Ulla Unseld-Berkéwicz
Ulla Unseld-Berkéwicz
Foto: dapd/Sebastian Willnow

Landgericht beruft Suhrkamp-Chefin Unseld-Berkéwicz ab

Epoch Times, Montag, 10. Dezember 2012 18:48

Berlin – Empfindliche Niederlage für die Geschäftsführung der traditionsreichen Suhrkamp Verlags: Das Landgericht Berlin hat am Montag im Rechtsstreit zwischen den Gesellschaftern beschlossen, dass Ulla Unseld-Berkéwicz zusammen mit zwei Mitgeschäftsführern von der Verlagsgeschäftsführung abberufen werden muss. Hintergrund des Verfahrens ist eine Klage des Unternehmers Hans Barlach, dessen Medienholding Winterthur mit 39 Prozent Minderheitsgesellschafter des Verlags ist. Der Anwalt des Suhrkamp-Verlags, Peter Raue, griff Barlach nach dem Urteil scharf an. Dieser wolle aus dem Verlag eine "Cash Cow" machen.

Die Zivilkammer des Berliner Landgerichts setzte mit ihrem Urteil einen Gesellschafterbeschluss vom November 2011 rückwirkend in Kraft, wonach Unseld-Berkewicz "als Geschäftsführerin aus wichtigem Grund abberufen" wird. Zudem wurden sie verpflichtet, einen Schadensersatz von 282.486 Euro zu zahlen. Barlach wirft der Suhrkamp-Geschäftsführung laut Gericht vor, Räume im Haus der Verlegerin Unseld-Berkéwicz für Events angemietet, damit Privates und Geschäftliches vermischt und dem Verlag geschadet zu haben.

Aufnahme von Barlach als Gesellschafter laut Raue ein Unglück

Rechtsanwalt Raue sagte Deutschlandradio Kultur, die Aufnahme von Barlach als Gesellschafter sei von Anfang an ein Unglück gewesen. Es wäre sehr viel "gescheiter" gewesen, wenn Barlach in ein Start-up-Unternehmen investiert hätte, um dort Geld "rauszupressen", sagte Raue.

Die jetzige Entscheidung des Landgerichts sei nicht rechtskräftig und ohne Wirkung, betonte Raue. Selbst wenn das Worst-Case-Szenario eintrete und die Geschäftsführung nach einer Berufung endgültig abberufen werde, sei das nicht das Ende des Verlags: "Dann wird man einen anderen Geschäftsführer einsetzen, der die Verlagspolitik weiter macht", sagte Raue.

Die 63-jährige Witwe des Verlagsgründers Siegfried Unseld gehörte seit dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2002 der Geschäftsführung des Suhrkamp Verlages an. Seit Oktober 2003 hat sie den Vorsitz der Geschäftsführung und hält 61 Prozent der Anteile des Verlages. Zwischen ihr und Barlach, Enkel des Bildhauers Ernst Barlach, gibt es seit Jahren Streit.

dapd



Schlagworte

Kultur, Prozesse, Verlage, Suhrkamp


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