Vor dem Landgericht Tübingen muss sich seit Donnerstag der mutmaßliche Entführer einer 13 Jahre alten Unternehmenstochter verantworten.
Vor dem Landgericht Tübingen muss sich seit Donnerstag der mutmaßliche Entführer einer 13 Jahre alten Unternehmenstochter verantworten.
Foto: dapd

Entführer muss sich vor Gericht verantworten

Epoch Times, Donnerstag, 6. Dezember 2012 20:01

Tübingen – Vor dem Landgericht Tübingen muss sich seit Donnerstag der mutmaßliche Entführer einer 13 Jahre alten Unternehmenstochter verantworten. Der 51-Jährige habe das Mädchen im Mai unter einem Vorwand zu seinem Auto gelockt und verschleppt, sagte Staatsanwalt Martin Klose bei Verlesung der Anklageschrift. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat der Mann die Schülerin mehr als zwölf Stunden in seiner Gewalt gehabt und ihre Familie erpresst. Die Anklage lautet auf erpresserische Maßnahmen und versuchte räuberische Erpressung.

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Verteidiger Andreas Baier hatte zu Prozessbeginn einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gestellt. Staatsanwalt Klose argumentierte dagegen: "Es ist eine Tat, die sich von Anfang an in der Öffentlichkeit abspielte. Dementsprechend hat die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse an diesem Fall." Dieser Argumentation folgte auch das Gericht.

Angeklagter litt unter Depressionen

Der Angeklagte verwies zu Anfang des Prozesses auf seine persönlichen Probleme. Seinen Angaben nach wurde er selbst schon als früherer Tankstellenbesitzer um Schutzgeld erpresst. Weitere Schicksalsschläge seien der plötzliche Tod seines zukünftigen Schwiegersohns und die Entlassung bei seiner letzten Firma gewesen. "Dann kam erst mal ein großes Loch. Dann kam gar nichts mehr", sagte der 51-Jährige.

Die Entlassung im Frühjahr 2011 erfolgte offenbar nicht ohne Grund. Staatsanwalt Klose sprach von veruntreutem Geld. Der Angeklagte selbst wollte dazu keine Angaben machen.

Bewerbungen um einen neuen Job scheiterten. Viele hätten ihm geraten, psychologische Hilfe anzunehmen, die er jedoch abgelehnt habe, sagte der Angeklagte. Selbst die Geburt eines Enkelkindes nahm er nach eigenen Worten emotionslos zur Kenntnis. "Mir ging es immer schlechter. Ich habe mich gehen lassen", erklärte der Angeklagte.

Zu der Tat selbst wurde er am Donnerstag aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht befragt. Anwalt Baier verwies darauf, dass sein Mandant mittlerweile von den bisherigen Depressionen geheilt sei. Es sei deshalb problematisch, dass er sich nun als gesunder Mann in die frühere Lage zurückversetzen müsse.

Entführer forderte Millionenbetrag und zehn Kilogramm Gold

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte die 13-Jährige am Morgen des 10. Mai auf dem Schulweg unter dem Vorwand, ihm beim Ausbau eines Kindersitzes zu helfen, zu seinem Auto gelockt haben. "Er warf eine Decke über das Mädchen und sagte ihr, dass sie im Kofferraum unter der Decke ruhig bleiben solle", sagte Staatsanwalt Klose.

Mit dem Mädchen in seiner Gewalt fuhr er erst in Richtung Baden-Baden und dann weiter nach Freudenstadt. Dann rief er mehrmals bei der Familie des Kindes an und forderte mehrere Millionen Euro Lösegeld sowie zehn Kilogramm Gold.

Über die Telefongespräche spürte die Polizei den Mann in Freudenstadt auf. Dort wurde er vor einer Telefonzelle von einem Spezialeinsatzkommando festgenommen. Die Schülerin konnte unverletzt befreit werden. Der Prozess wird am 13. Dezember mit der Befragung zur Tat fortgesetzt.

dapd



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