Gauck redet Journalisten ins Gewissen
Gauck redet Journalisten ins Gewissen
Foto: dapd/Steffi Loos

Gauck redet Journalisten ins Gewissen

Epoch Times, Montag, 12. November 2012 23:36

Berlin – Bundespräsident Joachim Gauck hat beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Deutschen Presseclubs an die Verantwortung der Journalisten erinnert. Die Presse habe eine wichtige Funktion für die Meinungs- und Willensbildung, sagte das Staatsoberhaupt am Montagabend in Berlin. Journalisten übernähmen damit eine sehr große Verantwortung. "Wir erwarten von ihnen, dass sie dieser Verantwortung gerecht werden", sagte Gauck. "Sie ist Teil unser täglich gelebten Pressefreiheit."

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Die Journalisten müssten sich fragen, ob sie sich dieser Verantwortung in ihrer täglichen Arbeit immer bewusst seien, etwa mit Blick auf eine gründliche Recherche. "Was bedeutet ihnen Fairness? Oder darf man darauf vertrauen, dass es keine Kumpanei mit den Mächtigen gibt?" fragte Gauck zudem. Darüber hinaus sollten Journalisten ihrer Arbeit selbstkritisch hinterfragen.

Gleichzeitig erinnerte der Bundespräsident an die Arbeitsbedingungen der Redakteure: "Eine heile Medienwelt existiert doch eher nicht." Wenn der Kostendruck den Redaktionsalltag bestimme, würden "tiefe Recherchen, sachkundige Berichterstattung und ausgewogene Kommentierung schnell zum Wunschdenken". Er sei sich dennoch sicher, dass die allermeisten Journalisten ihre Aufgabe als Chronistin und Beobachter "überaus erst nehmen und nach bestem Wissen und Gewissen ausführen", betonte der Bundespräsident.

Gauck lobt Presseclub als wichtigen Teil des Politikbetriebs

Gauck würdigte den Presseclub in seiner Rede als einen wichtigen Teil des politischen Betriebs. Der Journalistenverein wurde 1952 für die Hauptstadtpresse in Bonn gegründet und versteht sich als Forum für Hintergrundgespräche zwischen Journalisten und Politikern. Ihm gehören rund 230 Mitglieder aus allen Medien an, die vornehmlich über die Bundespolitik berichten.

Alleine seit seinem Umzug nach Berlin 2002 habe der Verein rund 400 solcher Gespräche organisiert, sagte der Vorsitzende des Presseclubs, Gerd Depenbrock. "60 Jahre Presseclub, das sind auch 60 Jahre offene und vertrauensvolle Gespräche zwischen Politikern und Journalisten", fügte er hinzu.

Der Verein habe der Presselandschaft dadurch einen elementaren Baustein hinzugefügt, lobte Gauck. Er sorge seit 60 Jahren dafür, "dass wir eine freie, informierte und gute Presse haben". Dem Presseclub gehe es nicht um die Sensation oder die Nachricht als solches, sondern "um die Zusammenhänge hinter der Nachricht".

Weil die Politiker wüssten, dass nicht jeder Satz veröffentlicht werde, könnten sie "offener und ernsthafter über Politik und deren Hintergründe" sprechen, sagte Gauck. Journalisten seien auf diese Offenheit angewiesen, um den politischen Prozess sachkundig und kritisch begleiten zu können.

dapd



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Medien, Presseclub, Jubiläum, Gauck
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