Marienkirche in Panaji in portugiesischem Stil. (Bernd Kregel)
Marienkirche in Panaji in portugiesischem Stil. (Bernd Kregel)

Im Ferienparadies Goa

„India light“ mit mediterranem Flair

von Bernd Kregel / Gastautor, Montag, 12. Oktober 2009 09:55
Unterkunft im „Taj Holiday Village“. (Bernd Kregel)
Unterkunft im „Taj Holiday Village“. (Bernd Kregel)
Braganza-Hauseinrichtung. (Bernd Kregel)
Braganza-Hauseinrichtung. (Bernd Kregel)

Konnten hunderttausend Hippies irren? Bei allen kritischen Vorbehalten besteht ihr bleibendes Verdienst darin, als Erste die paradiesische Schönheit Goas für sich entdeckt zu haben. Mit sicherem Instinkt zog es sie bereits in den Sechzigerjahren kurz nach dem Ende der portugiesischen Kolonialherrschaft in ihr gelobtes Land an der indischen Westküste. Denn wo anders als hier gab es solche günstigen Bedingungen, um sich an langen feinkörnigen Palmenstränden dem süßen Nichtstun hinzugeben?

Ihnen auf den Fersen folgten die europäischen Pauschalurlauber, bei denen sich schnell herumsprach, welche Besonderheiten das einstige „Juwel der portugiesischen Krone“ zu bieten hatte. Sie schätzten das mediterrane Flair des kleinsten indischen Bundesstaates, an dessen Menschen und Kultur die 450 Jahre portugiesischen Einflusses nicht spurlos vorübergegangen waren.

Aber auch in Indien selbst nahm man bald zur Kenntnis, welches touristische Traumziel dort vor der eigenen Haustür am Strand der angenehm temperierten Arabischen See zu finden war. Einer aufstrebenden zahlungskräftigen Mittelschicht gefiel zudem das europäisch geprägte „India light“, das aus ihrer Blickrichtung nicht nur exotisch wirkte, sondern sich auch in sozialer Hinsicht nicht gar so krass indisch präsentierte wie das eigene Hinterland. So entfällt heute der stolze Anteil von neunzig Prozent der Goa-Urlauber auf indische Gäste.

Und noch immer ist der Ausbau zum Ferienparadies nicht abgeschlossen. Denn verstärkt schiebt sich in den letzten Jahren ein Qualitätstourismus in den Vordergrund, der sich vor allem in den Fünf-Sterne-Hotels und Ressorts zu Hause fühlt, die entlang der Küstenlinie wie Pilze aus dem Boden schießen. Allen voran, gleichsam als Trendsetter, das „Taj Holiday Village“ und das benachbarte „Fort Aguada Beach Resort“, genau an der Schnittstelle von Nord- und Südgoa, die weithin sichtbar von der einst mächtigsten Bastion der Portugiesen überragt wird.

Eingebettet in eine bezaubernde tropische Flora blicken die stilvoll renovierten Holzcabanas des Holiday Village zurück auf eine bereits dreißigjährige bewegte Vergangenheit. In die große Zeit des mit der Hippie-Bewegung verbundenen Musikbooms, als sich hier noch Idole wie George Harrison, Mick Jagger und Paul McCartney die Klinke in die Hand gaben. Oder wenig später, Mitte der achtziger Jahre, als Margaret Thatcher die Staatsmänner des in Indien tagenden Commonwealth kurzerhand übers Wochenende hierher einlud in die idyllische Einsamkeit.

Chef Rego, legendärer Sternekoch des Holiday Village, hat diese illustren Zeiten persönlich miterlebt. Wie sein großartig illustriertes Kochbuch beweist, ist es ihm seither gelungen, die damals begründete kulinarische Tradition in die Gegenwart hinein fortzuschreiben. Eine Bilderbuchkarriere, mit der er sich seinen eigenen Lebenstraum erfüllte. Und doch überschattet von einem Schicksalsschlag, der ihm vor zwei Jahren bei dem rücksichtslosen Anschlag auf das Taj-Hotel in Bombay seinen Sohn raubte.

Gegenüber anderen Gourmet-Regionen genießt die goanische Feinschmecker-Küche zudem einen Heimvorteil. Denn sie profitiert von den zahlreichen über das Hinterland verteilten Gewürzplantagen wie beispielsweise der „Sahakiri Spice Farm“ bei Ponda. Einer der berühmten Orte, wo der Pfeffer wächst und all die anderen Geschmacksveredler wie Koriander, Thymian und Chili. Gewürze, die früher in Europa oft mit Gold aufgewogen wurden und einen unglaublichen Reichtum in die portugiesische Kolonie zurückspülten.

Noch heute spiegelt sich der damalige Geldsegen wider in den Fassaden der im lusitanischen Stil erbauten Herrenhäuser. So in dem Figueiredo-Anwesen der Besitzerin Maria Lourdes Figueiredo de Albuquerque nahe dem Ort Loutulim in Südgoa. Nach einer Bodenreform, mit der der Verlust der umliegenden Ländereien einherging, funktionierte sie kurzerhand das großzügig gestaltete Wohngebäude mit seinen Sälen und Repräsentationsräumen um zu einem Geschichtsmuseum nach englischem Vorbild, Unterkunftsmöglichkeit inbegriffen.

