Die Luftaufnahme zeigt einen riesigen Riss im Pine Island Gletscher in der Antarktis.
Die Luftaufnahme zeigt einen riesigen Riss im Pine Island Gletscher in der Antarktis.
Foto: nid/dapd

Folgen des Klimawandels

Eppler: Europa hat Umweltschutz verschlafen

Epoch Times, Freitag, 25. November 2011 09:50

Berlin – Der frühere SPD-Spitzenpolitiker Erhard Eppler wirft den Europäern Versagen im Kampf gegen den Klimawandel vor. In den 70er Jahren sei Umweltschutz ein wichtiges Thema gewesen, aber dann sei "ein Vierteljahrhundert verschlafen worden", sagte der Ex-Entwicklungshilfeminister vor Beginn des UN-Klimagipfels im südafrikanischen Durban am 28. November. Auch im Augenblick habe Europa andere Sorgen, von den Gefahren der Erderwärmung werde kaum noch geredet. Der international renommierte Forscher Stefan Rahmstorf warf vor allem den USA Versagen beim Umweltschutz vor.

Von Konferenzen wie in Durban sei wenig Bewegung in Richtung einer ökologisch nachhaltigen Wirtschaft zu erwarten, sagte Eppler der "Stuttgarter Zeitung" (Freitagausgabe). Anstelle von Regierungskonferenzen müsse man "einen Wettbewerb der Länder in Gang bringen". Allerdings sehe er "im Moment die Länder nicht, die vorausgehen wollen".

Eppler: Bei Autos kommt die Industrie vor dem Klimaschutz

Eppler kritisierte auch die deutsche Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei zwar international manchmal verbal Vorreiter, aber wenn es national zur Sache gehe, sehe das ganz anders aus. "Geht es etwa um Autos, kommt immer zuerst die Autoindustrie und dann der Klimaschutz."

Klimaforscher Rahmstorf sprach von einem "Scherbenhaufen der globalen Klimaschutzpolitik". Ein Abkommen, das noch rechtzeitig in Kraft treten könnte, um eine verbindliche Minderung von Treibhausgas-Emissionen zu erreichen, sei nicht in Sicht, sagte der Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagausgabe). "Man kann jetzt höchstens hoffen, dass es zu kleineren Abkommen kommt, zu Koalitionen der klimaschutzwilligen Staaten."

Klimaexperte: Europa muss strategische Partner suchen

Ungewöhnlich scharf attackierte Rahmstorf die USA. Eigentlich sei eine große Mehrheit der Länder zum Klimaschutz bereit. "Ein Abkommen wird von notorischen Bremsern aufgehalten, darunter die USA", sagte er. Dagegen sei in China "ein wachsendes Engagement für Klimaschutz" zu erkennen. Rahmstorf riet, Europa müsse strategische Partnerschaften suchen – "mit Staaten wie China, Indien und anderen Ländern, die erkannt haben, dass ein drängendes Problem gelöst werden muss, das außer Kontrolle gerät, wenn wir es noch lange schleifen lassen".

Das Risiko eines Meeresspiegelanstiegs schätzte Rahmstorf weitaus dramatischer ein, als der Weltklimarat IPCC in seinem letzten Bericht 2007. "Global rechne ich bis Ende des Jahrhunderts mit einem Anstieg von einem halben bis zu 1,50 Meter." Trotz aller Bemühungen um eine Minderung der Emissionen sei der weltweite Ausstoß von CO2 seit dem Rio-Erdgipfel 1992 um 40 Prozent gestiegen.   (dapd)



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