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Gericht fällt Urteil im Hamburger Prozess um Störtebeker-Schädel
Gericht fällt Urteil im Hamburger Prozess um Störtebeker-Schädel
Foto: dapd/Philipp Guelland

Gericht fällt Urteil im Hamburger Prozess um Störtebeker-Schädel

Epoch Times, Freitag, 7. Dezember 2012 16:13

Hamburg – Milde Strafen im Prozess um den Störtebeker-Schädel: Knapp drei Jahre nach dem Diebstahl des Totenkopfes aus einem Hamburger Museum verkündete das Amtsgericht am Freitag das Urteil gegen die drei Beschuldigten.

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So erhielt ein 38 Jahre alter Mann wegen Diebstahls eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Der zweite, ebenfalls wegen des Diebstahls Angeklagte im Alter von 50 Jahren wurde freigesprochen. Ein dritter, wegen Hehlerei beschuldigter Mann (40) wurde wegen Begünstigung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.000 Euro verurteilt.

Die Männer mussten sich seit dem 7. November vor Gericht verantworten - der 38- und der 50-Jährige wegen schweren Diebstahls. Laut Anklage sollen sie im Januar 2010 den auf einem Holzblock im Museum für Hamburgische Geschichte aufgestellten Schädel des legendären Piraten Klaus Störtebeker gestohlen haben. Der dritte Angeklagte im Alter von 40 Jahren musste sich wegen Hehlerei verantworten, weil er den Schädel gewinnbringend verkaufen wollte.

Echtheit des Schädels bleibt unklar

Der Richter betonte in seiner Urteilsbegründung am Freitag, dass auch er sich nicht sicher sei, ob es sich bei dem Schädel um den Totenkopf von Störtebeker handle. Dennoch habe der Schädel aus dem Hamburger Museum eine große Bedeutung für die Wissenschaft, da es nur noch sechs solcher Totenköpfe gebe. Folglich sprach das Gericht von einem Diebstahl in einem besonders schweren Fall.

Zuvor hatte die Verteidigung bei allen drei Angeklagten auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwaltschaft hingegen forderte für die beiden Männer im Alter von 38 und 50 Jahren eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung beziehungsweise eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten ohne Bewährung. Dem 40-Jährigen konnte der Tatvorwurf der Hehlerei nicht nachgewiesen werden. Für ihn hatte die Anklagebehörde wegen Begünstigung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine Geldstrafe verlangt.

Der 40-Jährige und einer der weiteren Angeklagten hatten bis zuletzt die ihnen zur Last gelegten Taten bestritten - aber zugegeben, den gestohlenen Schädel zeitweise besessen zu haben. Der dritte, nun freigesprochene Angeklagte hatte sich nicht zu den Anschuldigungen geäußert.

Bereits zu Beginn des Verhandlungstages am Freitag hatten die Kuriositäten in dem Prozess eine Fortsetzung genommen: Nachdem einer der Angeklagten auf dem Weg ins Amtsgericht bei Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) in einer Schneewehe stecken geblieben war, verzögerte sich das Urteil. Der 38-Jährige war bei einem Verkehrsunfall mit seinem Auto im Straßengraben gelandet und hatte sich daraufhin mit seiner zur Hilfe geeilten Freundin auf den Weg ins Amtsgericht Hamburg gemacht.

"Ich war froh, als das Ding weg war."

Ohnehin hatte der Prozess eine abenteuerliche Geschichte über den Diebstahl des Schädels zutage befördert. Einer der beiden Diebe hatte den Totenkopf nach dem Beutezug in einer Plastiktüte mit auf eine Grillparty genommen, dort präsentiert und einem Freund übergeben. Im Prozess sagte der Angeklagte, er habe damals eingesehen, dass der Schädel der Polizei übergeben werden müsse. Dazu habe er sich aber psychisch nicht in der Lage gefühlt. Deswegen habe er ihn dem wegen Hehlerei angeklagten Mann anvertraut: "Ich war froh, als das Ding weg war."

Sein Freund versteckte den Schädel daraufhin an verschiedenen Orten - monatelang. Doch irgendwann sei ihm das Versteckspiel zu anstrengend geworden, sagte der 40-jährige Angeklagte im Prozess. Ihm kam die Idee, den Schädel zur Polizei zu bringen und im Gegenzug eine Verkürzung eines Fahrverbots auszuhandeln, das zuvor gegen ihn verhängt worden war. Mit diesem Plan und dem Schädel im Gepäck wurde er bei der Kriminalpolizei vorstellig - der Tausch blieb jedoch ohne Erfolg. 14 Monate nach seinem Verschwinden kehrte der Schädel in das Museum zurück.

dapd

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