Ärzte bei einer Operation
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Foto: über dts Nachrichtenagentur

Mediziner, Juristen und Politiker fordern neues System der Organvergabe

Epoch Times, Sonntag, 27. Januar 2013 08:09

Mediziner, Juristen und Politiker fordern eine grundsätzliche Debatte über die Praxis der Organvergabe in Deutschland. Professor Gerd Otto, ehemaliger Leiter der Transplantationschirurgie der Universitätsklinik Mainz, sagte dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass sich in Deutschland dringend etwas ändern müsse. Es gehe um die Frage, wen man angesichts des Organmangels retten wolle und wen man nicht mehr retten könne.

"Wenn die Patienten mit ganz schlechten Erfolgsaussichten ausgeschlossen würden, gäbe es keinen so schlimmen Organmangel mehr", sagt Otto. Der emeritierte Chirurg hält es für einen schweren Mangel, dass die Organe vornehmlich nach Dringlichkeit vergeben werden. Als neues Kriterium bei der Verteilung von Organen plädiert er für den sogenannten Benefit – die Differenz zwischen der Lebenserwartung mit und ohne Transplantation. Danach bekommt derjenige Patient die Leber, dessen Leben sich durch die Transplantation am meisten verlängert. Auch die Grünen verlangen neue Vergaberichtlinien. "Derzeit wird alles von den Skandalen überlagert", sagte der grüne Transplantationsexperte Harald Terpe, "aber auf Dauer kann man das Thema der Vergabekriterien nicht unter dem Deckel halten." Drastisch äußert sich der Medizinrechtler Thomas Gutmann, Professor an der Universität Münster. Er bezeichnet die Organverteilung als "Krebstumor im Gewebe des Rechtsstaates". Seine Kernkritik: Durch die Richtlinienkompetenz der Bundesärztekammer und die europäische Vergabestelle Eurotransplant seien private Institutionen mit hoheitlichen Aufgaben betraut worden. Gutmann sieht darin einen klaren Verfassungsbruch. "Egal ob in England, in Frankreich oder in der Schweiz, überall ist man sich einig, dass der Gesetzgeber die Verteilung von Lebenschancen regeln muss", sagt Gutmann, "nur in Deutschland haben sich die Politiker davor gedrückt und es den Ärzten überlassen."

(dts Nachrichtenagentur)



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