich der Stil seines großen Idols, des Illustrators Drew Struzam, der in dieser unverwechselbaren Technik über vierzig Jahre Kinoplakate wie jene für „Indiana Jones" und „Star Wars" gestaltete.

Das hat Schlierkamp seit seiner Kindheit inspiriert: die ganze Story auf einem Plakat. Als Illustrator für Zeichentrickfilme hat er hauptsächlich auf Papier gearbeitet, das jedoch einen entscheidenden Nachteil hat: es zerreißt nach wenigen Schichten Buntstift. Auf grundiertem Holz entwickelt der harte Strich der Zeichnung dagegen seine besondere Prägnanz und Klarheit.

Eigentlich hat er diese Technik nur aus Experimentierfreude ausprobiert, weil ihm Papier nicht mehr gefiel. Der britische Maler Bryan Hackney fand den Stil interessant. Für die Ausstellung „The Cured and the Cooked" in der Galerie der Josettihöfe, lud er Schlierkamp als Künstler aus der Nachbarschaft ein. Er sagte, „wenn du Lust hast - eine Wand ist noch frei". Der etwas verträumt wirkende Schlierkamp lächelt - Natürlich nahm er die Einladung an.

In nur fünf Wochen entstanden neun Bilder, zu denen er schon lange die Motive im Kopf hatte: Auf mehreren spielt sein 3-jähriger Sohn Kai die Hauptrolle, mal auf einer Schildkröte oder einem Löwen reitend. Als spielerische Umsetzung von „Geduld" und „Mut" könnten sie der Beginn einer ganzen Reihe von Bildern sein, meint Schlierkamp. „Es ist ein Geschenk an Kai. Eigentlich hat sich das aus einem Spiel entwickelt. Ich muss immer den Löwen oder die Schildkröte spielen, auf denen er herum klettert. Er findet es ganz toll, gezeichnet zu werden und ist begeistert, wenn er im Bild auf einem richtigen Löwen reitet."

Schlierkamp wuchs mit drei Geschwistern auf, die alle die Kunstbegeisterung des Vaters geerbt haben, der sie nach Kräften förderte: „Mein Vater hat selber viel gemalt. Unter uns drei Jungs war immer ein ständiger Wettbewerb: Wer am schönsten malen kann oder wer das gruseligste Monster malen kann - diesen Wettbewerb hat aber bis heute keiner gewonnen."

„Weil ich als Kind sehr schüchtern war, war es für mich leichter zu zeichnen, als zu sprechen. Wenn es mir nicht gut ging, dann zeichnete ich eben. Das sah dann meistens toll aus, und so war es ein Weg, um die Anerkennung der anderen zu bekommen. Ich verstehe Zeichnen deshalb als meine erste Sprache, Sprechen als meine zweite." An seinem fünften Geburtstag, erinnert er sich, hatte er sein erstes großes künstlerisches Erfolgserlebnis, als er beim Umzug zusammen mit seinen Geschwistern Walfische und Dinosaurier in Lebensgröße an die leeren Wände der elterlichen Wohnung zeichnen durfte - mit Buntstift.

„Ich habe eigentlich immer realistisch gezeichnet, als ich klein war vor allem Tiere - einen ganzen Dschungel. Damals wollte ich Tierforscher werden. Später wurde ich von meinem Kunstlehrer angeleitet, nach der Natur zu zeichnen." Das konnten alles sein, was ihn umgab, Gläser, Pinsel und natürlich auch Menschen. „Er war auch der Erste, der mich ins Museum gejagt hat."

Für die „Moderne Kunst" konnte sich Schlierkamp dagegen nie recht erwärmen: „Bei mir war da immer eine Bremse beim Abstrakten. Später in meiner Ausbildung wurde ich von meinem Chef ins Museum Ludwig zu den alten Meistern geschickt, um anhand ihrer Bilder etwas übers Lichtsetzen zu lernen. Die Klassiker zu studieren ist das Nützlichste, da lernt man am meisten."

Zu realistisch für die Kunstakademie, gerade richtig für den Trickfilm

Eigentlich wollte der gebürtige Kölner ja auch Kunst studieren, doch die Düsseldorfer Kunstakademie lehnte ihn ab - um genau einen Punkt und mit der Begründung, sein Stil sei „zu realistisch". Beim Trickfilm war er dafür umso mehr willkommen, und laut Schlierkamp ist dieses Genre auch die letzte Nische für realistisch zeichnende Künstler: „Angefangen hat das in den 20er Jahren nach der großen Depression in Amerika, wo all die arbeitslos gewordenen Landschafts- und Porträtmaler bei Walt Disney gelandet sind. Deshalb waren die alten Disney-Filme auch so meisterhaft gezeichnet und haben für lange Zeit den Standard gesetzt - die Hintergründe, die Lichtstimmung, das kriegt man heute so nicht mehr hin. Das erfordert regelmäßiges hartes Training."

