Die Operndiva Jessye Norman erzählt über ihr Leben und der Liebe zur Musik.
Die Operndiva Jessye Norman erzählt über ihr Leben und der Liebe zur Musik.
Foto: Carol Friedmann

Im Interview mit Sopranistin Jessye Norman

Jessye Norman – Ein Leben für und mit der Musik

Epoch Times, Sonntag, 29. April 2012 11:19

Vor dreißig Jahren hatte Norman, die damals schon eine weltweit gefeierte Sopranistin war und zu den größten Sängerinnen des 20. Jahrhunderts zählt, zum ersten Mal in Philadelphia gesungen.

In ihrer Dankesrede für die Ehrung sagte Norman: „In der oft sorgenvollen Zeit, in der wir heute leben, macht es mich besonders dankbar, daran erinnert zu werden, dass die Kunst eine bedeutungsvolle Rolle im Leben spielt. Sie weckt in uns ein Echo, das uns an die Schönheit des Lebens erinnert. Das, was sie uns an Inspiration einhaucht, ist so wundervoll und vergänglich wie ein Tanzschritt, so bleibend wie eine Bronzeskulptur, so tief in unserem Bewusstsein wie ein Lied, das seinen Weg in unsere Herzen findet und dort bleibt. (...) Ich stimme den Worten Shakespeares zu, „dass das Leben ohne Musik ein Irrtum wäre" (...) und es erfüllt mich mit Freude, dass die Musik wirklich das Zentrum meines Lebens ist und ich dadurch das Privileg besitze, ihren nährenden Zauber mit jedem Ohr, das hört, und jedem Herzen, dass für ihre Schönheiten offen ist, zu teilen."

In einem exklusiven Interview mit der Epoch Times erzählte die 66-jährige Künstlerin anschließend mehr über ihr Leben für die Musik und mit der Musik.

Epoch Times: Philadelphia ist in Ihrem Leben ein sehr wichtiger Ort gewesen. Erzählen Sie uns von Ihren Erlebnissen 1982 in Philadelphia.

Jessye Norman: Es war eine große Freude, 1982 Purcells „Dido und Aeneas" sowie „Oedipus Rex" unter der Leitung von Toby Robertson vom Londoner Old Vic-Theater zu singen. Damals knüpfte ich Freundschaften, die mich heute noch immer begleiten. Das war eine sehr glückliche Erfahrung. Außerdem hatte ich damals in dieser Gegend viele Verwandte.

Epoch Times: Es heißt, dass Sie als neunjähriges Mädchen sich spontan in Opernmusik verliebten, die Sie im Radio hörten. Wissen Sie noch, welche Stücke oder Sänger das waren und wie Sie sich damals gefühlt haben?

Norman: In diesen Legenden steckt natürlich ein Körnchen Wahrheit. Es stimmt, dass ich schon in sehr jungen Jahren die Liveübertragungen aus der Met am Samstagnachmittag im Radio mitverfolgte. Ich erinnere mich an Lucia di Lammermoor mit Joan Sutherland, an Aida mit Leontyne Price und an viele mehr. Dass ich die Sprachen, in denen da gesungen wurde, überhaupt nicht verstand, störte mich nicht, weil uns der großartige Moderator Milton Cross immer alles über den Handlungsverlauf erzählte.

Epoch Times: Über Marian Anderson sprachen Sie oft auf eine inspirierende Weise. Können Sie uns erklären, inwiefern Sie von ihr als Person und Künstlerin beeinflusst wurden? (Anm. d. Red.: Die Altistin Marian Anderson war 1955 die erste afroamerikanische Solistin in der Geschichte der New Yorker Metropolitan Opera; 1961 sang sie zur Amtseinführung John F. Kennedys die US-Nationalhymne.)

