Großmutter soll ihre zweijährige Enkelin im Rausch getötet haben
Großmutter soll ihre zweijährige Enkelin im Rausch getötet haben
Foto: dapd/Philipp Guelland

Großmutter soll ihre zweijährige Enkelin im Rausch getötet haben

Epoch Times, Donnerstag, 13. Dezember 2012 18:09

Bad Kreuznach – Die Frau mit dem ergrauenden Haar reibt sich mit ihrem Taschentuch die verweinten Augen. "Ich liebe meine Enkel. Sie sind mein Ein und Alles", übersetzt die Dolmetscherin zu Prozessauftakt die geschluchzten, russischen Sätze in das Gerichtsmikrofon im Schwurgerichtssaal am Landgericht von Bad Kreuznach.

Die heftig weinende Frau ist wegen Totschlags angeklagt - an einem ihrer sieben Enkelkinder. Sie soll die Zweijährige an einem Wochenende im Juni 2012 im Dorf Niederwörresbach im rheinland-pfälzischen Landkreis Birkenfeld erst gewürgt und ihr dann mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten haben. Die fünf Jahre alte Schwester soll von der Oma zwei Mal in die Küche geschickt worden sein, um ein Messer herbeizuholen. Das Mädchen sah die Tötung seiner kleinen Schwester wohl mit an und wurde selbst von der Großmutter in der Tatnacht misshandelt. Der Großvater hatte die sterbende Zweijährige schließlich gefunden, jede Hilfe für das schwerst verletzte Kind kam zu spät.

Die Angeklagte erzählt von ihrem Werdegang in Nowosibirsk, von einer technischen Ausbildung. Sie lernte, wie man Heizungen montiert und leitete Bautrupps. Später war sie Aufseherin in einem Gefängnis und überwachte die Häftlinge bei der Produktion von Textilien. Der Kalte Krieg war zu Ende, es gab "Perestroika", die politische Modernisierung Russlands. "Von da an konnte man nur noch Geld verdienen, wenn man kriminell war oder mit Drogen zu tun hatte", erzählt die Frau.

1996 geht sie nach Deutschland, die Mutter lässt sie zurück. Große Schuldgefühle habe sie deswegen gehabt, dazu neige sie. Ein paar Jahre später stirbt die Mutter, ungefähr ab diesem Zeitpunkt habe sie sich regelmäßig stark betrunken, sagt die Angeklagte. Allerdings: "Nie vor den Kindern." Das sei eine Regel gewesen, sie und ihr Mann hätten sich sogar in einen Abstellraum verzogen, um Wodka zu trinken, wenn es etwas "zu feiern gab" und gleichzeitig Kinder anwesend waren.

Auch in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni ist die Frau stark betrunken. Es werden später fast drei Promille Alkohol im Blut gemessen. Was genau geschah, daran erinnert sich die Angeklagte nicht, es sei alles "wie in einem ganz dichten Nebel". Die beiden Kinder waren bei ihr, deren Eltern über das Wochenende zum Angeln nach Frankreich gefahren. Es war üblich, dass Oma auf die Kinder aufpasst, so erzählt sie.

Vor dem Zubettgehen ist sie schon nicht mehr nüchtern. Da sieht sie in der Küche den Wodka stehen, nimmt wie automatisch noch einmal ein Wasserglas voll. Im nächsten Erinnerungsfetzen, von dem sie erzählt, sind der Rettungswagen und die Polizisten schon da - "eine Menge Leute" und sie trägt den hektisch übergeworfenen Bademantel ihres Mannes, der sie verzweifelt auffordert, ihre Schuhe anzuziehen. Dazwischen ist der Nebel.

dapd



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Prozesse, Tötung, Enkelin
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