Deutsche Unternehmen blicken optimistischer in die Zukunft
Deutsche Unternehmen blicken optimistischer in die Zukunft
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Deutsche Unternehmen blicken optimistischer in die Zukunft

Epoch Times, Freitag, 23. November 2012 14:26

München – Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hellt sich auf: Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts ist im November nach einer halbjährigen Abwärtsbewegung überraschend gestiegen. Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur kletterte von 100,0 Punkten im Oktober auf 101,4 Zähler, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Freitag mitteilte. "Die Zufriedenheit mit der gegenwärtigen Geschäftslage hat leicht zugenommen", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. "Zudem blicken die Unternehmen deutlich weniger pessimistisch auf die weitere Geschäftsentwicklung."

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Die etwa 7.000 befragten Firmen bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage überraschend besser als im vergangenen Monat. Der entsprechende Wert habe sich von 107,2 Zählern im Oktober auf 108,1 Punkte im November erhöht, hieß es. Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate seien von 93,2 im Vormonat auf 95,2 Punkte gestiegen.

Das Ifo-Institut bleibt in seiner Einschätzung jedoch vorsichtig: Von einem einzelnen Monatswert könne noch keine Trendwende für den Index abgelesen werden, sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Dass sich die Euro-Krise nicht weiter verschlimmert habe, habe wahrscheinlich die Stimmung in den Firmen verbessert. "Ich vermute, dass das ruhige Vor-sich-Hingären der Eurokrise dazu beigetragen hat", sagte Carstensen.

Rezessionsgefahr schwindet

Viele Ökonomen zeigen sich optimistischer. "Dass sich nicht nur die Geschäftserwartungen, sondern auch die Lagebeurteilung verbessert haben, ist sicherlich überraschend", sagte Rolf Schneider, Leiter der Konjunkturanalyse bei der Allianz in Frankfurt, der Nachrichtenagentur dapd. Damit schwinde auch die Rezessionsgefahr in Deutschland. Da die Geschäftserwartungen ein verlässlicher Frühindikator seien, dürfte die deutsche Wirtschaft bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres wieder allmählich an Fahrt gewinnen, erwartet.

Experten hatten aufgrund der Verunsicherung in der Wirtschaft durch die Eurokrise und die schwächere Weltkonjunktur mit einer weiteren Abschwächung des Ifo-Indexes gerechnet. Zuletzt habe es jedoch aus den USA und China wieder etwas bessere Zahlen gegeben, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Dadurch spürten die deutschen Unternehmen wieder etwas mehr Rückenwind.

Die Exporterwartungen der Firmen im verarbeitenden Gewerbe seien nach drei Monaten wieder ins Positive gedreht, sagte Ifo-Chef Sinn. Der Geschäftsklimaindex im verarbeitenden Gewerbe sei etwas angestiegen, und die Zufriedenheit mit der Geschäftslage habe sich leicht verbessert.

Auch der Handel habe eine Erholung verzeichnet. Vor allem im Großhandel ist der Geschäftsklimaindex deutlich gestiegen, wie das Ifo-Institut mitteilte. Bei der Geschäftslage berichteten die Firmen sogar von einem sprunghaften Anstieg. Auch im Einzelhandel habe sich das Klima aufgehellt.

Im Bauhauptgewerbe habe sich das Geschäftsklima ebenfalls merklich erholt. "Die Bauunternehmer berichteten von einer spürbar verbesserten Geschäftssituation und äußerten sich auch zuversichtlicher bezüglich der weiteren Entwicklung", sagte Sinn.

Dienstleistungen und Baugewerbe belasten

Ein Dämpfer für die Konjunktur kam jedoch von Dienstleistern und Bauunternehmen: Der Ifo-Geschäftsklimaindikator für das Dienstleistungsgewerbe ging im November nochmals etwas zurück. Zwar schätzten die Dienstleister ihre aktuelle Geschäftslage unverändert gut ein, hieß es. Die weiteren Geschäftsaussichten seien jedoch etwas pessimistischer beurteilt worden als im Vormonat.

Ebenfalls am Freitag veröffentlichte Zahlen weisen auf eine schwächere Bauwirtschaft hin. Im September verbuchten die Betriebe des Bauhauptgewerbes preisbereinigt einen Auftragsrückgang von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Dabei habe die Baunachfrage im Hochbau um 2,0 Prozent zugenommen, während sie im Tiefbau um 10,0 Prozent eingebrochen sei.

Der Gesamtumsatz sank den Angaben nach im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,7 Prozent auf rund 8,8 Milliarden Euro. Ende September 2012 seien mit 739.000 Personen etwa 18.000 Menschen weniger im Baugewerbe beschäftigt gewesen als ein Jahr zuvor.

dapd



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