Schauspielerin Maria Furtwaengler
Schauspielerin Maria Furtwaengler
Foto: dapd/Nigel Treblin

Doppelter Einsatz für "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm

Epoch Times, Donnerstag, 6. Dezember 2012 14:28

Hamburg – In einer Hannoveraner Müllverbrennungsanlage ragt eine schmale Hand aus einem Berg von Abfall. Sie bewegt sich, arbeitet sich durch den Schmutz an die Oberfläche. Ein Mädchen wühlt sich aus dem Müll, blass, verletzt, in Reizwäsche. Sie blickt sich um und schreit: Grièta! Grièta! Doch ihre kleine Cousine antwortet nicht. Kurz darauf steht "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zwischen dem Müll vor einer Leiche. So beginnt ihr gefährlichster Fall - ein Fall, der ihren doppelten Einsatz fordert.

"Wegwerfmädchen" heißt der erste Teil der Doppelfolge, mit der die Filmemacher vom NDR am Sonntag (9. Dezember) die 20. Ermittlung der beliebten "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm feiern. Mit der Folge "Das goldene Band" geht am Sonntag darauf (16. Dezember) die Verbrecherjagd weiter. Der Fall hat so eine Explosionskraft, dass er den Rahmen einer einzelnen Folge gesprengt hätte, sagt Regisseurin Franziska Meletzky. Denn Charlotte Lindholm legt sich nicht nur mit dem Fürsten der Hannoveraner Rocker- und Rotlichtszene an. Die Spur des Verbrechens führt sie in die elitärsten Kreise aus Wirtschaft, Politik und Staatsgewalt - zu Männern, die nicht dabei zusehen, wie eine Frau ihre Allmachtsfantasien stört. Charlotte Lindholm hat sich übernommen. Doch das Mädchen im Müll war nur die Spitze des Eisbergs.

Auf einer exklusiven Party in der Staatsoper Hannover wird die 16-jährige Weißrussin unter Drogen gesetzt und mächtigen Männern zum Amüsement dargereicht - als eine von zehn, die aus Osteuropa verschleppt und zum Sex gezwungen werden. Anschließend werden sie betäubt, in Plastiksäcke gesteckt und auf den Müll geworfen. Je mehr Charlotte Lindholm über das System der Mädchenhändler herausfindet, desto kaltblütiger verfolgt sie ihre Spur. Doch als plötzlich ihr Geliebter, der Journalist Jan Liebermann, ins Visier gerät, droht ihr Panzer zu brechen.

Die Geschichte des doppelten "Tatorts" ist Fiktion, jedoch inspiriert von realen Verbrechen. Mitten in die Konzeption der Geschichte meldeten die Medien, dass eine Versicherung ihren Mitarbeitern auf Partys in Budapest Prostituierte bestellte - markiert mit farbigen Bändern am Handgelenk für Freier der höheren Gehaltsklassen. "Da greift man als Autor zu. Das ist ein Reflex", sagt Stefan Dähnert, von dem das Drehbuch für die beiden "Tatort"-Folgen stammt. Auch Hauptdarstellerin Maria Furtwängler kannte die Berichte - sie lieferte die Idee für die Doppelfolge. "Mich interessiert der Wert von Weiblichkeit in unserer Gesellschaft", sagt die Schauspielerin, die sich ehrenamtlich in Hilfsprojekten für frühere Zwangsprostituierte einsetzt. In ihrem Haus am Tegernsee entwickelte Maria Furtwängler gemeinsam mit dem Drehbuchautor, der Regisseurin und der Produzentin Heike Streich die Geschichte für den doppelten "Tatort".

Fast wären "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band" Charlotte Lindholms letzter Fall geworden. Die Überlegung, ganz mit dem "Tatort" aufzuhören, habe bereits im Raum gestanden, sagte die Hauptdarstellerin bei der Vorführung der Filme in Hamburg. Bei den Dreharbeiten aber habe sie sich neu in ihre Figur verliebt. "Auf keinen Fall will ich aufhören", sagt Maria Furtwängler. "Ich möchte Charlotte nicht verlieren." In Zukunft werde sie jedoch nur noch für eine Folge pro Jahr als Kommissarin Lindholm ermitteln. Ob die Ermittlerin wieder so sehr an ihre Grenzen geführt wird, werde sich zeigen. "Ich bin letztendlich für jede Fantasie zu haben", sagt Maria Furtwängler. "Sie muss nur spannend sein."

Das Erste zeigt den ersten Teil der Doppelfolge des Hannoveraner "Tatorts" unter dem Titel "Wegwerfmädchen" am Sonntag, 9. Dezember, um 20.15. Die zweite Folge "Das goldene Band" folgt am Sonntag, 16. Dezember, zur selben Uhrzeit.

dapd

 



Schlagworte

Medien, Fernsehen, ARD, Tatort, Lindholm


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