Die Zeit läuft für oder gegen Geldanlagen in Lebensversicherungen?
Die Zeit läuft für oder gegen Geldanlagen in Lebensversicherungen?
Foto: Benjamin Klack / Pixelio

Ungeahnte Risiken

Kapitallebensversicherungen – die goldenen Zeiten sind vorbei

von Matthias Weik / Gastautor, Montag, 26. November 2012 16:37

 

Jetzt haben auch die Mainstreammedien die Problematik der Lebensversicherungen aufgegriffen. Der Focus schreibt vom Niedergang der Lebensversicherung – Millionen Deutsche fürchten um ihre Altersvorsorge.

Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums warnt laut der Zeitung die Welt vor existenzbedrohenden Problemen bei zahlreichen Lebensversicherern. Folglich könnte der Garantiezins künftig noch stärker fallen. Laut Financial Times geht die Bundesregierung davon aus, dass bei länger anhaltenden Niedrigzinsen ab 2018 20 Prozent der Anbieter die Anforderungen der Aufsicht an Rückstellungen und Eigenmittel nicht mehr erfüllen könnten.

Historisch niedrige Zinsen und eine galoppierende Staatsverschuldung bringen die populärste Kapitalanlage Deutschlands ins Wanken. Die Deutschen verlieren mehr und mehr das Vertrauen in die Lebensversicherung. Laut einer Umfrage würden mehr als zwei Drittel der Bundesbürger heute ein solches Finanzprodukt nicht mehr abschließen. Ferner beginnt die steigende Inflation vermehrt die zumeist spärliche Rendite immer weiter aufzufressen. Der Spiegel bringt es knallhart auf den Punkt: Die Politik hilft vor allem den Konzernen – und lässt die Kunden im Stich.

Oftmals erbärmliche Rendite

Bei einer Kapitallebensversicherung sind weder die genauen Investments noch deren Gewichtung bekannt. Meistens handelt es sich bei dieser Versicherung um einen langfristigen Sparvertrag mit einer oftmals erbärmlichen Rendite. Bereits 1983 fällte das Landgericht Hamburg ein vernichtendes Urteil (AZ: 74 047 / 83, LG Hamburg), dem bis heute Versicherungen nicht widersprochen haben. Der Kern des Urteils bildet der Satz: Eine Kapital-Lebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug.

Bei einer Inflation kann die gesetzlich garantierte Rendite sehr schnell zu einem Verlustgeschäft werden. Kippen mehrere Versicherer, wird die Auffanggesellschaft „Protektor“ voraussichtlich schnell an ihre Grenzen stoßen. Das Auflösen dieser Anlage vor Ablauf ist mit empfindlichen finanziellen Verlusten verbunden. Laut „Zeit“ werden zwölf Prozent der Verträge pro Jahr bereits in der Anfangsphase wieder gekündigt, 75 Prozent aller 30-jährigen Rentenverträge werden vorzeitig aufgelöst, weniger als 50 Prozent der 20-jährigen Verträge laufen bis zum Vertragsende durch und selbst von den zwölfjährigen wird ein Drittel gekündigt.

Nicht zu verkennen ist, dass es sich bei der Garantieverzinsung nicht um die Mindestrendite handelt, die man bei Lebens- und Rentenversicherungen erzielt. Bei dem Garantiezins handelt es sich ohne Zweifel um Augenwischerei. Denn der Garantiezins bezieht sich immer nur auf den sogenannten Sparanteil. Der tatsächliche Zins, bezogen auf den Gesamtbeitrag, ist deutlich niedriger als der ausgewiesene Garantiezins. Wie viel übrig bleibt, hängt auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. Bei Direktversicherern fallen sieben bis acht Prozent der Beiträge dafür an, bei vertriebstarken Gesellschaften zwölf bis 15 Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen bis zu 18 Prozent.

Ungeahnte Risiken

Vom 1. Januar 2012 an erhalten Neukunden einer Lebensversicherung nur noch 1,75 Prozent Zinsen, bislang waren es 2,25 Prozent. Laut Wirtschaftswoche ist eine Lebensversicherung keine geeignete Langfrist-Anlage mehr. Man sollte sich nicht von der Aussicht auf höhere, aber nicht garantierte Überschüsse über das fest zugesagte Mindestniveau hinaus blenden lassen. Bei über kurze Zeit laufenden Verträgen reicht der garantierte Mindestzins nicht einmal, um die Kosten auszugleichen. Der Versicherte macht dann bereits ohne Inflation Verluste.

Wer seine private Altersvorsorge ausschließlich auf der Lebensversicherung aufbaut, hat laut Handelsblatt ein erhebliches Anleiherisiko im Depot. Dieses abzubauen ist äußerst schwierig. Wer kündigt, erleidet in den ersten Vertragsjahren – in denen die Versicherer die Abschluss- und Vertriebskosten berechnen – hohe Verluste. Verbraucherschützer haben gerichtlich erhebliche Verbesserungen im Sinne des Verbrauchers erzielt. „Aus seit 2008 abgeschlossenen Verträgen müssen Kunden mindestens 85 Prozent ihrer eingezahlten Beiträge zurückbekommen. Bei älteren Policen liegt die Mindestquote bei 50 Prozent.“

Laut Handelsblatt können wegen der Anlagepolitik der Gesellschaften ungeahnte Risiken entstehen. Eine Ausfallwelle am Anleihemarkt hätte verheerende Konsequenzen. Laut der Finanzaufsicht BaFin waren die Lebensversicherer im Herbst 2011 mit rund neun Prozent ihres gesamten Anlagekapitals in Staats- und Unternehmensanleihen der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) investiert. Ein Teil dieser Investitionen hat die Versicherer bereits eine Menge Geld gekostet. Im zweiten Quartal 2011 musste der Allianz-Konzern im Zuge der griechischen Umschuldung 644 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben, die Münchener Rück rund 700 Millionen Euro. Laut der Zeitung „die Welt“ fehlen den Lebensversicherungen und deren Kunden wegen der Niedrigzinsen für die vergangenen 15 Jahre 170 Mrd. Euro in der Kasse.

Lesen sie weiter auf Seite 2: Steigende Inflation ist Gift für die Versicherten

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