Hansguenther Heyme: Theater nicht kaputt sparen
Hansguenther Heyme: Theater nicht kaputt sparen
Foto: dapd/Torsten Silz

Hansgünther Heyme: Theater stecken in schwerer Krise

Epoch Times, Freitag, 30. November 2012 08:17

Ludwigshafen – Der Intendant des Ludwigshafener Theaters im Pfalzbau, Hansgünther Heyme, sieht die Theaterlandschaft in Deutschland in einer schweren Krise. Für die Theater seien die Zeiten so hart wie noch nie, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Früher habe es noch Hilfestellungen von Politikern gegeben, die begriffen hätten, dass Kunst für die Gemeinschaft wichtig sei. Das sei heute häufig nicht mehr so. Natürlich seien Kindergartenplätze und Pflegeheime wichtig, aber die Kunst als "Müllabfuhr für die Seele" sei ebenso bedeutsam und dürfe nicht kaputt gespart werden.

Heyme: Politiker sind zu sehr auf Wahlgewinne fokussiert

Die junge Politikergeneration habe im Verhältnis zu ihren Vorgängern "mit Kunst unendlich wenig zu tun", kritisierte Heyme. Sie seien oft nur auf das Gewinnen von Wahlen und auf Quoten fokussiert. Die Theatermacher sollten daher alles daran setzen, Politiker für die Kunst zu gewinnen und mit ihnen gemeinsam zu gestalten.

Eine Patentlösung für die aktuelle Theaterkrise gebe es nicht. "Jedes Schlachtfeld sieht anders aus", betonte Heyme. Lösungen müssten sehr individuell sein, um zu funktionieren. Ein möglicher Weg seien Kooperationen, doch sie könnten auch zusätzlichen Schaden anrichten. So habe die Kooperation zwischen den Theatern in Gelsenkirchen und Wuppertal letztlich mit zum drohenden Aus für Wuppertal beigetragen. Das Publikum sehe durch eine Kooperation von mehreren Theater das örtliche Ensemble schnell nicht mehr als das ihre an. Durch den Verlust der Identität gerate ein Theater jedoch schnell in eine gefährliche Lage.

Ein Theater vor allem mit Gastspielen zu betreiben, wie dies in Ludwigshafen der Fall sei, könne ebenfalls nicht überall funktionieren. Ludwigshafen sei immer schon eine wichtige Gastspielstadt gewesen. In anderen Städten würde ein solches Modell jedoch den Verlust des Eigenen bedeuten, warnte Heyme.

Ludwigshafen als Modell

Er habe sich bewusst entschieden, nach großen Häusern in Essen und Bremen ein Theater ohne festes Ensemble und ohne Werkstätten zu leiten, sagte Heyme. In Ludwigshafen wolle er ein Modell für ein solches Theater etablieren, das vor allem auf Kooperation basiere. Die bislang größte Zusammenarbeit in diesem Rahmen sei das Projekt "RING Halle Ludwigshafen" mit Halle in Sachsen-Anhalt, und sie habe sehr gut funktioniert. Bei der gemeinsamen Inszenierung der Wagner-Oper "Götterdämmerung", die am Freitagabend in Ludwigshafen Premiere habe, werde ein Großteil des Budgets von Halle getragen. Inszenierung, Ausstattung und Bühnenbild stammten aus Ludwigshafen. Eine solche Kooperation könne aber nur funktionieren, wenn ein Theater sich voll nach dem richten könne, was vom anderen Theater verlangt werde und auch notwendig sei.

dapd



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Kultur, Theater, Heyme
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