Norman: Der großartigen Miss Anderson gebührend zu huldigen, würde hier den Rahmen sprengen. Hier soll nur so viel gesagt werden, dass ihre Gegenwart, ihre Stimme mit keiner anderen verglichen werden kann und der Weg, den sie ging, damit wir anderen als Interpreten in die Welt der klassischen Musik eintreten konnten, alles Dinge sind, für die man gar nicht genug Worte finden kann, um ihr „Danke" zu sagen ...

Epoch Times: Zum Thema künstlerische Freiheit sagten Sie einmal: „In Taubenschlägen fühlen sich nur Tauben wohl." Woher nehmen Sie die Stärke, sich diesen bewundernswerten Grad an künstlerischer Freiheit zu erhalten, den andere für wirtschaftliche Interessen opfern?

Norman: Meine Stärke kommt von den Menschen, die mich prägten, von meinen Eltern und deren Eltern,  von hilfreichen Freunden und Kollegen. Ich ziehe sie auch aus der Schönheit eines Sonnenuntergangs oder aus einem außergewöhnlichen Stück Musik. Inspiration gibt es an jeder Ecke, man muss nur zulassen, dass sie in die eigene Seele dringen darf.

Epoch Times: Ihr Album „Roots: My Life, My Song" erzählt die großartige Lebensgeschichte und  musikalische Reise einer afroamerikanischen Frau. Können Sie mehr über Ihre Wurzeln erzählen?

Norman: Ich denke, dass die Informationen zu der CD alles erklären. Ich bin das Ergebnis der Hoffnung und Träume vieler Menschen, der Hingabe an eine Lebensaufgabe und der Erkenntnis, dass die Stärke und der Mut meiner Vorfahren auch für mich da sind. Ich gebe mein Bestes, um meine eigenen Hoffnungen und Träume Realität werden zu lassen und diejenigen, die mich auf diesen Weg gebacht haben, mit meinem Engagement glücklich zu machen.

Epoch Times: Viele Menschen glauben, dass Musik uns eine andere Dimension eröffnen und unser Leben verändern kann. Können Sie uns von so einer metaphysischen Erfahrung mit Musik berichten?

Norman: Da ich als Musikerin arbeite, habe ich das Glück, diese transformierende Wirkung der Musik regelmäßig selbst zu erleben. Für mich ist das auch wirklich ein Privileg. Ein solcher Augenblick war zum Beispiel der, als ich mich in Leipzig in der gleichen Kirche befand, in der Johann Sebastian Bach jahrelang gewirkt war. Damals saß ich in der Nähe seines Grabes während einer Aufführung eines Bach-Oratoriums. Das war wirklich ein Privileg.

Epoch Times: Was würden Sie jungen Talenten raten, die ebenso sinnstiftend musikalisch arbeiten möchten wie Sie?

Norman: Ich bin weise genug, zu wissen, dass jeder Schüler ein Individuum ist, mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen. Jeder, der es im Leben zu etwas bringen möchte, egal ob in der Kunst oder in einem anderem Beruf, muss verstanden haben, dass Liebe und Respekt für diesen Beruf die beiden Grundvoraussetzungen sind, um darin wirklich positive Erfahrungen zu machen.

Epoch Times: Sie sind in unterschiedlichen Kontinenten vor Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufgetreten. Wie erreichen Sie in einem Augenblick diese Seelenkommunikation mit dem Publikum, das nicht einmal ihre Sprache spricht?

Norman: Wir sagen ja die ganze Zeit, dass Musik eine universelle Sprache ist. Das ist auf jeden Fall wahr. Für mich ist sie sogar die Sprache des ganzen Universums. Daher funktioniert die Kommunikation so direkt und augenblicklich!

Epoch Times: Was sollten die Menschen in 50 Jahren von Ihnen in Erinnerung haben und welches Vermächtnis möchten Sie den Menschen aus Ihrem Leben hinterlassen?

Norman: Falls sich jemand in 50 Jahren noch an meine Arbeit oder meinen Namen erinnern möchte, glaube ich, dass er dabei an eine Person denken wird, die durch ihre reine Liebe zum Gesang Freude verbreiten wollte ...

Das Interview führte Pamela Tsai

 

 

 



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