Reichspogromnacht von 1938
Reichspogromnacht von 1938
Foto: ddp/ddp

Nazi-Barbarei

Deutschland gedenkt Opfer der Reichspogromnacht von 1938

Epoch Times, Freitag, 9. November 2012 17:07

Berlin – Bundesweit ist an die antijüdische Pogromnacht vom 9. November 1938 erinnert worden. Bundespräsident Joachim Gauck sagte nach Gesprächen mit Schülern eines Jüdischen Gymnasiums in Berlin, es sei zwar richtig, niemals zu vergessen, "was die Nazi-Barbarei gemacht hat". Ebenso wichtig ist es nach Ansicht Gaucks jedoch, "die glückhafte Geschichte des Mauerfalls" darzustellen, die sich am 9. November 1989 abspielte.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten in ganz Deutschland jüdische Einrichtungen, darunter Synagogen und Friedhöfe. Tausende Juden wurden gedemütigt, von den Nazis verschleppt und viele von ihnen ermordet.

Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, forderte, es dürfe nicht aufhören mit Erinnern und Mahnen. "Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Lehren daraus ziehen", rügte Kramer am Freitag im sachsen-anhaltischen Weißenfels bei der Eröffnung einer Ausstellung über die Justiz im Nationalsozialismus.

Erinnerung ist Zeichen der Wachsamkeit

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte in Mainz: "Den Opfern und Überlebenden der NS-Herrschaft sind wir alle schuldig, dass unermessliches Leid und millionenfacher Tod nicht vergessen werden." Beck verwies auf die Würde des Menschen, die als unantastbar ins Grundgesetz geschrieben worden sei. Darauf bauten alle jüdischen Mitbürger, die in Deutschland lebten. "Dieses Vertrauen dürfen wir niemals zerstören", fügte Beck hinzu.

Bei einer Gedenkveranstaltung in Dresden, sagte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die Erinnerung sei kein Ritual, sondern ein Zeichen der Wachsamkeit. Nie wieder dürfe Ähnliches wie 1938 geschehen. Auch in Chemnitz versammelten sich rund 100 Menschen. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) erinnerte dort an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Sie sagte, nur eine starke und wehrhafte Demokratie könne die Menschenrechte sichern.

Brandenburgs Kulturstaatssekretär Martin Gorholt bedauerte die Vernichtung des jüdischen Kulturerbes. "Durch die Zerstörung der Synagogen während der NS-Zeit sind in unserem Land leider kaum noch steinerne Zeugnisse jüdischen Glaubens vorhanden", sagte Gorholt anlässlich des Gedenkens in Eberswalde. Viele Spuren, die an das kulturelle und soziale Leben der Juden in Brandenburg erinnern könnten, seien ausgelöscht worden. Der Verlust für die brandenburgische Kultur sei unwiederbringlich und schmerzvoll.

Greifswalder Stolpersteine aus dem Boden gerissen

In Greifswald wurden vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht alle verlegten sogenannten Stolpersteine zur Erinnerung an örtliche Opfer des Nationalsozialismus entwendet. Unbekannte rissen die elf Gedenksteine an verschiedenen Orten in der Stadt "mit roher Gewalt" aus dem Boden, wie ein Polizeisprecher am Freitag mitteilte.

Von einem politischen Motiv und einem Zusammenhang zum Jahrestag der NS-Pogromnacht sei auszugehen. Die Stolpersteine sollen in vielen Städten Deutschlands an zur NS-Zeit vertriebene oder getötete Einwohner erinnern. Der Präsident des Polizeipräsidiums Neubrandenburg, Knut Abramowski, sprach von einer "widerwärtigen Tat" und setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 2.500 Euro aus.

dapd



Anzeige


Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige