Jagdflieger bringen ihren Nachwuchs in die "Villa Sternschnuppe"
Jagdflieger bringen ihren Nachwuchs in die "Villa Sternschnuppe"
Foto: dapd/Jens Koehler

Jagdflieger bringen ihren Nachwuchs in die "Villa Sternschnuppe"

Epoch Times, Freitag, 30. November 2012 15:46

Laage-Kronskamp – Der Lärmpegel im Kindergarten "Sternschnuppe" in Laage-Kronskamp wird nicht nur von der Gruppe jauchzender und kreischender Dreikäsehochs bestimmt. Ab und zu donnern auch Jagdflieger vorbei und sorgen für heillosen Krach - die Landebahn ist nur ein paar Hundert Meter vom Flachbau der Kita entfernt. "Ach, es ist doch nicht lauter als im Ort", winkt Cathleen Pohla ab. Sie ist eine der beiden Tagesmütter, die auf dem Gelände des Jagdgeschwaders in Laage-Kronskamp ihre Dienste anbieten. Ihre "Villa Sternschnuppe" ist die erste Kompanie-Kita in Mecklenburg-Vorpommern.

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Das Gebäude liegt gut einen Kilometer von der Wache des Stützpunktes entfernt in einem abgesperrten Wald- und Wiesen-Gelände. "Rundherum ist nichts als Natur, das ist herrlich für die Kinder", sagt Nancy Böhnke, die schon in Güstrow als Tagesmutter arbeitete und jetzt auf dem Stützpunkt mit ihrer Kollegin einen Neustart wagt. Beide Frauen kommen aus Laage, einer Kleinstadt, deren Bewohner seit Jahrzehnten in guter Nachbarschaft mit dem Jagdgeschwader leben. Aktuell sind dort gut 1.100 Soldaten und etwa 250 Zivilbeschäftigte stationiert, viele von ihnen haben Kinder.

Großer Bedarf, lange Wartelisten

"Es gibt eine Menge Kinder, aber in den umliegenden Kitas nicht genügend Betreuungsplätze", sagt der Kasernenkommandant Harald Hagen. "Wir haben deshalb ein Gebäude zur Verfügung gestellt und Tagesmütter gesucht, die entsprechend der Dienstzeiten der Soldaten eine Betreuung von Kindern bis drei Jahre anbieten." Der Plan war schnell gefasst, Bewerber schnell gefunden. "Aber alle Gesetze und Regelungen einzuhalten, das war gar nicht so einfach", sagt Hagen. "Friseurstuben beispielsweise sind in den Bundeswehrkasernen längst etabliert, bei Kitas sieht das anders aus", ergänzt Kommodore und Standortältester Bernhard Teicke.

Ein Schulungsgebäude wurde renoviert und mithilfe von Spenden eingerichtet. "Wir haben zum Beispiel Namensschilder auf den Jets versteigert, da kam eine Menge Geld zusammen", sagt Teicke. Die Wahl des Mittagessen-Versorgers stellte sich als gar nicht so einfach heraus. "Es gibt ja eine gute Kantine auf dem Stützpunkt, aber das Essen macht sich nicht so gut für die Kinder. Es ist einfach zu viel Fleisch", sagt Cathleen Pohla. Mittag kocht nun das DRK, die anderen Mahlzeiten bereiten die Frauen allein zu.

Start mit zehn Plätzen

Mit zehn Plätzen startet die "Villa Sternschnuppe". Eines der ersten Kinder ist der zehn Monate alte Lukas, Sohn des Piloten Gerd Estendorfer und der Soldatin Ulrike Walter. Überall gebe es lange Wartelisten, hier sei der Weg "zur Arbeit" kurz, erklärt das Paar, das in Rostock lebt.

"Wir würden erweitern, wenn weitere Anmeldungen kommen", sagt der Kommodore. Noch nicht ganz fertig ist der Spielplatz, auch einen eigenen Zaun bekommt das Gelände. Und irgendwann mal ein schönes großes Schild an die Fassade. "Eigentlich ist Werbung auf dem Bundeswehrgelände verboten", sagt der Kasernenkommandant Hagen. Aber man habe ja auch ein paar Freiheiten. "Im Sinne des Parkleitsystems müssen schon ein paar Hinweisschilder her, die können auch bunt sein", meint er.

In Deutschland ist die Kompanie-Kita "Sternschnuppe" kein Einzelfall. Es gibt weitere Kindergärten speziell für Soldaten-Nachwuchs in Husum und Eckernförde in Schleswig-Holstein, in Köln, München und Berlin.

dapd



Schlagworte

Soziales, Kita, Jagdgeschwader
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