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Jochen Schmeckenbecher wurde als Alberich gefeiert.
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Foto: Kai Bienert

Janowskis Wagner-Zyklus

Jubelsturm für „Rheingold“ in der Philharmonie Berlin

von Rosemarie Frühauf, Freitag, 23. November 2012 18:17

 

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Einen Jubelsturm und das Publikum außer Rand und Band erlebte man am Donnerstagabend in der Philharmonie Berlin. Marek Janowski und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin begaben sich auf die Zielgerade ihres Wagner-Zyklus mit dem Vorabend des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen". Um „Das Rheingold" entbrennt in Wagners gleichnamigem Werk ein erbitterter Kampf zwischen Göttern, Riesen und Zwergen. Ein Stück voller egoistischer Gestalten, die nur daran denken, wie sie den anderen eins auswischen können.

Marek Janowski dirigierte das Rheingold nicht auratisch (außer im Vorspiel), sondern flott und erzählerisch als mitreißendes Märchen. Er fasste die zweieinhalb Stunden wie unter einen großen Bogen zusammen, inszenierte berauschende Höhepunkte an geeigneten Stellen (Nibelheim und die Zwischenspiele) und agierte sonst sehr sängerfreundlich. Experimentierfreudig gestaltete er den Schluss, wo die Rheintöchter aus weitester Entfernung kaum noch zu hören waren und die Bläser die Reprise von Wotans großem Gedanken im Pianissimo ansetzen mussten, bevor sie zum pompösen Finale aufdrehten.

Tomasz Konieczny machte aus Göttervater Wotan einen kühlen, berechnenden Typ, der sich ständig von anderen dreinreden lässt. Stimmlich sehr kraftvoll und mächtig, zuweilen schneidend, aber etwas eindimensional im Ausdruck. Ihm fehlten die göttliche Aura und die Zwischentöne, dafür bot er erstklassige Textverständlichkeit. Man darf gespannt sein, wie er sich in der Walküre schlägt, wo seine Rolle mehr Spielräume bietet.

Ihm zur Seite stand Iris Vermillion mit einem herb-sinnlichen Mezzosopran als seine Göttergattin Fricka - doppelbödige Pragmatikerin zwischen zuckersüßen Tönen und peitschenden Vorwürfen. Silbrig und mädchenhaft dramatisch Ricarda Merbeth als Freia, die beinahe an die Riesen verkauft wird. Deren Zweigestirn dominierte Günther Goissböck als Fasolt, der mit seinem tiefschwarzen und seelenvollen Bass seinen Bruder Fafner übertrumpfte, Timo Riihonen wirkte gegen ihn etwas dünn und polternd.

Lesen Sie auf Seite 2: König des Abends: ein Zwerg




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