szmtag
Randstreifen sollen das Gewässer schützen.
Randstreifen sollen das Gewässer schützen.
Foto: Jan Freese / Pixelio

Gängige Methoden ungeeignet

Insektizidbelastungen von Gewässern: unterschätzt, aber lösbar

von Heike Soleinsky, Donnerstag, 17. Januar 2013 13:16

Die schädliche Wirkung von Insektiziden auf Gewässer wird laut einer Studie des Instituts für Umweltwissenschaften Landau unterschätzt. Das liege an der Praxis, dass Wasserproben meist zu festen Terminen entnommen werden. Insektizide werden jedoch unregelmäßig bei Bedarf versprüht.

Da der Einsatz der Insektizide kurzfristig ist und Insektizide in der Umwelt auch nur eine kurze Halbwertzeit haben, ist die Überschreitung der Grenzwerte dann auch nur kurz. Oft werden die Insektizide bei den regelmäßigen Probeentnahmen nicht mehr registriert. Aber Insektizide werden in hoher Dosierung aufgebracht. Entsprechend hoch ist auch die Schädigung der Wasserorganismen, die empfindlich auf Insektizide reagieren.

„In einem großen Gewässer wie dem Rhein oder der Elbe ist die jetzige Probenentnahme vermutlich gar nicht so falsch. Da werden Sie die hohen Insektizideinträge sowieso nicht finden. Die finden Sie eher in den ganz kleinen Gewässern. Am ehesten zu empfehlen wäre, dass man in bestimmten Regionen ab und an mal in den kleinen Gewässern eine Art Zusatz-Messprogramm macht“, sagt Prof. Dr. Ralf Schulz vom Institut für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau in einem Gespräch mit der Epoch Times

Zusatzmessprogramme ähnlich ineffektiv

Manche Behörden machen zwar Zusatzmessprogramme in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft – wie in Niedersachen die Hildesheimer Börde – und messen dort besonders intensiv. „Wenn Sie diese Zusatzmessprogramme trotzdem in der typischen regelmäßigen Weise machen, bringt das für die Ermittlung der Insektizidbelastung nichts. Dann unterschätzt man die Insektizidbelastung systematisch“, sagt Schulz. Die Landesämter für Umwelt müssten besonders dann Proben nehmen, wenn Insektizide ausgebracht werden oder Starkregen diese in Gewässer einschwemmt. Das würde sogar preiswerter sein.

Einfache und kostengünstige Alternative

Eine effektive Zusatzmessung kann erstaunlich simpel und kostengünstig erfolgen, wie Schulz im Gespräch mit der Epoch Times erklärt: „Sie nehmen eine Eisenstange, hauen diese in den Grund des Gewässers rein und hängen dort eine offene Flasche dran. Oben schaut die Flasche zwei, drei Zentimeter heraus.“ Wenn es ein paar Tage nach der Applikation von Insektiziden stark regnet, wäscht dies die Insektizide von den Pflanzen auf den Boden und von dort aus ins nächste Gewässer hinein.

Kurzfristig steigt in den kleinen Gewässern dann auch der Wasserspiegel. „Dann genau müsste man Proben entnehmen. Das können Sie aber nicht und schon gar nicht an 50 Stellen gleichzeitig. Sie können aber diese sehr einfachen Probeentnahme-Systeme nehmen und die Arbeit für sich machen lassen. Wenn Sie wieder hinkommen und die Falsche ist voll, gab es Hochwasser. Sie nehmen die Flasche mit und analysieren, was da drin ist, auf Pflanzenschutzmittel. In dieser Probe finden Sie die Insektizide. Da werden Sie sehr viel mehr Nachweise haben.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ämter sollten wissen, was machbar ist

« »
Folgen Sie unseren aktuellen Nachrichten

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
 

Service