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„In einer extremen Ausnahmesituation“

Epoch Times, Montag, 19. März 2007 15:59

Hamburg – In Hamburg wurde ein Neugeborenes vermutlich aus einen Hochhaus geworfen, möglicherweise von der eigenen Mutter. In Kiel wird gegen eine Frau ermittelt, die ihr Kind kurz nach der Geburt getötet haben soll. Trotz Beratungsstellen, Babyklappen und der Möglichkeit von anonymen Geburten in Kliniken gibt es anscheinend immer wieder Frauen, die so verzweifelt sind, dass sie ihr Kind töten. Experten erklären dies mit einer extremen Panik, die zu einer Kurzschlussreaktion führt.

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„Eine Frau, die ihr Kind nach einer Entbindung tötet oder aussetzt, befindet sich in einer extremen Ausnahmesituation“, sagt die Geschäftsführerin des Pro-Familia-Landesverbandes Hamburg, Kerstin Falk. Die Frau handle nicht planmäßig oder vernünftig. Oft sei bereits die Schwangerschaft ungewollt und bringe die Frau in einen tiefen seelischen Konflikt. Wenn sie niemanden habe, dem sie sich anvertrauen könne, könne das zu einer solchen „Kurzschlussreaktion“ führen. „Wie schlimm der Konflikt ist, in dem die Frau steckt, ist nach außen oft gar nicht sichtbar“, sagt Falk.

Pro Familia appelliert an das Umfeld, eine scheinbar unglücklich Schwangere zu einer Beratung zu bewegen. „Kein Kind muss getötet werden, es gibt immer einen Weg“, sagt Christine Schulz-Züllich, Gynäkologin und Vorsitzende von Pro Familia Hamburg. Wenn erstmal ein Gespräch zu Stande komme, finde man in der Regel einen Ausweg, der das Leben des Kindes rette und die Mutter vor einer Straftat bewahre.

Zahl der Kindstötungen zurückgegangen

Auch wenn sich die Fälle derzeit zu häufen scheinen – nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes ist die Zahl der Kindstötungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Schätzungen von rund 30 Fällen pro Jahr in Deutschland bezeichnet der Geschäftsführer des Hamburger Landesverbandes, Uwe Hinrichs, als realistisch. Ganz werden sich solche Taten wohl auch nie verhindern lassen, befürchtet Hinrichs: „Leider erreichen wir mit Beratungen und anderen Angeboten nie alle Frauen.“

In den vergangenen Jahren habe der Kinderschutzbund die Zusammenarbeit mit Gynäkologen und Hebammen ausgebaut, in Hamburg bekomme jede Mutter nach der Entbindung in der Klinik ein Willkommenspaket und Familienhebammen würden unsicheren Müttern zur Seite stehen. Aber leider gebe es immer noch Frauen, die nichts von den Beratungsangeboten wüssten oder sich nicht dorthin trauten.

Zumeist handele es sich bei Frauen, die ihr Kind töten oder aussetzen, um junge oder jugendliche Mütter, die mit der Schwangerschaft überfordert seien. „Wir müssen schon den schulischen Bereich erfassen, denn je früher Hilfe ansetzt, umso hilfreicher ist sie“, sagt Hinrichs. Abgesehen von der strafrechtlichen Verfolgung sei das eine traumatisierende Handlung, die die Frau das ganze Leben verfolge. (AP)

 



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