Kuenstler Stefan Fichert in seinem Atelier in Gauting
Kuenstler Stefan Fichert in seinem Atelier in Gauting
Foto: dapd/Lukas Barth

Einhörner am Bodensee

Epoch Times, Dienstag, 27. November 2012 08:15

Bregenz/Gauting – Ein bisschen eng ist es zur Zeit in Stefan Ficherts Atelier im oberbayerischen Gauting. Einen großen Teil des Raumes nehmen zwei Gerüste aus Rattan und Stahl ein. Die Konstruktionen sollen sich in den kommenden Wochen in zwei Reiterfiguren verwandeln, jede fünf Meter lang und ebenso hoch. "Eine monumentale Geschichte" sagt der Maler und Bühnenbildner Fichert über das Projekt. Die beiden Figuren sollen kommenden Sommer vor 7.000 Zuschauern zum Einsatz kommen: In der Neuinszenierung der "Zauberflöte" auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele.

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Leuchtende Augen, brennende Speere

Fichert baut für die Inszenierung die beiden "Geharnischten". In der Mozart-Oper führen diese Figuren den Prinzen Tamino zur letzten Aufgabe, die dieser erfüllen muss, um seine Angebeteten Pamina zu gewinnen. Ficherts Figuren werden um einiges pompöser ausfallen, als in gewöhnlichen Inszenierungen der Zauberflöte: "Normal ist es ein Ritter in Rüstung", erklärt er. Nicht so, wenn Mozart am Bodensee gespielt wird. "Da muss eben alles groß sein", sagt Fichert. Also baut er zwei Reiterfiguren auf Einhörner, deren Augen leuchten und deren Speere brennen sollen. Während der Aufführung wird jeweils ein echter Mensch in die Konstruktion klettern und die Figur von Innen manövrieren.

Fichert arbeitete in der Vergangenheit unter anderem bereits für die Salzburger Festspiele und die Münchner Kammerspiele. Von einem Regal schaut ein adrett gekleideter Mephisto mit furchterregenden, rot geäderten Augäpfeln, den er für eine Faust-Inszenierung in der Bayerischen Staatsoper baute. Zusammen mit seiner Frau betreibt Fichert außerdem das Figurentheater-Ensemble "Puppet Players". Der Auftrag aus Bregenz übertrifft von den Ausmaßen jedoch alles Bisherige. "Es ist das erste Mal, dass ich in der Dimension Sachen mache", sagt Fichert.

Entwurf und Konstruktion der "Geharnischten" sind für Fichert eine "interessante Herausforderung". Allerdings habe er den Auftrag erst nach einiger Bedenkzeit abgenommen. "Erst hab ich gedacht: Will ich das wirklich?" Die Figuren müssen sehr robust sein, um Regen und Seewind zu trotzen. Außerdem muss das Bühnenbild den Aufführungen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren stand halten.

Erste Probe im Februar

Seit mehreren Monaten beschäftigt sich Fichert mittlerweile mit dem Opernprojekt in Bregenz. Der gezeichnete Entwurf auf seinem Schreibtisch zeigt eine Figur mit einer opulenten Stoffverkleidung in Gelb- und Orangetönen. Bis jetzt sind die Gerüste in seinem Atelier noch kahl, bis auf mehrere kleine Stoffstücke in verschiedenen Farbkombinationen, die hier probeweise hängen. "Ich hab aufgehört meine Stunden zu zählen, weil das deprimierend ist", sagt Fichert über den Fortschritt des Projekts.

Im Februar soll in Bregenz eine erste Probe mit einer der Figuren stattfinden, im April müssen die "Geharnischten" komplett fertig sein. Die Festspielbesucher können Ficherts Werke ab 17. Juli sehen. Dann feiert die Zauberflöte Premiere auf der Bregenzer Seebühne. In seinem Gautinger Atelier wird dann endlich wieder Platz für neue Projekte sein.

dapd



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