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Düstere "Götterdämmerung" beschließt einzigartiges Theaterprojekt
Düstere "Götterdämmerung" beschließt einzigartiges Theaterprojekt
Foto: dapd/Torsten Silz

Düstere "Götterdämmerung" beschließt einzigartiges Theaterprojekt

Epoch Times, Mittwoch, 28. November 2012 14:08

Ludwigshafen – Es ist ein Theaterexperiment, das deutschlandweit einzigartig ist: Am Freitagabend findet mit der Premiere von Richard Wagners "Götterdämmerung" in Ludwigshafen eine jahrelange Kooperation zwischen dem Theater im Pfalzbau der Stadt am Rhein, der Oper Halle in Sachsen-Anhalt und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ihren Abschluss. Gemeinsam bringen sie seit November 2010 den berühmten Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" in beiden Städten auf die Bühne - unter der Regie des Ludwigshafener Intendanten Hansgünther Heyme, der auch für Bühnenbild und Ausstattung verantwortlich zeichnet.

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Heyme inszeniert die "Götterdämmerung" als düsteres und kritisches Märchen für Erwachsene, mit einem übermütigen Helden, einer liebeskranken Walküre und einem herrlich fiesen Bösewicht in den Hauptrollen. Siegfried - strahlend weißer Held vor dunkler Kulisse - gerät in die Fänge eines egoistischen Geschwisterpärchens, das vom intriganten Hagen manipuliert wird. Der will eigentlich nur an das Rheingold, das Siegfried hat, und geht dabei über Leichen.

Heyme: Wagners Oper ist sehr aktuell

Wagner spreche gesellschaftskritische Themen an, die nach wie vor sehr aktuell seien, sagt Heyme. Das sei für ihn das Tolle an den vier Opern des Zyklus, und genau das wolle er in seiner Arbeit herausstellen. Seine Inszenierung sei daher auch nicht "kunstvoll verrätselt". Vielmehr wolle er erreichen, dass das Publikum auch in einer Stadt wie Ludwigshafen das Stück verstehe und sich angesprochen fühle.

Heyme ist mit dem "Ring" ein Wagnis eingegangen: Der Opernzyklus gilt allgemein als sperrig, und daran ändern auch die Obertitel in seiner Inszenierung nicht viel. Anfangs habe in der Region großes Erstaunen über das Projekt geherrscht, räumt der Intendant ein. "Um Gottes willen, was soll denn das jetzt", hätten viele Leute gemeint. Doch inzwischen habe sich die öffentliche Meinung gewandelt. Die Menschen in Ludwigshafen hätten inzwischen das Gefühl: "Das ist unser Ring, wir haben ihn mitgetragen, für uns ist er entstanden."

Rheinland-pfälzische Theater sind zu klein für den "Ring"

Es ist das erste Mal überhaupt, dass Wagners "Ring" auf einer Bühne in Rheinland-Pfalz aufgeführt wird. Dabei ist die Geschichte quasi hier zu Hause: Die Nibelungen-Saga spielt in Worms nördlich von Ludwigshafen, und das legendäre Rheingold wurde lange Zeit ganz in der Nähe vermutet. Dennoch sei der Opernzyklus noch nie zuvor im Land aufgeführt worden - die Theater seien dafür zu viel klein, sagt Heyme: "Der einzige Raum, wo es überhaupt geht, ist hier, im Theater im Pfalzbau". Dabei hat das Ludwigshafener Theater kein eigenes Ensemble und ist vorrangig auf Gastspiele ausgelegt.

In Halle war der "Ring" laut Heyme bislang ebenfalls noch nicht zu sehen - obwohl die Stadt, in der Georg Friedrich Händel geboren wurde, eine große Opernvergangenheit hat. Die Zusammenarbeit mit Halle habe äußerst gut funktioniert, lobt der Intendant. Natürlich sei die Logistik bei einem derart großen Projekt sehr schwierig. Den "Ring" auf die Bühne zu bringen, sei ohnehin eine Herausforderung. "Aber wenn man von seinem Büro über die Treppe zur Werkstatt gehen kann, ist das einfacher, als wenn man dafür erst sechseinhalb Stunden mit dem Zug fahren muss", fügt Heyme hinzu.

Nach der Premiere in Ludwigshafen ist die "Götterdämmerung" ab 23. Februar 2013 in Halle zu sehen. Nach Ludwigshafen kehrt der "Ring" ebenfalls im kommenden Jahr zurück: Vom 21. bis 27. April wird der gesamte Opernzyklus im Theater im Pfalzbau gezeigt.

dapd



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