Das Original der Gesichtsmaske eines römischen Reiterhelmes ist ein Exponat des Museums. Am 15. Mai werden die Dauerausstellung und das Ausstellungsprojekt "Imperium, Konflikt, Mythos - 2000 Jahre Varusschlacht" an den Originalschauplätzen Haltern am See, Kalkriese und Detmold eröffnet. (AP Photo/Jörg Sarbach)
Das Original der Gesichtsmaske eines römischen Reiterhelmes ist ein Exponat des Museums. Am 15. Mai werden die Dauerausstellung und das Ausstellungsprojekt "Imperium, Konflikt, Mythos - 2000 Jahre Varusschlacht" an den Originalschauplätzen Haltern am See, Kalkriese und Detmold eröffnet. (AP Photo/Jörg Sarbach)

Hermannsmythos

Fenster in die Antike

von Imke Zimmermann und Julia Schmidt, Donnerstag, 30. April 2009 10:41

Kalkriese – Eine 15.000 Mann große Playmobil-Armee marschiert durch das Römermuseum in Haltern. Im Museum Varusschlacht bei Osnabrück opfern Germanen ihren Göttern erbeutete Waffen. In Detmold ersteht der Hermannsmythos neu. Drei Orte – drei Ausstellungen. Anlass des Länder übergreifenden Projekts ist das 2.000-jährige Jubiläum der Schlacht im Teutoburger Wald, wo der Cheruskerfürst Arminius dem römischen Statthalter Varus eine vernichtende Niederlage beibrachte. „Quintilius Varus, gib die Legionen zurück!“, soll Kaiser Augustus auf die Nachricht hin ausgerufen haben.

„IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2.000 Jahre Varusschlacht“ heißt die Ausstellungskooperation. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sie am 15. Mai im niedersächsischen Kalkriese und in Haltern am See in Nordrhein-Westfalen eröffnen.

Spielzeug-Heereszug von 220 Metern Länge

In der Seestadthalle und dem LWL-Römermuseum in Haltern widmen sich die Ausstellungsmacher dem Imperium. Sie zeigen mit Exponaten aus mehr als 100 Museen in ganz Europa Roms Kunst und Kultur, seinen Aufstieg zur Weltmacht und seine Ausdehnung nach Germanien.

Haltern war früher der wichtigste Militärkomplex des römischen Reichs rechts des Rheins. Hier war ein Teil der Truppen stationiert, die in der Varusschlacht untergingen. Die Playmobil-Römer stehen für die vernichteten drei Legionen. „Mit den Spielzeuglegionären wollen wir die gewaltige Armee, die Varus vor 2.000 Jahren unwissentlich in den Untergang geführt hat, einmal anders darstellen“, sagt der Leiter des Römermuseums, Rudolf Aßkamp.

Der Zug, der sich damals über mehrere Kilometer erstreckte, hat in Haltern eine Länge von etwa 220 Metern. Die Schau nimmt aber auch Varus selbst unter die Lupe. „Varus war nicht irgendein Feldherr“, erklärt Aßkamp. „Man darf ihn nicht nur als Verlierer der Schlacht sehen. Er war vorher sehr erfolgreich.“

Schaudern im Walde

Im September des Jahres 9 n. Chr. jedenfalls verließ ihn die Glücksgöttin Fortuna. Der Feldherr war mit drei Legionen auf dem Weg zurück ins Winterlager, als ihn die Germanen in einen Hinterhalt lockten. Kalkriese gilt vielen Wissenschaftlern als der Ort, an dem Varus geschlagen wurde. Ein wenig sollen Besucher beim Betreten der im Aufbau befindlichen, neuen Dauerausstellung in Kalkriese den Marsch der Römer durch die unwirtlichen germanischen Wälder nachempfinden können und die Bedrohung spüren, wenn hinter den Bäumen unversehens Angreifer hervorlugen.

In einer Ecke der Schau werden sich Museumsdirektorin Heidrun Dierks zufolge dank technischer Tricks Arminius und Varus unterhalten, einige Meter weiter soll sich die Erde zu Füßen der Besucher öffnen, die inmitten von Müll ein, zwei archälogische Perlen finden können. Vor allem geht es der Schau um eine erste Bilanz nach 20 Jahren Forschung in Kalkriese. „Anhand der Funde der Archäologen können wir zum Beispiel die Legionäre von der Sandale bis zum Helm ausstatten“, sagt Dierks.

Zwtl.: Gegen die Germanen-Klischees

Unter den 6.000 Fundstücken sind bislang nur zwei germanischen Ursprungs. Die Kalkrieser Sonderausstellung zum Thema „Konflikt“ arbeitet darum ausschließlich mit Leihgaben. Sie will den auch nach der Schlacht anhaltenden Konflikt zwischen Römern und Germanen aus germanischer Sicht vor Augen führen. Zudem soll mit typischen Klischees aufgeräumt werden wie dem, die Germanen seien ein Volk unter Waffen gewesen. „Nur jeder zehnte wehrfähige Mann bekam Waffen mit ins Grab“, erklärt Kurator Stefan Burmeister.

Auch will die Ausstellung das Bild der wilden Horde widerlegen. Die Germanen hätten rational geplant und mangels Metall eine Art Raubökonomie betrieben, erläutert Dierks. Der „Barbarenschatz von Neupotz“ ist dafür ein Beispiel. Die Schau zeigt 700 Waffen, Werkzeuge, Haushalts- und Kultgegenstände, die die Germanen auf ihren Zügen bis an die Pyrenäen erbeuteten. Bei der Rückkehr stellten die Römer sie am Rhein; der Schatz versank in den Fluten, was zu Spekulationen über die Wiederentdeckung des Nibelungenschatzes Anlass gab.

Von Arminius zu Hermann

Das Lippische Landmuseum Detmold schließlich steht unweit des 1895 errichteten Hermannsdenkmals. Hier widmet man sich unter anderem der Legende um Arminius, den der römische Schriftsteller Tacitus zum „Befreier Germaniens“ erklärte und den der Reformator Luther voller Bewunderung zu Hermann eindeutschte. Mit der Wiederentdeckung der römischen Schriftquellen begann Mitte des 15. Jahrhunderts die zweite Karriere des Arminius.

Anhand von Exponaten aus der deutschen und europäischen Kunst-, Literatur- und Kulturgeschichte zeigt die Schau, wie aus Arminius das Symbol des deutschen Freiheitshelden und eine Gestalt wurde, die bis in die Gegenwart zur Auseinandersetzung reizt. So präsentiert die Ausstellung zum Beispiel ein Werk des Bildzyklusses „Wege der Weltweisheit: Hermannsschlacht“ des international bekannten deutschen Malers Anselm Kiefer.

http://www.imperium-konflikt-mythos.de

http://www.kalkriese-varusschlacht.de/ (AP)

 



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