Eine zweischneidige Entwicklung ist für Schlierkamp, dass die klassischen Techniken heute mehr und mehr durch den Computer ersetzt werden und sich die Bildwelten in immer extremere Richtungen entwickeln: „Man muss sich bereits rechtfertigen, warum es realistisch sein soll. Mangas et cetera haben auch ihre Existenzberechtigung, aber die Ästhetik wird da immer abstrakter, verzerrter oder verkürzter. Das ist ein großer Verlust für den Trickfilm."

„Was kann man mit einer Zeichnung ausdrücken, was der Computer nicht kann?", wollten wir von ihm wissen. Schlierkamp meint dazu: „Zeichnen ist eine eigene Sprache. Der Computer imitiert die Realität, ich habe beim Zeichnen aber das Gefühl, das es die Realität erweitert. Das ist natürlich mein persönliches Empfinden, Computerfritzen würden mir da vermutlich am liebsten Steine an den Kopf schmeißen."

Und weiter erklärt der unverbesserlich altmodische Künstler: „In ein Gemälde kann man so viel hineinbringen, was Atmosphäre, Tiefe, Feinheit betrifft. Ich finde auch, die analoge Technik hat da einfach eine breitere Palette insofern, als es die Abstufungen gibt. Im Digitalen gibt es eben nur zwei Befehle, Null und Eins, es gibt keine Zwischentöne mehr. Man kann es zwar sehr fein machen, aber im Endeffekt ist es die Reduktion auf Null und Eins. Zwischen einem Rembrandt und einem perfekten Fotoshop-Gemälde besteht eben doch ein großer Unterschied."

In seiner Ausstellung konnte man auch etwas über die großen Themen erfahren, die den Menschen Christian Schlierkamp bewegen. Ein Bild zog die Aufmerksamkeit der Galeriebesucher besonders auf sich, da es eine sehr persönliche Antwort auf das Zeitgeschehen darstellt. Ein Porträt des chinesischen Menschenrechtsanwalts Gao Zhisheng mit seiner Familie. Schlierkamp hat gerade das neue Buch von Gao Zhisheng „Chinas Hoffnung" gelesen, das ihn sehr beeindruckte: „Das liest sich zuerst wie eine Erfolgsstory: Wie er aus den ärmsten Verhältnissen zu einem der Top-Anwälte Chinas aufsteigt und dann kommt der große Bruch, als er es wagt, sich für die verfolgten Falun Gong-Praktizierenden einzusetzen. Nach seinem ersten offenen Brief an die chinesische Regierung, in dem er die Falun Gong-Fälle vorbringt, beginnt seine Entrechtung: seine Kanzlei wird geschlossen, seine Familie  unter Hausarrest gestellt."

Während der Olympischen Spiele wurde bekannt, dass er in Gefangenschaft schwer gefoltert wurde. „Ich habe mich hilflos gefühlt und wollte etwas Wirksames machen, etwas das mehr Aufmerksamkeit erweckt", sagt der Zeichner: „Am liebsten würde ich ihn mit seiner Familie hier nach Deutschland holen, damit sie in Sicherheit sind, hab ich mir gedacht - und so ist das Bild entstanden."

Er malte Gao und seine Familie in sein eigenes Wohnzimmer, zumindest im Bild kann die Hoffnung schon jetzt Wirklichkeit werden. „Besuch von Gao" heißt die von Besuchern vielbeachtete Zeichnung: Eine asiatische Familie in einem offensichtlich deutschen Wohnzimmer, die Schrift im Hintergrund mit  deutlicher Menschenrechtsthematik. „Stellen Sie sich vor, sie würden hierfür in eine Arbeitslager kommen" steht da ganz fein mit Buntstift auf dem Bild im Bild, das den Umriss einer meditierenden Frau zeigt.

„Das ist finde ich der einzige Weg einem großen Schicksal gerecht zu werden," sagt Schlierkamp. „Alles andere wäre plakativ. Da möchte ich drauf hinaus: etwas Alltägliches darzustellen, das auf den ersten Blick nicht auffällt, aber einen bedeutungsvollen Hintergrund hat."

Christian Schlierkamp, geboren 1974 in Köln, Trickfilmer, ausgezeichnet mit dem „New Talent Award 2000“ für seinen Kurzfilm „Bad Bill - the Gathering“ arbeitete an verschiedenen international bekannten und ausgezeichneteten Trickfilmproduktionen wie „Der kleine Eisbär“ (2001), „Lauras Stern“ (2004) und „Asterix und die Wikinger“ (2006). Heute lebt er in Berlin.
Noch bis zum 23. September im Zuge der Ausstellung „The Cured and the Cooked“ in der Galerie der Josettihöfe, Rungestraße 22, in Berlin zu sehen.

Alle Bilder von Christian Schlierkamp können im Internet angeschaut werden:
http://schlierkamp.kulturserver-berlin.de


Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 28/08



Schlagworte

Maler, Schierkamp, Berlin, Buntstift
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