Ähnlich das Herrenhaus derer zu Braganza-Pereira mit seinen Mosaikfußböden, Rosenholzmöbeln und Muschelfenstern. Menezes Braganza-Pereira, mit über neunzig Jahren letzter direkter Spross der berühmten Adelsfamilie, verrät nicht ohne Stolz, dass sich hier in dem abgelegenen Ort Chandor einst nach Inbesitznahme Goas durch die Portugiesen die ursprüngliche Hauptstadt befand. Vom weiten Mantel der goanischen Geschichte ist davon allerdings nur noch ein kleiner Zipfel übrig geblieben.

Denn schon bald wurde dem heutigen Alt-Goa der Hauptstadttitel zuerkannt, nicht zuletzt wegen des ausgeprägten religiösen Repräsentationsbedürfnisses der Portugiesen. So entstand eine neue Metropole am Mandovi-Fluss mit Sakralbauten in monumentaler Pracht. Unübertroffen die mächtige Kathedrale mit der angrenzenden Kirche zu Ehren des Heiligen Franziskus. Und nur einen Steinwurf davon entfernt die Jesuitenbasilika vom „Bom Jesus“. Hier findet sich, wohl als das bedeutendste Heiligtum der Stadt, der pompös gestaltete Sarkophag des noch heute hoch verehrten Franz Xavier, der als Mitbegründer des Jesuitenordens einst die Missionierung Goas vollendete.

Doch trotz aller Veränderungen im europäischen Sinn schimmert noch immer ein gehöriges Stück des traditionellen Indiens durch: Das Indien der Flussfischer, die im Wechsel der Gezeiten mit ihren Booten die Netze auslegen. Oder das Indien der Reisbauern, die in mühseliger Arbeit ihre Felder bestellen. Auch das Indien der traditionellen Volksküche, die sich an den offenen Strandrestaurants von Calangute großer Beliebtheit erfreut.

Und natürlich das Indien der religiösen Feste, die bei zunehmender Bedeutung des Hinduismus in großer Ausgelassenheit gefeiert werden. Zum Beispiel in Panaji, der dritten und heutigen Hauptstadt Goas. Nicht weit entfernt von der prächtigen Treppenkulisse der aus vielen Bollywood-Filmen bekannten  Marienkirchen-Fassade konstituiert sich in einem kleinen Park lautstark der letzte Akt in einem elftägigen Festzyklus zu Ehren des elefantenköpfigen Gottes Ganesha.

Mit einem zarten Schleier verdeckt, thront er auf seinem Festwagen. Davor, als blumengeschmückte Miniatur, winkt er seinen Anhängern zu, die ihn mit einer Mischung aus feierlicher Musik und ohrenbetäubenden Schellenklängen zum Mandovi-Fluss geleiten, um ihn dort symbolisch den Wasserfluten zu übergeben. Welch ein Unterschied zwischen katholischem Ernst und hinduistischer Ausgelassenheit.

Und doch keineswegs befremdlich! Denn selbst ausländische Gäste werden unter freundlichem Lächeln problemlos in das illustre Geschehen einbezogen und müssen nicht lange auf einen roten Segenspunkt zwischen den Augenbrauen als Zeichen der Zugehörigkeit warten. Eine Ekstase, die man zu Hause nur selten erlebt, die aufwühlt und daher noch lange Zeit innerlich nachwirkt.

Was läge daher näher, als sich anschließend, gleichsam als Kontrastprogramm, dem Wellness-Angebot des nagelneuen Vivanta-Hotels von Panaji anzuvertrauen. Mit Pools, Saunen und Massagen bis hin zur Ayurveda-Behandlung genau der richtige Seelenbalsam, um voller Eindrücke und doch entspannt die Goa-Reise ausklingen zu lassen. Nicht unähnlich den Hippies vor vierzig Jahren, die sich auf ihre eigene Art amüsierten und damit doch all ihren Nachfolgern den Weg wiesen.

 

Reiseinformationen:

Anreise
Günstig z.B. mit Qatar Airways, mehrfach wöchentlich von Frankfurt und Berlin über Doha; Weltspitze in der Economy und Business Class, preisgekrönt für exzellenten Service; www.qatarairways.com, Reservierung: +974-449-6666

Einreise
Erforderlich sind Reisepass und Visum. Bequemster und schnellster Weg zum Visum über Visa Dienst Bonn, Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt am Main, Tel. 069-7079837-0

Reisezeit
Touristensaison ist von Oktober bis Mai, nicht jedoch während der anschließenden regnerischen Monsunzeit.

Unterkunft
z.B. „Taj Holiday Village“, Sinquerim, Bardez, Tel. +91-832-6645858 ;      « Fort Aguada Beach Resort », Sinquerim, Bardez, Tel. +91-832-6645841 und « Vivanta », Panaji, Tel. +91-832-6633636 ; alle : www.tajhotels.com

Auskunft
Indische Botschaft, Tiergartenstraße 17, 10785 Berlin, Tel 030-257950, www.indischebotschaft.de, consular@indianembassy.de, 9.30-12.30 Uhr und Indische Fremdenverkehrszentrale, Baseler Straße 48, 60329 Frankfurt am Main, Tel. 069-2429490



Schlagworte

Goa, Indien, Kregel, Bernd
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